BEWERTEN
 

Henry Rollins

»get in the van - on the road with BLACK FLAG«

[2.13.61 Publications, 247 S., sehr viele s/w-Fotos, DM 78,- * / VÖ: 10.11.1994 ]

Text: Autor unbekannt

... das war das Ziel von HENRY ROLLINS, nachdem er BLACK FLAG das erste Mal gesehen hatte. Keine drei Monate später, im Sommer' 81, gehörte die spießbürgerliche Existenz eines leit(d)enden Angestellten einer Eisdiele in Washington DC der Vergangenheit an und ROLLINS war der Sänger von BLACK FLAG, eine der stilprägenden, bestimmt aber eine der intensivsten \"Punk\"-Bands der Westküste. G. E. Friedmann (s. a. E. Wolters Buchbesprechung von \"Fuck You Heroes\") charakterisierte ihre Konzerte durch den Umstand, daß diese aufgrund von Ausschreitungen oder Prügeleien mit \"faschistischen\" Cops entweder frühzeitig beendet oder gar nicht erst begonnen wurden.

Von 1983 bis zum abrupten Split im August '86 führte ROLLINS ein lockeres Tagebuch, das nun, ergänzt um zwei Kapitel über die ersten zwei Jahre mit BLACK FLAG, in ROLLINS' eigenem Verlag erschien. Mit großer Intensität wird man in ein Leben jenseits jeder gesicherten bürgerlichen Langeweile gezogen, geprägt von brutaler physischer Gewalt auf den Konzerten, in Schlägereien mit rechten Skins - erschreckend heftig gerade auf Europatourneen - sowie immer wiederkehrenden Fights mit Gesetzeshütern; überlagert von der täglichen Unsicherheit um einen Platz zum Pennen und was zu essen. Trotz eines Lebens an der Grenze des Existenzminimums spürt man, daß ROLLINS wirklich lebt. Im Gegensatz zu anderen Tagebüchern ist seines nicht zuletzt aufgrund des durchschimmernden trockenen Humors lesenswert.
Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Lebendigkeit des (Bilder-) Buches haben die unzähligen, gut reproduzierten Fotos des sich ständig bewegenden ROLLINS. Wem das noch nicht reicht, der kann auf eine Doppel-CD gleichen Namens zurückgreifen, auf der ROLLINS von den Touren mit BLACK FLAG erzählt. Ganz im Gegensatz zum Inhalt (oder vielleicht auch gerade deswegen nicht) steht die edle Aufmachung des Buches im Großformat, gedruckt auf gutem Papier. Allerdings \"Printed in Hongkong\", also dort, wo Arbeit billig ist. Auch ein HENRY ROLLINS ist eben nicht frei von den Gesetzen des Kapitalismus. Trotzdem werde ich diesem Buch einen leicht erreichbaren Platz in meinem Bücherregal einräumen.



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