BEWERTEN
 

Tortoise

»Rhythms, Resolutions & Clusters«

[City Slang / EFA]

Text: Autor unbekannt

Es soll ja tatsächlich Menschen geben, denen das Debüt-Werk der fünf aus Chicago noch zu konventionell war. Denen kann geholfen werden. 'Rhythms, Resolutions & Clusters' enthält ausnahmslos Remixe der bereits auf dem Album erschienenen Stücke und rückt diese durch das pure Aufgreifen einiger Elemente, verbunden mit einem Sammelsurium an Geräuschen, anderen Rhythmen (wenn überhaupt) und sonstigen Ingredienzen, in völlig neue Kontexte. Programmatisch bleibt es hingegen beim alten: das 'alte' Wechselspiel der Phasen. 'Alcohal' beginnt mit Technobeat (wenn es auch nicht sonderlich viele pro Minute sind), um dann in ein Aufeinanderschichten von nicht immer entsprechenden, per Drumcomputer erzeugten Rhythmen überzugehen.

Ein Herzklopfen ist gleichmäßig und normal, wird von einem weiteren, völlig aus dem Takt geratenen Herzrhythmus 'abgelöst' ('Your New Rod' / 'Hotrod'), und manches ('Cobwebbed') klingt gar wie totes Material oder eine völlig emotionslose Betrachtung desselben. Alles noch viel dichter hier, meistens wirken verschiedene Rhythmen oder in dynamisch unverhältnismäßiger Weise verschobene Sequenzen gegegeneinander, und immer wieder ertönen bedeutungslastige Geräusche wie das Entzünden eines Streichholzes oder das Öffnen einer Dose, eingepackt in undifferenzierte weitere Geräusche; man vernimmt, wie jemand einen Raum betritt und das Radio anstellt (Diskussion), Hantieren in der Küche und ganz dezent 'Ry Cooder' im Hintergrund, bis der Doseninhalt in ein Glas gekippt wird. Dann geht's in normaler Lautstärke mit 'Ry Cooder' weiter, bis dieses in der Simulation des Rauschens eines Schallplattensaphirs untergeht. 'Initial Gesture Protraction' schließlich könnte fast die komplette Auflistung der musikalischen Gegenwart darstellen, eingebunden in - wie könnte es anders sein - die ursprüngliche Form von 'Spiderwebbed'. HipHop-Beat eröffnet, folgen Soul-Gesangsliniensamples, Sprachfetzen, R&B-Gitarre, und alles natürlich begleitet von der im Hintergrund gleichmäßig ihre Kreise ziehenden Baßlinie. Das alles ist nicht nur genial bezüglich der Transparenz, sondern klingt auch ziemlich - profan gesagt - abgefahren. Wem das nun immer noch zu 'normal' ist, sei die Zwölftonmusikabteilung des städtischen Schallplattenhändlers ans Herz gelegt. Alle anderen sollten sich sputen, denn dieses Werk gibt es nur in 1000er (Vinyl) bzw. 3000er-Auflage (CD).



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.