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Text: Autor unbekannt
Jetzt sind fließende Synthie-Klänge mit samtweichen Frauenstimmen, die morgenländische Texte singen, sein Ding. Der musikalische Werdegang von Ex-WIRE Colin Newman konnte gar nicht kontrastreicher verlaufen. Gemeinsam mit Gattin Malka Spigel experimentiert der ehemalige New Wave-Hero seit einigen Jahren in seinen Studios in London und Brüssel mit Sequenzern herum, um innovative 'Dance-Movements' in individuellen Geräuschkulissen auf Band festzuhalten.
Newman hat die verzerrte WIRE-Gitarre endgültig in die Ecke gestellt. Seine Liebe zu Malka Spigel, der MINIMAL COMPACT-Sängerin und Bassistin, ließen ihn eine andere Herangehens- und Umgangsweise mit aktueller Musik erlernen.
Nachdem er Malka Spigel Mitte der 80er Jahre bei den Aufnahmen zur MINIMAL COMPACT-Scheibe 'Raging Souls' kennengelernt hatte, begann bei Newman der Prozeß des Umdenkens. Aus der britisch-mathematischen Rockattitüde erwuchs tanzbare Avantgarde mit Einflüssen aus dem Orientalischen. Letzteres ein eindeutiges Relikt aus der Zusammenarbeit mit MINIMAL COMPACT, bei denen Newman seine ersten Erfahrungen im Bereich Weltmusik sammelte.
Sein neues Empfinden von Musik verlangte auch im Organisatorischen nach einer Umstrukturierung. Das Ehepaar Spigel/Newman gründete im Herbst 1993 seine eigene Plattenfirma: SWIM. Der Name stand gleichzeitig für ein Programm, denn die beiden ersten Veröffentlichungen haben eines gemeinsam: Aus den Computern plätschern, Tropfen für Tropfen, softe Dance-Nummern mit seltsamen Samplings, was die beiden schlicht als 'Desktop music' beschreiben.
Bei den Einstiegsplatten des Labels handelt es sich auf der einen Seite um das Solo-Debut von Malka Spigel, 'Rosh Ballata', bei dem sie größtenteils eigene herbräische Lyrics singt, aber auch Gedichte von namhaften israelischen Autoren musikalisch ausgearbeitet hat. Malka Spigels unverwechselbare Stimme ist der Mittelpunkt der soundbeladenen Produktion, die an manchen Stellen jedoch ein wenig das zielsichere Arrangement vermissen läßt.
Auf der anderen Seite haben Spigel und Newman gemeinsam mit dem Ex-MINIMAL-COMPACT-Musiker Samy Birnbach nach unzähligen Demo-Sessions das gesammelte Material gesichtet und unter dem Pseudonym ORACLE neu aufgenommen. Die Aufnahmen für die Debut-CD 'Tree' verliefen parallel zu einer anstrengenden Renovierung des Londoner Hauses der beiden Ehepartner. Die Platte trägt deutlich die Stimmung eines relaxten Chaos'. Sie ist synthetischer als 'Rosh Ballata' und die Computerrhythmen frozzeln sich förmlich aus der Klangscheibe in das Ohr des Hörers. Ideale Musik, um den Malquast in der zähen Wandfarbe zu rühren oder Tapeten aus- und wieder einzurollen.
Nach Ende der Renovierung und des Einbaus der neuen Studiohardware entschlossen sich Malka/Newman, mit der Gründung von SWIM ihre Selbständigkeit auf dem internationalen Musikmarkt zu komplettieren. In Großbritannien übernahmen sie selbst die Promotion ihrer ersten Produkte, für Deutschland und die umliegenden Staaten fanden Spigel und Newman in dem Hamburger Label 'Strange Ways' den geeigneten Partner. Die Entscheidungsgewalt für etwaige Touren, weitere Veröffentlichungen und anderes liegt aber weiterhin vollständig bei dem kreativen Ehepaar, von dem man - siehe Colin Newmans grundlegende künstlerische Veränderung - auch in den kommenden Jahren immer wieder Neues erwarten kann.
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