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Moondog

»Big Band«

[Trimba / ARIS]

Text: Autor unbekannt

Es ist schon erstaunlich, womit sich ältere Herrschaften so beschäftigen. Manch einer schafft im Schrebergarten, andere führen Enkelkinder spazieren oder züchten Karnickel. Seltener sind diejenigen, die Marathon laufen oder das Abi nachmachen, um anschließend Philosophie zu studieren. Und dann gibt es noch LOUIS HARDIN alias MOONDOG, der es sich auf seine alten Tage in den Kopf gesetzt hat, berühmter zu werden, als er ohnehin schon ist. Wo andere resignieren und die Musik Musik sein lassen, weil der kommerzielle Erfolg ausbleibt, gründet MOONDOG, um die Unabhängigkeit zu wahren, kurzerhand sein 'Trimba'-Label und produziert mit einigen Freunden seinen seit 1969 besten Tonträger 'Big Band', auf dem er seine eigene - doch etwas andere - Big Band-Musik vorstellt. Eigentlich müßte die CD 'Big Bang' heißen, denn was der ungekrönte König des Kontrapunkt im Herbst '94 in London mit LONDON SAXOPHONIC und LONDON BRASS eingespielt hat, ist ein echter Kracher.

Das auf der '93er CD 'Sax Pax' vorgestellte Konzept mit einer fast kompletten Saxophonfamilie wurde ausgebaut und um so exotische Instrumente wie Euphonium, Bass-Trompete und Kontrabass-Saxophon erweitert. Vierundzwanzig Musiker in Höchstform stürmen durch Kompositionen wie 'Blast Off' oder verbreiten eine fast andächtige Stimmung wie in 'Frank Anon'. Ob vertrackter, vielstimmiger Kanon oder Stücke in ungeraden Metren, alles kommt leichtfüßig und mit ungeheurem Drive daher. Hookline reiht sich an Hookline und Ohrwurm an Ohrwurm, vorangetrieben von der für MOONDOG typisch ostinat gespielten Bassdrum. Aber spätestens nach 11 Stücken ist es dann vorbei mit Fußwippen und Fingerschnippen. In den verbleibenden 17 Minuten setzt sich MOONDOG kompositorisch mit so unweltlichen Dingen wie schwarzen Löchern ('Black Hole'), Komunikation zwischen Lebenden und Toten ('Invocation') sowie dem von ihm höchstpersöhnlich entdeckten 'Cosmicode' auseinander. Wie die Titel schon suggerieren, geht es in den letztgenannten Stücken weniger rhythmisch zu. Vielmehr leben die Kompositionen von ihrer düsteren, manchmal fast bedrohlichen Atmosphäre ('Black Hole') und sorgen für Gänsehaut pur. 'Big Band' ist nach langer Zeit ein rundum gelungenes Werk und ein hoffnungsvoller Start für einen neuen Abschnitt in MOONDOGs Karriere. Tolle Musik, brillante Musiker, viel Glück.



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