BEWERTEN
 

Z.O.O.-Musik

»Obscures Obst und seltene Vögel«

Text: Autor unbekannt

Nichtsahnend schwang sich unsereiner mit der Absicht, sich in einer westfälischen Bischofsstadt mit Kaffee und Kuchen verwöhnen zu lassen, in den PKW. Um vor den sonntäglichen Automobilistentreffs auf deutschen Autobahnen sicher zu sein, schaltete ich das Radio ein. Statt der erwarteten Meldung - Stau - überraschten mich auf UKW karibische Klänge. Das Ganze in einer Sendung für \"Höhere Kultur\"(!?) - und dann auch noch mit deutschen Texten. Meine Verwirrung erreichte ihren Höhepunkt, als sich herausstellte, das sich die soeben gehörte, eher sonnige Musik textlich mit der Literaturfinsternis Franz Kafkas auseinandersetzt. Meine erste Begegnung mit dem \"Z.O.O.\"-Label und dem dort erschienenen \"Kafka\" betitelten Album von OBST OBSCURE.

Einige Zeit später betrete ich ein Herner Hinterhofbüro, um einige Fragen zu klären.

An der Türklingel findet sich noch die Aufschrift \"Zoo In You\", der Name des Vorläufers vom heutigen \"Z.O.O.\"-Label, welches sich im Grenzgebiet von Klassik, Pop und Avantgarde bei Insidern bereits einen Namen gemacht hat. Gegründet wurde es von Andreas Koeper und Jürgen Czisch, um frei von jeglicher Einflußnahme die kompositorischen Arbeiten Koepers - im folgenden Mr. S&K (weil ihn die Mitte trennt) - realisieren zu können.
Was aufgrund der verschiedenen Musikrichtungen im ersten Moment aussieht wie eine konzeptlose Labelpolitik, hat bei genauerem Hinsehen und vor allem Hinhören doch einen, wie Mr. S&K feststellt, nicht bewußt gesponnenen roten Faden. Allen Z.O.O.-Produkten ist eines gemein, sie stehen zumindest mit einem Bein fest in der europäischen Musiktradition, was aber nicht heißen soll, daß man sich bewußt anglo-amerikanischen Einflüssen verschließt. Das Suchen nach einer eigenen musikalischen Ausdrucksform, unter Einbeziehung klassischer Kompositionen auf der einen und Popelementen auf der anderen Seite, ist das, was die Eigenständigkeit der Z.O.O.-Musik ausmacht.
Um die Möglichkeiten europäisch-kompositorischer Strenge in Verbindung mit anglo-amerikanischer Poppigkeit auszuloten, bedient man sich zweier Vehikel; zum einen des songorientierten Bandprojekts OBST OBSCURE mit bisher drei Veröffentlichungen, zum anderen wurde das COOKBOOK-Projekt ins Leben gerufen: der Avantgarde zuzuordnende, als Hör- oder Klangräume bzw. als Balletmusik angelegte Kompositionen. Beide Konzepte sind allerdings nicht so starr beschaffen, als daß langfristig eine Annäherung ausgeschlossen wäre. Komplettiert wird der Z.O.O. durch Produktionen der Münchner Sängerin DAGMAR AIGNER mit Chansons \"im Zeitalter der EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN\", irgendwo zwischen schaurig morbid und erotisch lüstern. Außerdem fand das Rock-Jazz-Ensemble DIE VÖGEL EUROPAS mit seinen nervös pulsierenden Collagen aus verquerem Jazz und folkloristischen Tanz-Grooves eine Bleibe im Z.O.O. Auch hier haben Eigenständigkeit und Originalität den Vorrang vor Massengeschmackskompatibilität und anderen verkaufsfördernden Weichspülern bekommen und lassen \"Z.O.O.-Records\" zu einer Fundgrube für alle offenen Ohren werden. In Zeiten von MTV, VIVA und mancherlei anderen Medien mit Durchlauferhitzerfunktion eine nicht alltägliche Firmenphilosophie. Hut ab!



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aus Intro #20 (Dezember 1994 / Januar 1995)
 
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