BEWERTEN
 

King Crimson

»Thrak«

[Discipline Global Music / Virgin / VÖ: 03.02.2005 ]

Text: Autor unbekannt

Es wird Frühling, Teil 1. Die Sonne sinkt wie ein gelbes Kaugummi in die Hosentasche, um dort zu verkleben. An der Ecke schimpft ein Vater mit seinem Sohn: \"Verdammt nochmal, nicht auf die Straße!\" Ein wenig wird's Abend. Gleich muß der Dreikäsehoch sowieso rein. Damals, 1975 war's bei mir wohl genauso. Völlig unbeeindruckt rannte ich wieder auf die Straße, um dort vorbeifahrende Wagen anzuhalten und nach dem Führerschein zu fragen. Das wäre wichtig, dachte ich damals. Andere, zum Beispiel mein Onkel, wußten aber, daß das Quatsch war. Was wirklich wichtig war: Gerade hatten sie \"Red\" erstanden und fuhren sie auf ihren Mofas, Fahrrädern und 80ern nach Hause, um dort in die rauhe Welt des Progressive-Trash-Sounds einzutauchen, einer Verbindung, die 20 Jahre überdauern sollte, um im Jahre 1995 wieder aufzuerstehen.

Moderner zwar, mit Zutaten aus der 80er-Periode, zudem der 80er Besetzung, doch immer noch eine Musik erschaffend, die nur von KING CRIMSON kommen kann, sammelt sich ROBERT FRIPP mit Bedacht, um die Identität dieser Alt-Herren-Band unter Beweis zu stellen. Und tatsächlich wirkt auf \"Thrak\" nichts in letzter Konsequenz modern, geht es doch mal als schwülstiger Pop (\"Walking On Air\"), mal als krachend-schräge Wiederbelebung alter Zeiten (\"Vroom\") und immer als \"andere Musik aus einem anderen Jahrhundert\" durch. Ganz tief möchte ich den Hut ziehen, denn eine derartig authentische Reunion und gleichzeitig überzeugend eigenständige Platte hätte ich diesen Dinosauriern schwerlich zugetraut -die programmatische Metapher gibt uns ADRIAN BELEW selbst in \"Dinosaur\": \"....somebody is diggin' my bones\". Was die Band auf der letztjährigen EP \"VROOOM\" andeutete, schlägt sich auf \"Thrak\" etwas kosmetisiert nieder. Der sehr grobe Mix der EP wurde glattgestrichen, stellt nun die rhythmischen Nuancen zur Schau (furioserweise im Instrumental \"B'Boom/Thrak\", BILL BRUFORD ist einer der letzten lebenden Über-Drummer!) und die Erweiterung der Arrangements bietet ein anheimelndes Wiedersehen mit dem Kompositionsstil eines 70er FRIPP (mit der Technik der 90er), der Improvisationsbereitschaft der Band (\"Vrooom Vrooom: Coda\") und der wie eh und je poppigen Ader ADRIAN BELEWs (\"Sex Sleep Eat Drink Dream\" oder \"People\" müßten eigentlich Hits werden, wenn wir nicht '95 hätten). Das Konzept des Album ist nicht das eines unsteten, auf Provokation bedachten zum Wachrütteln, vielmehr ist es ein Status Quo für die Zeit, in der sich eine Formation seriöser Herren aufmacht, allen Interessierten der angestaubten Musikrichtung \"Progressivrock\" mit Pathos, Überzeugung, Perfektion und Originalität eben diesen neu zu definieren. Im finalen Rettungsstück \"Vrooom Vrooom/Coda\" beschwören KING CRIMSON die Vergangenheit mit einer Neuinterpretation von \"Red\" herauf und liefern mit diesem furiosen Abschluß die definitive Einladung zu einem ihrer Live-Dates Anfang Mai.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.