BEWERTEN
 

Trilok Gurtu's Crazy Saints

»Believe«

[CMP]

Text: Autor unbekannt

Keine leichte Aufgabe stellt sich dem Rezensenten, dieses vierte Album unter Eigenregie des indischen Percussionisten in wenigen Worten ins rechte Licht zu rücken, ohne in seitenweise Verweise auf dessen bewegte Vergangenheit zu verfallen. Waren es in jungen Jahren Begegnungen mit westlicher Musik sowie in den 70ern erste Gehversuche (Zusammentreffen mit PAT METHENY, DON CHERRY, JAN GABAREK, Percussion bei der Prog-Jazz-Formation OREGON), die TRILOK GURTU der strengen und traditionellen Musikerziehung seiner Heimat entrissen - in diesem Zusammenhang vor allem dem Studium der Tabia, einem der vielschichtigsten Percussioninstrumente überhaupt -, trat er in den achtziger Jahren endgültig den konsequenten Weg der Verschmelzung westlicher und indischer Rhythmuswelten an.

Der Charme des kleinen energiegeladenen Drummers, der kniend an einem ebenerdig errichteten Schlagwerksammelsurium wahre Feuerwerke an unterschiedlichsten Taktingredienzen abbrannte, erfaßte die europäische Zuhörerschaft, und daher ist die bis dato wohl bekannteste Kollaboration GURTUs seine Trommlerrolle beim JOHN McLAUGHLIN TRIO, mit dem er zwei Alben einspielte sowie frenetisch bejubelte Touren absolvierte. Über seine Freundschaft mit McLAUGHLIN hinaus sammelte TRILOK GURTU im Laufe der Jahre eine illustre Schar von Musikern um sich, mit denen er Alben von befremdlicher Schönheit ob ihrer Kollision verschiedenster musikalischer Elemente einspielte; dieses vierte nun überzeugt in erster Linie durch das extreme Bandgefüge. Hektische Melodiebögen eifern der Percussion nach, bis diese ausbricht und halsbrecherisch dagegensteuert. TRILOK GURTU singt vieles, was er spielt, mit den Tabiasilben. Das wirkt merkwürdig, elektrifiziert den Takt jedoch wesentlich mehr als das westliche 'Pendant' Rap. Von Album zu Album sind seine Rhythmen geläufiger geworden, nun erlaubt er sich nicht mal mehr die Sphäre vom afrikanisch beeinflußten 'Living Magic' oder dem Erstling 'Usfret'. Die CRAZY SAINTS, eine Band, die hier von purer Statisterie zum beeindruckenden Jazzquartett avanciert, birgt mit Daniel Goyone am Piano einen begnadeten Komponisten mit der Konsequenz interner Melodiebögen sowie mit Chris Minh Doky einen feinfühligen wie integrativen Bassisten in sich. Einzig Gitarrist David Gilmour (nein, nein, nicht der!) zeigt sich zwar souverän, wirkt so jedoch, als gleichzeitig einziges Bindeglied zwischen den vier Alben, ein wenig altbacken. Die Platte ist kein Solo-Scheibchen vom großen Schlagzeugerkuchen, obwohl mit Sicherheit von eben dieser Gruppe am meisten konsumiert, vielmehr vollzieht sie einen Dauerlauf durch Funk und Jazz, angetrieben von fernöstlicher Rhythmik. 'Believe' läßt den Hörer in Energie eintauchen, die TRILOK GURTU kübelweise aus seinen Songs ergießt, und es ist genug für alle da.



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