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Bazooka

»Blowhole«

[sst / RTD / VÖ: 30.04.2002 ]

Text: Autor unbekannt

Es ist eine derjenigen Platten, die sowohl phantastisch als auch beschissen sind. Solch konfliktträchtiger Stoff ist ja eher selten. Bei BAZOOKA handelt es sich um ein Instrumentaltrio in der eher unspannenden Besetzung Baß, Schlagzeug und Saxophon. Zu erwarten ist also Gedudel rund um das Etikett \"Jazz\", und genau das gibt's zu hören. In - wie gesagt - recht unterschiedlicher Qualität, was daran liegt, daß die Musiker von äußerst unterschiedlichem Format sind.
Saxophonist Tony Atherton scheint der Kopf der Formation zu sein, diesen Schluß legt zumindest der Großteil der Improvisationen (?) nahe. Zumindest bilden er und sein Saxophon besetzungsbedingt das melodische Zentrum.

Ihm fällt es dabei am leichtesten, von Genre zu Genre zu hüpfen, roter Faden allein die ständigen Überblaseffekte, die ihre aufreizende Wirkung nicht verfehlen und zudem solide gemacht sind. Seine Sache ist es nicht, wilde Skalen auf und ab zu nudeln. Häufig soliert er mittels Hooklines, die reichlich funky anmuten.
Bassist Bill Crawford macht einen insgesamt guten Job. Er ist der Rocker des Trios, sowohl was den brachialen Wummersound als auch die typischen Rocktugenden wie Power, Solidität und dergleichen betrifft. Sein Spiel ist entsprechend down-to-earth, auch wenn gelegentlich durchgeknallte Ideen die Straightness durchbrechen.
Vince Meghrouni an den Drums macht dagegen überhaupt keinen Spaß. Er ist so eine Art Jazz-Edition von HENDRIX-Drummer Mitch Mitchell, weil er offenkundig genau dieselben Schwierigkeiten sein eigen nennt. Die Breaks sind ein einziges Geholper, die Grooves keine Grooves, weil sie schlicht nicht grooven (aha!). Zu einem gewissen Grad mag dies charmant klingen und mit \"feeling\" entschuldbar sein, doch wird diese Grenze meist überschritten. Die Stücke selbst decken die Palette von \"himmelhochjauchzend\" bis \"zu Tode betrübt\" ab. Nicht etwa, weil sie Themenantagonismen wie Euphorie oder Depression verarbeiten. Im Gegenteil. Sie bleiben in der Regel dem auf die Dauer nicht unanstrengenden \"Let's have a good time\"-swing-feel verhaftet. Der Erfolg, mit dem für gute Laune geworben wird, differiert ungemein: Geht \"Billie's Bounce\" durch unentwegtes Gebounce - walking bass, Kadenzschema und so - ungeheuer auf die Nerven (schlimm auch die äußerst unsaubere Dynamik), so gehört \"My Favorite Pearl\" - eine 1,32\" kurze, chaotische Improvisation ohne Hand und Fuß - zu den schönsten Momenten Musik, die je auf einen Datenträger gepreßt wurden. Urteil: Was weiß ich?



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