BEWERTEN
 

Die Fremden

»Dilemma«

[Day-Glo / SOV]

Text: Autor unbekannt
[2 Kommentare]

Nach intensivem Hören ihrer beiden Alben drängt sich mir unweigerlich die Frage auf, ob DIE FREMDEN sich nicht selbst immer wieder fremd sind. Anders ist der heutzutage wirklich einzigartige und - trotz oder wegen aller entdeckten Unstimmigkeiten - überzeugende Stilmischmasch kaum zu erklären. Dabei sind es vor allem die unterschiedlichsten Spannungsbögen, die dem Hörer einiges mehr abverlangen als nur den puren Pogo-Schweiß. Die Göttinger FREMDEN machen Punkrock, sind aber dennoch keine Punkband im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Art Künstlergemeinschaft, die sich, ohne sich hinter ihren zuweilen anstrengenden Arrangements zu verstecken, über Rockmusik vermittelt.

Jeder Song ist eine einzige Performance, jeder Break läutet eine neue Szene im nicht selten überladenen Stück ein. Daß es spätestens nach diesem Album viele Stimmen geben wird, die als Vergleich TON STEINE SCHERBEN bringen werden, sollte nicht weiter stören, ist es doch eher ein Beweis für die Zugehörigkeit zu jener vom Aussterben bedrohten Gattung derart ausgerichteter, ungemütlich zu konsumierender Bands als die direkte Bezichtigung des Plagiats. Auch wenn der ebenso charismatisch wie manisch wirkende Frontmann Diva (!) Vergleiche mit Reisers Rio nicht zu scheuen braucht, sind die verkörperten Charaktere doch sehr unterschiedlicher Natur.
DIE FREMDEN sind deutsch, durch und durch. Sie reflektieren ohne Umwege über Lyrik und Musik, gesellschaftliche Reizthemen, ohne sie als verbale Kreuzüber-Attacke einzusetzen. Bei ihrer Arbeit geht es ihnen ganz offensichtlich nicht um musikalische oder soundtechnische Perfektion, sondern um den jeweiligen Song mitsamt seiner eigenständigen und ungemütlichen Intention. Dieser Einstellung gebührt zumindest ein gewisser Respekt. Der aber hat es in unserer Gesellschaft bekanntlich sehr schwer ...! Hochachtungsvoll,



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  • andreas_loser 15.12.2009 | 01:49:04

    "Autor unbekannt"?
    Der sehr kompetente INTRO-Plattenkritiker war Matthias Hörstmann (mutmaßlich).

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