BEWERTEN
 

Teenage Fanclub

»Grand Prix«

[Creation / Sony / VÖ: 26.05.1995 ]

Text: Autor unbekannt

Es gibt Platten, die sind gewöhnungsbedürftig, weil sie mit der Dokumentation eines Harmonieverständnisses konfrontieren, die das ungeschulte Ohr zunächst als fremd und schräg empfinden mag. Und dann gibt es die Platten von TEENAGE FANCLUB. Geizten die Schotten schon auf dem Vorgänger 'Thirteen' mit sperrigen Elementen, erscheint 'Grand Prix' wie eine perfektionistische Weiterverfolgung des eingeschlagenen Pfades. Die Songs sind mehr als kerzengerade, stellen Entwicklungen im Songgefüge als so zwangsläufig wie eben nicht ausdenkbar hin und sind infolgedessen so unglaublich geschlossen, daß bei beiläufigem Hören spätestens nach einer halben Stunde durchaus die Frge aufkommen kann, ob das alles gewesen sein soll - eine Kunst für sich, die niemand besser beherrscht.

Der Albumtitel legt natürlich die Ergänzung 'd'Eurovision' nahe für diese Ansammlung zeitloser Werke populären Liedguts mit verstärkt BEATLESesken Motiven, und die Bewertung würde das knappste aller bisherigen Ergebnisse immer noch übertreffen. Dennoch steckt eine immense Verweigerung im fast anachronistisch anmutenden Schaffen des Quartetts aus Glasgow. Zum einen halten sie seit 'Bandwagonesque' fortlaufend am begradigten Kurs fest, und als trendy kann man das nur schwerlich bezeichnen. Zum anderen sparen sie auch diesmal nicht an dem ihnen eigenen Witz. Da gibt es ein Stück, das sie mit 'Neil Jung' (sic!) betitelt haben. Potentiellen Hitsingles (wenn es so etwas noch gäbe ...) solche Namen zu verleihen (und den major Inspirationsquellen auf diese Art Hommage zu erweisen) - so was tut man einfach nicht. Und dann endet der 'Grand Prix' mit einer Synthese mit dem schönen Namen 'Hardcore/Ballad', deren erster Part gerade einmal acht Durchgänge (davon allein viermal Intro) beinhaltet, so daß man etwa fünfmal in Folge zurückspulen muß, um diese (einmal mehr) himmlisch einfache/einfach himmlische Akkordfolge halbwegs auszukosten, während der zweite Part (logischerweise in krassem Gegensatz zum ersten) auch nur wenig mehr als eine Andeutung, dafür aber al fine eines Meisterwerks ist. Und wenn hier die Kollegen eines DAF-Musikmagazins ernsthaft das Fehlen einer Hitsingle bemängeln, stellt sich die Frage, ob die richtig hingehört haben (siehe oben).



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