BEWERTEN
 

Chris Whitley

»Din Of Ecstacy«

[Sony]

Text: Autor unbekannt

Mit \"Din Of Extasy\" legt CHRIS WHITLEY seine zweite Platte vor. \"Aber Vorsicht: Is cool, man!\" Dies ist wörtlich zu nehmen. Denn während beim Erstling noch der Blues aus jeder Saite quoll, ist WHITLEY dieses Mal gleich mehrere Schritte weitergegangen. Zunächst fällt auf, daß sein Gesang sich verändert hat. Das brüchige, wegkippende, klagende Element macht einer unterkühlten Phrasierung Platz, die sich den veränderten Umständen der Musik anpaßt. Und das ist kein Blues mehr, sondern erinnert eher an die Gitarrenkaskaden von KING CRIMSON (ca. '84) als an das Mississippi-Delta. WHITLEY sucht sein Heil im Experiment, wobei er sich weit aus dem Fenster lehnt.

Seine Kompositionen sind unspektakulär, fast Nebensache. Was fasziniert, sind imposante, Gitarrengewitter von virtuoser Eleganz, die jeden Song durchziehen. Allerdings kokettiert WHITLEY mit der Atonalität und betont unbequemen, extrem komplexen Akkordfolgen. Zur akustischen Dobro greift er nur noch selten, und Variationen gibt es nur innerhalb des vorgegebenen Konzeptes. So hören sich die Stücke denn auch alle ähnlich an, abgesehen vom Tempo und mit Ausnahme des Rockers \"Din\", der jedoch genügend überraschende Riffs beinhaltet, um spannend zu klingen. Diese Platte wird wohl mehr Bewunderung als Liebe ernten. Dennoch gebührt CHRIS WHITLEY Respekt gezollt, da er etwas Neues versucht. Letztlich scheitert er nur denkbar knapp unterhalb des selbst vorgegebenen Anspruchs, weil er das Element der Melodie nahezu vollständig ausklammert. Seine musikalische Entwicklung ist jedoch äußerst vielversprechend.



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aus Intro #22 (März 1995)
 
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