BEWERTEN
 

Faith no more

»King For A Day, Fool For A Lifetime«

[Metronome / VÖ: 27.09.1999 ]

Text: Autor unbekannt

Da ist er, der erste vorprogrammierbare '95er Millionseller aus dem Segment \"Alternative\" mit längst ausgeprägter Ader für die Sparte \"Populär\". Das dürfte dieses Album zumindest in kürzester Zeit nach seiner offiziellen Veröffentlichung am 10. März sein. Nach dem unschönen Rausschmiß des Gitarristen Jim Martin wurde die angeblich immer noch vakante Stelle vorübergehend mit MR. BUNGLE-Hilfestellung durch \"Scummy\" besetzt. Der schien weniger Wert auf Soloarbeit zu legen, sondern sein Engagement für einen vollständigeren Sound einzusetzen. Mit Hilfe der erschreckend präzise arbeitenden Rhythmusachse erscheint das mittlerweile vierte FAITH NO MORE-Album deutlich BUNGLEig rockiger, wobei die vorab ausgekoppelte Single \"Digging The Grave\" allerdings geradezu ass-kickin'-punkig daherkommt.

Das Glanzstück ist zweifellos die epochale Vorstellung des ultimativen Rocksongs \"Ricochet\", dessen strukturell aufgepeitschter Druck sich in einem fesselnden und hymnenartigen Refrain entlädt. Unglaublich! Aber auch sonst brilliert ein Track nach dem anderen: extrem funky, aber stets vertrackt (\"Star A.D.\") oder mit typischem FAITH NO MORE-Sound (nie hat ein Keyboard in einem Rocksong besser funktioniert!) zuzüglich der apathischen Anfälle eines sich immer wieder selbst übertreffenden Mike Pattons (\"Cuckoo For Caca\" oder \"Ugly In The Morning\"). Daß die Wogen zwischendurch immer wieder mit balsamierender Schönheit (bestes Beispiel: \"Caralho Voador\") geglättet werden, scheint dabei ebenso erwähnenswert wie das ungewohnt ausgewogene Songmaterial. Gab es auf \"Angel Dust\" noch einige Durchhänger, so erscheint \"King For A Day, Fool For A Lifetime\" mehr denn je als stimmiges oder gar kompaktes Album mit extrem hoher Songdichte. Neben den vor frischer Energie nur so strotzenden Ideen dürfte auch die formidable Produktion zu diesem Gesamteindruck verhelfen. Kaum ein Break, der nicht zu soundtechnischen Glanzleistungen der Toningenieure genutzt wurde, und kaum eine Passage, der nicht dieser scheinbar stets vorhandene Funke zur Detonation entlockt wurde. Und nicht erst, wenn der ebenso eigen- wie einzigartige Mr. Patton hin und her gerissen das opulent instrumentierte Schlußstück \"Just A Man\" zum Besten gibt, wird klar, welchen Stellenwert dieses Album in den Geschichtsbüchern unserer Enkel einmal haben dürfte.
Bleibt nur der Hinweis auf die sicherlich total ausverkaufte Club-Tour mit unserer neuseeländischen Lieblingsband SHIHAD, deren zweites Album und die gezeigten Live-Intensiv-Gigs allein schon den Besuch mehr als rechfertigen. Was soll ich noch sagen ...?!



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