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»Oh! That Cello«
[Roof / VÖ: 14.01.1993 ]
Text: Autor unbekannt
Sich nicht mehr ganz aktuellen Alben zu widmen, geschieht im INTRO eher selten und spricht für die Qualität und Zeitlosigkeit der Produkte.
Schon aus dem vergangenen Jahr stammt ein schön aufgemachtes Re-Release der beiden BECKMANNschen Einspielungen von Chaplins Film-kompositionen für Cello und Klavier. Zur Ein- und Ausstimmung erklingt das wohl berühmteste Stück des Stummfilmstars und Regisseurs: 'Limelight', mit dem man in die für Chaplin typische musikalische Welt der Melancholie und großen Gefühle, die seine Filme schon früh vom üblichen Klamauk trennte, eintritt. Zwar bewegen sich auch seine Kompositionen auf dem schmalen Grat zum Kitsch, heben sich jedoch gerade durch BECKMANNs einfühlsame und dynamische, musikalisch durchweg überzeugende Interpretation wohltuend von den sonstigen Banalitäten jener Ära ab.
BECKMANNs akribische Suche in den Archiven und Feinfühligkeit bei der Restaurierung seiner Funde ermöglichen es uns, Chaplin als einen der letzten 'Romantiker' zu erleben.
Die Pilgerlieder aus dem 'Llibre Vermell' entstanden Ende des 14. Jhs. im Kloster zu Montserrat, das zu dieser Zeit einer der größten Wallfahrtsorte Europas war. Um die Gesänge der in der Kirche nächtigenden bzw. feiernden Pilger in religiöse Bahnen zu lenken, verbanden die Mönche volksliedhafte, traditionelle Melodien verschiedenster europäischer Regionen mit höfischen musikalischen Elementen und unterlegten diese mit geistlichen Texten. SARBAND gelingt es mit Unterstützung des Osnabrücker Jugendchors, farbenfrohe Bilder des abenteuerlichen Mittelalters zu entwerfen, die Assoziationen zu Gordons 'Medicus' aufkommen lassen. Das 'Llibre Vermell' ist der kostbarste Schatz des Klosters von Montserrat, seine Pilgerlieder ein ebenso kostbarer Schatz multikultureller Art.
Im Gegensatz zu den Fuego-Produktionen, die bei uns eindeutige Bilder heraufbeschwörten, beginnen sich unsere Geister nun bei MOONDOGs aktueller Arbeit für neun Saxophone und von ihm gespielter Timpani (indianische Trommel) sowie einiger Klavierwerke zu streiten. Louis Hardin, dessen Musik noch am ehesten dem Jazz zuzuordnen ist, überrumpelte uns völlig. Womit? Zuerst einmal mit der Trommel, die im fast immer gleichen, eintönigen Rhythmus (kein Platz für Groove oder Swing!) die Basis oder den Kontrapunkt (?) aller Saxophonstücke bildet. Der Song 'Paris', ist er nun beschwingt und der Stadt angemessen oder deutet der interruptive Charakter der Melodiestimmen auf Ironie hin? Die Reihe der Fragen wäre endlos weiterzuführen. Fest steht, daß Hardins Schaffen klassischer Komposition sehr nahe steht. Durch seine strenge Notation setzt er der Virtuosität der Instrumentalisten harte Grenzen und durch seinen häufigen Griff zur Form des klassischen Kanons schafft er eine Musik ohne großartige Spannungen, prägnante Kadenzen tauchen lediglich als Abschluß auf. Sicher ein Bruch mit gängigen Hörgewohnheiten. Einig sind wir uns, daß er wunderschöne Melodien kreiert hat. - Ein außergewöhnliches Werk!
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