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»The Dub Joint«
Text: Autor unbekannt
Hallo-o-o-o, willkommen im Land der Echos. Jetzt gibt's Bass auf die Mütze. Um der Veröffentlichungsflut der letzten Wochen Rechnung zu tragen, bekommen die Freunde tieffrequenter Zwerchfellschmeichler, babylonischer Graswurzeln und Space-Effect-Weirdoz' jetzt ihre eigene fett gefüllte, fertig gerollte Kolumne. Ready & blunted.
Fangen wir an mit 'King Size Dub Vol. 1' (Echo Beach / Indigo), dem prallsten Rundumschlag in Sachen UK-Dub, der mir bisher untergekommen ist. Wahlweise als Doppel-LP oder -CD, randvoll gefüllt mit unveröffentlichten Remix-Versionen sowie Titeln alter Hits und Klassiker von teilweise vergriffenen 12's von REVOLUTIONARY DUB WARRIORS, ROOTSMAN, IRRITATION STEPPAS, SMALL AXE (u.
a. Adrian Sherwood und Keith Leblanc), BIM SHERMAN (von dem demnächst ein Acoustic-Album ins Haus steht), GOAT TO MOVE, L.S. DIESEL (unglaublich cooler Track, nie gehörte Sounds, irgendwie mehr Detroit als alles andere. But definately big bud beats), DAY JAH MEETS THE DISCIPLES, ZION TRAIN, MOLARA u. a. (154 min. Spielzeit). Das Ganze garniert mit einem mehr als ausführlichen Booklet. Nicht nur was für Freaks, sondern auch ideal für den ersten Zug ..., inhale!
Fast zum selben Zeitpunkt reicht das Hamburger 'Buback'-Label mit 'Navigator' (Buback / Indigo) ein etwas weniger zurückgelehntes, aber mit bestem Stoff aus deutsch-britischem Gemeinschaftsanbau angenehm wirr gestopftes Pfeifchen herum. ALPHA & OMEGA hantieren mit der Harmonika, als würde ein paranoider Augustus Pablo im Grand Canyon um Hilfe tröten. Direkt über die Füße ins Herz geht dagegen YELLs 'Open Your Eyes'. Basserfüllt und voll entschlackter Romantik! DI IRIES geben Dir daraufhin die Hymne, die Du brauchst, um wieder aufrecht gehen zu können. Nimm einen Hit und Du singst alles mit, was Lady Sun-E Dir vorgibt: Glaube, Liebe, Hoffnung. Werte, die von den auch hier vertretenen IRRITATION STEPPAS hart auf die PROBE gestellt werden. An 'Sweet Sound In Dub' muß man glauben, um es zu lieben. Ein Riddim-Beben erster Kajüte. Nicht an der Glut verschlucken! Außerdem dabei: SILLY WALKS feat. GENTLEMAN, DUB ME RUFF SYSTEM, THE VISION u. a.
Zwei echte Wundertüten hat uns Adrian Sherwood gebaut. Auf dem neugegründeten 'On-U-Sound'-Sublabel 'Pressure Sound' werden ausschließlich die ausgesuchtesten Raritäten der Dub-Reggae-Geschichte veröffentlicht. Den Anfang machen PRINCE FAR I mit 'Dub To Africa' sowie eine Compilation von Leonard Anthony Chins aka SCANTIC produzierter Tracks mit dem Titel 'An Even Harder Shade Of Black' (beide Pressure Sound / EFA). Auf 'Dub To Africa' beschenkt man uns neben zwei bisher nur auf Dub-Plates existierenden Titeln vor allem mit des Prinzen göttlichen Ansagen. Wahrlich, eine Stimme wie Donnerhall. Die einzelnen Stücke sind genau wie die auf 'An Even Harder Shade Of Black' vertretenen Tracks von KING TUBBY, GREGORY ISAACS, AUGUSTUS PABLO, JAH WOOSH, I-ROY, ROMAN STEWART und HORACE ANDY von Sherwood kaum angetastet worden. Hier und da ein wenig Echo auf die Snare oder Gitarre gelegt, gerne mal die Höhen genullt und ansonsten Spuren sortiert. Der Mann weiß, wann er sich zurückhalten muß.
