BEWERTEN
 

Laibach

»Nato«

[Mute / Intercord / VÖ: 25.07.2001 ]

Text: Autor unbekannt

Und wieder das alte Verwirrspiel um Symbole und Doppeldeutigkeiten, mit denen LAIBACH schon immer provoziert und verunsichert haben. Was hat die NATO mit martialischen Coverversionen von angestaubten Rockschnulzen zu tun? Soll der wie immer umfangreiche Gedankenüberbau zu Politik und Weltgeschichte, der genauso zu \"NATO\" gehört wie die Musik, nur über musikalische Einfallslosigkeit der Slowenen hinwegtäuschen?
Das Aufeinanderprallenlassen von scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen hat schon eine lange Tradition in der Bandgeschichte, was LAIBACH nicht zuletzt auch einen faschistischen Ruf eingebracht hat. Seit sie für ihre erste Single \"Panorama\" das Stück \"Mars, The Bringer Of War\" aus GUSTAV HOLSTs Planetensuite bearbeitet haben, covern die Slowenen alles, was ihnen vor den Sampler kommt.

Von QUEENs \"One Vision\", das zu \"Geburt Einer Nation\" umgearbeitet wurde, bis hin zu \"Let It Be\" von den BEATLES deuten LAIBACH Klassiker der Rockgeschichte einfach in ihrem Sinne um. Heraus kommt die altbekannte Mischung aus pompösen Bläsersounds, martialischem Getrommel und zweifelhafter Botschaft.
Auf \"NATO\" müssen diesmal u.a. STATUS QUO (\"In The Army Now\"), PINK FLOYD (\"Dogs Of War\") und EUROPE (\"Final Countdown\") dran glauben. Nur \"Alle Gegen Alle\" von der DEUTSCH AMERIKANISCHEn FREUNDSCHAFT gehörte auch früher dem Elektrobereich an. Musikalisch verbessern sich die Originale kaum, eher ist das Gegenteil der Fall. Die Qualität von \"Kapital\" wird leider nicht erreicht.
Doch zumindest ist die Veröffentlichung im Gesamtzusammenhang bedeutsam. LAIBACH haben erklärt, nun die \"NATO\" dahin zu holen, wo sie sich bisher erfolgreich um ihre Aufgaben drückt. Das letzte Stück \"Mars On River Drama\" verweist dabei deutlich auf den Völkermord in Bosnien. Auch wenn sich die Tracklist zunächst wie eine Werbeanzeige für \"Unsere starke Truppe\" liest, so zeigt sich unter der Oberfläche, daß hier der Finger sehr massiv in eine Wunde gelegt wird, die in Europa kaum jemand wahrhaben will. Der Song \"2525\", der häufig im Zusammenhang mit Vietnam zitiert wird, zeichnet bei LAIBACH ein düsteres Zukunftsbild vom Krieg aller gegen alle. Das kann in dieser Deutlichkeit nicht als Aufruf, sondern als Warnung gesehen werden.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Laibach
Alle Artikel von Autor unbekannt
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]