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»The Future Sound Of Jazz«
[Compost Records / PP Sales Forces]
Text: Autor unbekannt
Drei Jazz-Compilations unterschiedlichster Färbung sollen hier vorgestellt werden, keinleichtes Unterfangen, stürzen doch ständig neue Spezifizierungen und Definitionskreationen auf den Rezensenten ein, die dem Leser kaum noch nahezubringen sind.
Wie soll man seine Integrität bewahren, wenn man bezüglich des ersten Samplers von 'ambientelectronicabstractdigitaljazz' spricht? Mit dieser Verbalkonstruktion übermannen THE FUTURE SOUND OF JAZZ den Rezensenten, der hektisch versucht zu rezipieren, was denn da die Intention sei. Keine!
Doch nach den ersten Stücken erahnt man - kombiniert man die bisher vorhandenen Wortfragmente -, was hier propagiert werden soll.
Klassischer Jazz in neuer Bearbeitung? Nein, 'Hybrid-System-Musik', womit die Hybridisierung 'analoger Synthies mit digital arbeitenden Steuersystemen' zum Ausdruck gebracht werden sollen, meint jedenfalls das Info, dort folgen Ausführungen zu Sinn und Zweck dieses Unternehmens, über historische Aspekte des Einzugs der digitalen Studiotechnik in den Jazzbereich und visionäre Spekulationen bezüglich der Zukunft des Jazz. Literarisch nicht uninteressant, relativiert sich das Interesse generell bei Betrachtung des Tonträgers. Keinerlei Innovation, nicht im geringsten originell, nein, eher konsequent langweilend ist dieses Forum großer Namen wie SHANTEL (der Frankfurter Szene bekannt als DJ im 'Lissania Essay') sowie KARMA, die mit Musikern wie Lars Dorsch von GROOVE ATTACK und Robert Nacken aufwarten. Mit Jazz hat deren Produkt leider nur noch entfernt zu tun. Zu dominant sind die Sequenzer-Basiclines, zu monoton das, was laut Info die Kreativität der Kompositionen darstellen soll. Der Atem des gesamten Silicon Valley liegt über den Stücken, nur PATRICK PULSINGER weiß sich dem im Ansatz mit seiner Komposition 'City Lights Pt. 2' zu entziehen. Sicherlich eine Frage des Ermessens - aber hoffentlich nicht die Zukunft des Jazz. Eine apokalyptische Vorstellung.
Bereits die 12. 'Totally Wired' wird in diesen Tagen veröffentlicht, und hier kann man die Definition Acid Jazz kommentarlos im Raume stehen lassen. 'Acid Jazz Records' führen ihre Serie erfolgreich weiter, und Eddie Piller stellt eine unterhaltende Kombination verschiedener Stilrichtungen des Jazz zusammen. Auch wenn der Sampler durch ein PRIMAL SCREAM-Stück einzubrechen droht, wird man, hat man erst den Remix von 'Funky Jam' verdaut, für diplomatisches Übergehen dieses Fehltritts belohnt. Fast obligatorisch: eine MOTHER EARTH-Beigabe ('The Life Eternal'), die den Hörer seine deliranten Phantasien ausleben läßt. Latinelemente bringt SIMON BARTHOLOMEW ein, und mit 'In Deep' von RED SNAPPER fühlt man sich an guten alten Cool-Jazz erinnert. Eine nette Compilation, abwechslungsreich, dynamisch und - natürlich - erfolgreich.
Die dritte Compilation schaffte es, den lang ersehnten Aha-Effekt auszulösen. Die wahrlich erlesene Sammlung 'In II Jahzz IV 2' verbindet traditionellen Jazz mit Kompositionen des Club-Jazz. Das von Roey Marquis, Kerstin Lamb und Uwe Thiel gegründete Label 'Loose Ends' hat sich der Idee verschrieben, Jazz in einem progressiven Prozeß weiter zu fördern, was auch die Auseinandersetzung mit der immer größer werdenden Club-Jazz-Szene beinhaltet. Exemplarisch zeigt die Compilation Gemeinsamkeiten der klassischen Jazzrichtungen und der Jahzz-Bewegung, die mit den Möglichkeiten der Studiotechnik ebenfalls in ihren Kompositionen Virtuosität entwickeln kann. Keinesfalls vergleichbar mit den enttäuschenden Projekten auf 'The Future Sound Of Jazz' tragen z. B. JAZZ CON BAZZ, OTROPIC TREE und DJ DIFFERENCE einerseits und Traditionalisten wie BLACK NOTE und WILL WILLIAMS andererseits zum Erfolg dieser Compilation bei. Ohne in Pädagogik-Schemata zu verfallen, wird hier illustriert, daß die Jazzszenerie interfraktionär arbeiten kann und dabei nicht vergißt, ein Publikum qualitativ anzusprechen. Sehr empfehlenswert!
Aber was bedeutet denn jetzt 'ambientelectronicabstractdigitaljazz'? Wenn man vielleicht versucht, die Komponenten auseinander zu dividieren und ...
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