Ganz anderes Kraut, weil völlig selbstgezogen, liefern ZION TRAIN mit ihrem lang erwarteten Album 'Homegrown Fantasy' (WEA). Hemmungslos wird hier alles an Styles kombiniert, was nur irgendwie zusammengeht ... oder auch nicht geht. Das Ergebnis klingt erstaunlicherweise so unglaublich populär, daß man die weirden Sounds im ersten Augenblick gar nicht bemerkt. Definitiv Killer. Respect. Checkt das aus. Ähnlich querbeet, aber um einiges sperriger klingt der Zweitling der Japaner AUDIO ACTIVE. 'Happy Happer' (On-U Sound / EFA) ist eine trotz der Mitarbeit von Doug Wimbish und Skip McDonald massiv mit Techno- und Industrial- Sounds untermauerte und mit Soul- und Funksplittern versetzte Collage; getragen von in überirdische Echos gebetteten schweren Basslines. Anspieltip: 'Happy Shopper'. Die kiffen nicht, die müssen Crack rauchen, die Japaner! Unglaublich.
Die Stücke auf 'Observer Attack Dub' von NINEY THE OBSERVER (Roir / Semaphore) wurden alle zwischen '69 und '76 aufgenommen, vom großen King Tubby gemixt und von Mister Winston Niney Holness himself für diese Veröffentlichung noch mal neu abgemischt, u. a. mit dem Effekt einer ungewöhnlich starken Betonung der Cymbals. Recht gewöhnungsbedürftig das Ganze, ... hätte die Platte gerne mal im original Tubby-Mix gehört.
Greg Roberts und Leo Williams, Ex-BIG AUDIO DYNAMITE und -SCREAMING TARGET, liefern mit 'Second Light' ihre zweite CD unter dem Namen DREADZONE ab, die wohl so eine Art Ambient-Dub featuren soll, jedoch so fett mit Keyboard-Kaskaden, Flöten, Geigen, mittelalterlich anmutenden Chören und sonstigen Zutaten zugekleistert ist, daß mich zwischendurch der Verdacht beschleicht, sie hätten sich vielleicht besser 'Jean-Michel Jah' genannt. Nichtsdestotrotz hat die Platte mit Stücken wie dem B.A.D.esken 'Little Britain' ihre Perlen.
THE DUB SPECIALISTS arbeiten auf 'Dub To Dub, Break To Break' (Crispy / SRD) gekonnt und witzig funkige Parts in die Songs ein. Besonders schön: die immer wieder herrlich im Delay absaufende Meters-Orgel. Selbst wenn JAMES BROWN noch so viel rauchen würde, das ginge wahrscheinlich über seinen Horizont hinaus. Unglaublich coole Scheibe.
Respect auch an RAS COMMAND aus Hannover, die mit 'In Dub' (Red Arrow / SPV) ein Album abliefern, bei dessen Besprechung man erst gar nicht auf die Idee kommt, die Worte 'für deutsche Verhältnisse ...' zu verwenden. Die tonnenschweren Steppers-Dubs gepaart mit House-Einflüssen auf einem gnadenlos tiefen Bass-Fundament des Debüts haben sogar Fe Wolter von THE VISION überzeugt, einen Remix beizusteuern.
Zu guter Letzt ein Sampler, der neben UK-Dub-Größen und -Nachwuchs auch Acts featured, die sonst eher aus anderen stilistischen Ecken kommen, aber mit Dub-Elementen arbeiten. Auf 'Macro Dub Infection' (Virgin) stehen neben alten Hasen - wie THE DISCIPLES, THE ROOTSMAN, IRITATION STEPPAS und MAD PROFESSOR oder dem jüngsten 'On-U'-Signing TWO BADCARD - Underground-Acts wie LAIKA und TORTOISE, die kaum mit Effekten arbeiten, sondern sich nahezu ausschließlich auf das Freilegen der Spuren konzentrieren, SPRING HEEL JACK und EXTREMADURA mit Breakbeat-Elementen, COIL, deren Ansätze schon fast im Ambient-Bereich liegen, und TRICKY oder EARTHLING, die eher dem Hip- bzw. Trip Hop zuzuordnen sind. Eine Vielfalt, der ich hier leider kaum gerecht werden kann. Stay tuned.
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Diese User besitzen die Platte
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