Endlos
Kein Grund, zufrieden zu sein
Text:
arno raffeiner
“Ist das alles”. Kein Fragezeichen, noch nicht mal ein Punkt ist da, wo auf der rot und blassblau bedruckten Pappe der CD-Hülle von Endlos dieser Songtitel steht und einfach so ausfadet. Ja, ist das wirklich alles, ist da gar “Kein Grund, zufrieden zu sein”, wie der Albumtitel glauben machen will? So nachdenklich, ja, grüblerisch sich Daniel Graumüller und Mario Kreuzer aus Leipzig alias Endlos auch geben, das Schwingen und Rauschen ihrer Stücke tritt immer wieder an, um diesen Titeln zu widersprechen, und zwar ganz ohne Worte. Moll-Akkorde sind bei Endlos Argumente gegen fatalistisches Vor-sich-hin-Vegetieren. Das Duo findet diese Argumente da, wo das Schrammeln schreiender Gitarren von Repetition und Echokammern in den Schwitzkasten genommen wird, wo der Sampler mit Verstärkerbrummen gefüttert wird, wo Orgelquietschen, handgespielter Bass, Glockenspiel und verstaubte Beatboxen aufeinandertreffen. Der Name Contriva muss da natürlich als Referenz fallen, auch die eher dunklen Ecken im Wald rund um Weilheim scheinen hier in Schwingungen gebannt zu sein, doch bei Endlos dröhnt alles schwerer und düsterer als bei den genannten Verwandten im Geiste. Der soziale Ort der Endlos-Stücke ist im Proberaum vor dem Computer oder, um einiges intensiver, in der Musikkneipe, wenn der Nachhall eines bewegenden Konzerts noch im Raum steht, die aus Begeisterung Gebliebenen gemeinsam mit der glückstrunkenen Band am Bühnenrand lehnen – und beginnen, ihre Musikträume weiterzuspinnen. Da war doch was! Da sind doch eine Handvoll Menschen, und wenn auch nur für Momente, zufrieden gewesen.
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