BEWERTEN
 

Dead Can Dance

»Toward The Within«

[4AD / RTD / VÖ: 15.05.2000 ]

Text: Autor unbekannt

DEAD CAN DANCE: \"Alternative Duo\" oder \"Art House Innovators\" - es gibt wohl kaum eine Band auf dieser Weltkugel, die so mühelos und souverän zwischen dem \"Independent\"-Sektor und der Welt der \"seriösen\", bildenden Künstler gleitet. SONIC YOUTH schaffen es vielleicht, dem sehr nahe zu kommen ('93 an der Loreley widmeten sie z. B. Gerhard Richter ein Stück!), denn sie kennen sich in der Avantgarde wirklich gut aus. Aber DEAD CAN DANCE gehen in ihrer Verwendung von Quellenmaterialien einen Schritt weiter.
Dafür muß man \"4AD\" als Label anerkennend erwähnen, da DEAD CAN DANCE eine halbe Million Platten verkaufen können, ohne ihre grenzenlose Kreativität auch nur im geringsten zu kompromitieren.
DCD haben so ziemlich alles, was nicht immer zählt: musikalisches Können, Phantasie, Neugier, ein Sinn für Geschichte, (sense of history??, Geschichtsbewußtsein?) und Freiheit.

Und sie lassen sich Zeit.
\"Toward The Within\", eine Dokumentation der ausverkauften '93er Tour, aufgenommen im Mayfair Theatre in Santa Monica, strahlt ein verblüffendes Gefühl von Raum und - nicht genau - Zeitlosigkeit, eher ein perfekt stimmendes Verhältnis für Zeit aus. Der ansonsten bei Live-Alben ablenkende Beifall stört hier überhaupt nicht, er dient als Zeichensetzung der sich entfaltenden Geschichte des Abends. Die Aufnahmequalität - Ihr gähnenden Fans der Technik - ist 1A, die Stimmen von Perry und Gerrard beschreiben die Dimensionen des Theaters so klar, daß ein Blinder sich die Halle auch so vorstellen kann.
Zum Teil handelt es sich bei der Musik um Material von alten Studio-Alben, aber auch eine Menge Neues gibt's. Der \"Desert Song\" wirkt brillant, \"Cantara\" hypnotisch, die Instrumentation (inklusive Irish bouzuki, uillean pipes, yang ch'in, kristallklare 12 String Gitarre), na ja, da kommt man an perfekt nicht vorbei. Gerrad gehört schon zu den größten Stimmen der Zeit, neben Legenden wie Iva Bittova oder Marta Sebestyn (Checkt auch ihren Gesang auf dem NO MAN-Album \"Flowermouth\").
Es soll ja auch ein Video-Mitschnitt geben. Mir reicht die CD. Mehr braucht man nicht. Zwei Sachen noch: Ist es nicht schön, zu denken, daß DEAD CAN DANCE eigentlich noch viele ähnlich großartige Platten machen können? Und zuletzt: Euer Harry hat Brendan Perry im Frühjahr in Paris getroffen. Denkt nicht, daß es hier um abgehobene Musiker geht, auch wenn ihre musikalische Sprache so hochentwickelt ist. Wir haben uns hauptsächlich über Fußball und irische Kneipen unterhalten. Genial.



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