BEWERTEN
 

Doc Wör Mirran

»The Gylsboda Snake«

[Musical Tragedies / EFA]

Text: Autor unbekannt

Eigentlich bin ich ein Freund musikalischer Skurrilitäten und stehe jedweder klanglichen Bizarrerie durchaus aufgeschlossen gegenüber, doch die beiden vorliegenden Produktionen möchte ich in einer immer diffuseren, gerade deshalb um Klarheit im (politischen) Lied ringenden Welt als geschmäcklerischen Kulturkack entlarven. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen ich als Schreiber von elitär-dilettantischen Artzines alles unkritisch abfeierte, was im Mäntelchen bemühter Unkonventionalität und schriller Dissonanz daherkam. Heutzutage beeindruckt mich hingegen nicht mehr die Historie einer Combo wie DOC WÖR MIRRAN, die sich als Gesamtkunstwerk, bestehend aus Muzaike - Malerei - Skulptur sowie Dichtung betrachtet und damit letztendlich doch nur ihren anachronistischen Avantgardeanspruch als goldene Kuh ihrer eigenen Genialität feiert.

Anfang der 80er hätte das Ganze durchaus meinen Zuspruch gefunden, irgendwo angesiedelt im sonischen Niemandsland zwischen ambitionierter Klangcollage, Freejazzitäten, Metal-Einschlag und NEUBAUTEN-Pathos - zuwenig in diesen unsicheren Zeiten. Nicht viel anders I.A.M. UMBRELLA mit 'Nowhere', die doch nur vor ihrer eigenen Unfähigkeit kapitulieren, indem sie eine elektronische Endzeitcollage mit durchaus kompositorischem Geschick abliefern, die sich auf die reine Situationsbeschreibung ohne jedwedes antizipatorisches Moment reduziert. Beunruhigen tut mich dies ob einer zusehends inflationären Veröffentlichungsflut nicht. Wie immer wird der Kommerz als omnipotenter Zensor sein übriges tun. Masseninkompatibilität als rührig-aufgesetzte Geisteshaltung und verkrampfte Unhörbarkeit reichen mithin nicht.



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aus Intro #16 (August 1994)
 
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