BEWERTEN
 

Chris Thomas

»21st Century Blues ... From Da 'Hood«

[Private Music / BMG / VÖ: 27.07.1995 ]

Text: Autor unbekannt

Den meisten Zeitgenossen läuft alleine bei Erwähnung des Begriffs 'Blues' der kalte Schauer des Entsetzens über den Rücken, und unsere Phantasie verleitet uns zu Assoziationen, in denen zumeist alte Männer mit noch älteren Gitarren in einer des öfteren undefinierbaren Mundart, die der Adressat geographisch betrachtet nur mit 'all the long way down south ...' hilflos kommentieren kann, Geschichten über entlaufende Ehefrauen und schlechtes Essen in staatlichen Rehabilitationsanstalten zum besten geben. Es gestaltet sich also äußerst schwierig, Musik aus diesem Genre, das den Hauch des sich selbst überlebenden Anachronismus' nicht abschütteln kann, einer breiteren Hörerschaft zugänglich zu machen. Manchmal jedoch scheint es möglich, die Kluft zwischen Blues und Breitenpublikum zu überwinden.

CHRIS THOMAS hat sich der Problematik mit diesem Album auf eine schlichtweg extravagante Weise angenommen und seine musikalischen Wurzeln mit fremden Elementen fusioniert: Rap vernimmt man nicht ohne Erstaunen! THOMAS rapped über seine Bluesrock-Lines und Balladen. Was den Puristen vielleicht als Affront erscheint, macht meiner Meinung nach den Reiz dieser CD aus. Die Fusion ist überaus gelungen, und einige Stücke haben sogar das Potential, auf hiesigen Independent-Tanzflächen zu bestehen, wie z. B. 'Up From Da Underground'. 'Ich wollte eine Blues-Platte machen, die so klingt, als wäre sie 1995 gemacht. ... Es ist eine Blues-Platte, die in keiner anderen Zeit als heute hätte gemacht werden können ...', spricht der Musiker in Amerikas Billboard-Magazin. Er sei derjenige, der den Blues ins 21. Jahrhundert trägt, loben die Kritiker - so sei es! In dieser Form der Interpretation ist Blues wieder ein interessantes Medium. So wird es keinen wundern dürfen, wenn von CHRIS THOMAS Parallelen zu den RED HOT CHILI PEPPERS, LENNY KRAVITZ und diversen anderen Interpreten gezogen werden. Deren Schaffenskraft liegt schließlich auch die Quelle 'des kalten Entsetzens' zugrunde. Fazit: JIMI HENDRIX beeinflußte Gitarrenlicks, Rhymes, die nichts mit entlaufenden Ehefrauen zu tun haben, und eine Rhytmussektion, die noch weiß, was die Vokabel 'Groove' bedeutet. Für das 21. Jahrhundert hat dieses Album meinen Segen.



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