Diverse
Share It Spread It Love It Volume One
Text:
Daniel Koch
Christian Grasse, der von dir zusammengestellte Sampler vereint 21 Künstler, die sich entschieden haben, ihre Musik als Creative Common zu verbreiten. Was versteht man darunter?
Creative Common ist eine Lizenz, die 2001 unter der Leitung von Juraprofessor Lawrence Lessig an der Uni Stanford entwickelt wurde. Es geht darum, dass der Urheber eines Kunstwerks - egal, ob Schrift, Bild oder Ton - selbst entscheidet, was mit seinen Inhalten passieren soll und darf. Er gibt dem Nutzer damit mehr Rechte, z. B., die Musik frei zu verteilen, wenn man die Quelle nennt. Darauf spielt ja auch der Titel an.
Du hast auf der CD mehrsprachigen HipHop aus Dortmund (El Camino), witzigen Art-Brut-Indie aus Holland (De Nieuwe Vrolijkheid), eine gute Muse-Kopie aus Bielefeld (The Noes Have It) und schrägen Electro-Pop von einem schweizerisch-japanischen Duo (Tim & Puma Mimi). Ziemlich wilde Mischung also. War das so geplant?
Ich wollte mich nicht auf ein Genre oder eine Nische beschränken. Der Sampler sollte vielmehr das Potenzial dieser Lizenz einem größeren Publikum nahebringen. Es geht ja nicht nur darum, dass man sich die Musik kostenlos runterladen kann. Es steht auch ein Statement dahinter: Dass es eine neue Art der Musikdistribution gibt, der darauf abzielt, einen kreativen Kreislauf in Gang zu bringen. Deshalb habe ich auch die Bands gebeten, jeweils Statements zu Creative Common abzugeben.
Was haben die Bands denn dann gesagt? Wirtschaftlich betrachtet verdienen sie ja auf diesem Wege nichts.
Die meisten Bands sahen das als Alternative zu MySpace. Da gibt es inzwischen so viele Bands, dass man eher untergeht, als entdeckt zu werden. Es gibt zudem immer mehr Communitys, die sich mit freien Inhalten beschäftigen. Es ist halt ein anderer Weg, der vielleicht erfolgreicher sein kann, weil ja auch mit den Inhalten z. B. in Remixen weitergearbeitet werden kann. Letztendlich ist der Sampler aber ebenso eine gute Promo, wenn er fleißig runtergeladen wird. Und das sieht gerade besser aus, als ich je gedacht hätte. In den ersten anderthalb Wochen hatten wir schon 3.500 Downloads.
Was wohl viele überzeugt hat, ist der hohe Qualitätsstandard der Produktionen. Das hätte man in dieser Qualität durchaus in den Plattenladen stellen können.
Das war auch mein Ziel. Ich wollte Bands, die super produziert sind, die auch im konventionellen Distributionsverlauf erfolgreich sein könnten, sich aber für den anderen Weg entschieden haben. Und ich wollte es international halten. Das war mir sehr wichtig.
Ist das der Grund, warum gerade mal vier deutsche Bands vertreten sind?
Nur zum Teil. Das Problem in Deutschland ist, dass sich GEMA und Creative Common noch ausschließen. Die Verwertungsgesellschaften, auch die GVL, schließen nur Verträge ab, die eine gleichzeitige Verbreitung als Creative Common verbieten. Gerade die GEMA stellt sich in der Sache ziemlich quer. Ich konnte also nur deutsche Künstler wählen, die nicht gemeldet sind, weil sie sich bewusst für Creative Common entschieden haben.
Kostenloser Download: http://metawelle.net/2007/05/15/ssl-vol-1/
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