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»D 2003«
Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
R: Steffen Jürgens, Bettina Schöller; D: Steffen Jürgens, Kathrin Kühnel, Hans Peter Hallwachs / DVD / www.bohemia-filmkunst.de
\"In einer ereignislosen Welt sich selbst sein eigenes Abenteuer schaffen. Das, das scheint Sinnsuche.\" Der Ärgermacher Jochen Anthrazit hat die Spielregeln verstanden: Sensation ist die Währung unserer Mediengesellschaft. Doch Anthrazits mit allen Mitteln geführter Kampf um die Ressource Aufmerksamkeit, von Erpressung über Entführung bis zum Banküberfall, endet regelmäßig auf deren Kehrseite namens Verzweiflung, also irgendwo auf Seite drei der Bild-Zeitung. Egal, wie grausam, niederträchtig, hinterhältig und brutal seine Verbrechen auch werden - seinen Roman will einfach niemand drucken.
Steffen Jürgens' Satire in Form eines Film Noir zwischen \"Aktenzeichen XY Ungelöst\" und Edgar-Wallace-Filmen wirft sich in einem wilden Referenztaumel in das Einwanderungsland, den Business-Standort und die Kulturnation Deutschland. In seiner Medienkritik seziert Jürgens vor allem das Material Sprache. Folgerichtig spielen die Gebeine von Franz Kafka und Hermann Hesse eine zentrale Rolle in Anthrazits skrupellosen Plänen. Es ist klar, dass der grandios loslegende Film sein Tempo nicht über die ganze Länge halten kann und die Story sich ein wenig verzettelt. Die Gigantomanie des \"Kulturterroristen\" Jochen Anthrazit verpufft nach desillusionierenden Worten eines Literaturpapstes relativ rasch, er verlegt sich doch lieber auf die Liebesgeschichte zu einem \"zarten Mädchen aus dem Ostblock\", träumt von Andorra und rüsselt zwischendurch noch ein bisschen Kafka in Form von Knochenmehl weg. Aber seine Sucht nach Sensation bleibt: \"Ich glaube, mein perfekter Tod wäre, wenn ich live im Fernsehen verrecke.\" Ein überraschender und starker Film, der mit dem vorausschauenden Showdown zum WM-Finale 2006 auch noch bestens in die BRD als Fußballland passt.
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