
Mit
Deine Eltern
22.05.2006, 08:00, Text:
Sebastian Ingenhoff
Ach, wie süß die Jugend von heute sich wieder geriert ... So würde Pop-Altvater und Kinderversteher Joachim Lottmann in seinem paternalistischen Grundton wohl einen Essay über die doch sehr jugendlich agierende Kölner Elektropunkband Mit beginnen. Und, bei allem berechtigten Ekel, den man ansonsten gegenüber Paternalismus so hegt, ganz daneben wäre dieser Einstieg nicht einmal. Das zweite Stück dieser 5-Track-EP geht nämlich so: “Etwas ist faul in Köln-Buchforst (...) die Polizei schaut vorbei, die Hausverwaltung mit dabei.” Och Mensch. Hand aufs Herz, wer möchte hier nicht schwelgen, trösten, Anekdoten zum Besten geben über erlebte Razzien, hinterhältige Tränengasattacken, Polizeistiefel im Nacken, Drogen schnell in der Toilette verschwinden lassen, während an die Kabinentür gehämmert wird, und all das? Ihnen väterlich die Hand auf die Schulter legen und sagen: Jungs, es wird alles einmal gut.
Eines Tages sind wir oben und die unten. Aber das wäre ja nur erstunken und erlogen. Optimismus, das ist bekanntlich der übelste Fallstrick des Pop. So Leid es mir tut, liebe Band mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen, auch in zehn Jahren wird sich nichts an den grundlegenden Sachen geändert haben. Die Bullen nerven euch nach wie vor, die Briefe der Hausverwaltung werden nicht mal mehr mit der Kneifzange aufgemacht, und ihr werdet hier auf meinem Stuhl sitzen und anderen, jüngeren Künstlern davon berichten, wie euch die Liars damals zum Musikmachen getrieben haben, wie ihr als Support von Kaito in London gespielt habt, von den Test Icicles und den Cobra Killers beklatscht und gefeiert wurdet, schließlich euren ersten Labeldeal unterschrieben und ein Jahr später vom Cover des Intro heruntergegrinst habt. Die Wut, die einst mal eure Triebfeder war, die wird sich zum Glück noch nicht gelegt haben. Fasst diese weisen Worte als Versprechen auf. Joachim Lottmann würde jetzt sagen: Wir könnten Freunde werden. Oder Thees Uhlmann. Wer auch immer. Was zählt, seid ihr. Ab jetzt. In zehn Minuten will ich eure Ärsche wieder im Studio sehen.Artikel kommentieren
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