BEWERTEN
 

Ned's Atomic Dustbin

»Brainblood Volume«

[Furtive / Sony]

Text: Autor unbekannt

Ich erinnere mich gern an die postalische Ankunft des ersten NED'S ATOMIC DUSTBIN-Albums "Bite" vor über vier Jahren. Gleich beim ersten Hören der mir bis dato vollkommen unbekannten Band schloß ich die Briten in mein Herz und trällerte fortan die breaklastigen, vom Schlagzeug und der Lead-Gitarre fast begrabenen, angenehm ungestümen Ohrwürmer wie "Aim", "Plug Me In" und ihren wohl größten Hit "Kill Your Television" vor mich hin. Dies muß wohl nicht nur mir so ergangen sein, denn mit dem Hype in ihrer Heimat kam schnell auch der Deal mit der "Sony" und zu meiner Verwunderung kurze Zeit später ein weiteres Album. Dieses enthielt aber hauptsächlich neu eingespieltes Material des "Bite"-Longplayers und wurde sogar dreist als Debütalbum namens "God Fodder" vorgestellt.

Die Euphorie um die Band war in typisch englischer Manier bereits vor Erscheinen des zweiten/dritten Albums "Are You Normal" nur ein Jahr später wieder abgeflaut. Im Grunde genommen hat das smarte Quartett um den behäbig wirkenden Jonn bis zur Veröffentlichung ihres dieser Tage erscheinenden dritten/vierten Albums "Brainblood Volume" sogar gar keinen "richtigen" Erfolg gehabt. Und auch nach mehrmaligem Hören bin ich mir nicht sicher, ob sich der jetzt einstellen wird. Sie seien "deutlich härter geworden", behauptet das dreizeilige(!) Info. Diese fatale Fehleinschätzung läßt vermuten, daß die Verfasser entweder nur den Opener (gleichzeitig auch die erste Singleauskopplung) oder aber die alten Alben nie gehört haben. Tatsächlich handelt es sich nämlich um ein extrem rundes Gitarrenpop-Album, das auffällig songorientierte Arrangements und eine ebenso disziplinierte Bandleistung offenbart. Geblieben ist das ausgesprochene Melodiegespür und der allerdings nicht mehr so auffällig stoßhaft, smarte Dynamik-Gesang Jonns, verschwunden hingegen die angenehm ungestüm-jugendliche Art. Geschliffene Perfektion statt jugendlicher Leichtsinn scheint die Devise, die plötzliche Songausbrüche heuer auf die Sekunde genau perfekt geplant erscheinen läßt.
NED'S ATOMIC DUSTBIN sind wohl auf dem Wege, das zu erlangen, was man geläufig als "Reife" bezeichnet. Trotz so erstklassiger und typischer N.A.D.-Songs wie beispielsweise "Your Only Joke" und die gesamte zweite Albumhälfte kann ich mich noch nicht endgültig entscheiden, in welcher "Version" mir die Band besser gefällt und ob ich mein riesiges "God Fodder"-Poster doch irgendwann einmal von der Wand nehmen sollte. Vielleicht wird ja auch das geläufig als "Reife" bezeichnet ...



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aus Intro #23 (April 1995)
 
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