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Molotow

Der legendäre Hamburger Rock-Club steht vor dem Aus

22.02.2012, 17:53, Text: Christian Steinbrink, Foto: Sinje Sabine Hasheider
[6 Kommentare]

In der aktuellen Print-Ausgabe von Intro (#200) schreibt Carsten Schumacher über das Clubsterben in mehreren Berliner Stadtteilen. Aber auch ein bekannter Hamburger Live-Club ist in großer Gefahr: Das Molotow soll als Teil des Gebäudekomplexes »Esso Häuser« abgerissen werden...

Anfang Februar endete ein runder Tisch in St. Pauli und hinterließ ausschließlich unzufriedene Kontrahenten: Vertreter der Immobilienfirma Bayerische Hausbau, von Politik und Verwaltung der Stadt Hamburg und der Bürgerinitiative »Esso Häuser« hatten darum gerungen, für den gleichnamigen Gebäudekomplex am Anfang der Reeperbahn in St. Pauli eine gemeinsame Lösung zu finden. Die monatelangen Gespräche wurden nun von Seiten der Investoren für beendet erklärt, zumindest vorläufig. Sie planen, die Gebäude vollständig abzureißen, da ihr Zustand für eine Sanierung zu schlecht sei.


Diese Maßnahme würde sowohl Wohnhäuser als auch Bars und Läden wie das legendäre Molotow betreffen. Der Rock-Club, der schon seit 1990 an dieser Stelle existiert und dessen Existenz 2008 schon mal auf dem Spiel stand, ist über die Jahre ein zentraler Ort für die Underground- und Musik-Szene St. Paulis geworden und maßgeblich für den Ruf der Gegend als künstlerische Kreativzelle und imageprägendes Schaufenster der Stadt Hamburg verantwortlich. Da nicht davon auszugehen ist, dass für den Club ein adäquater Ersatzstandort geschaffen wird, kämpft die »Initiative Esso Häuser – Wir sind kein Objekt« nun gegen den drohenden Abriss.

»Wir haben keinen Bock, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem alles schnieke und der Wohnraum unbezahlbar ist«, sagt Andi Schmidt, der Betreiber des Molotow, zu einer möglichen Zukunft des Ladens in einer umgestalteten Reeperbahn. Der weltberühmte Kiez hat schon diverse Nackenschläge einstecken müssen, wirklich baulich schön ist die Reeperbahn sowieso schon lange nicht mehr. Das Molotow wurde von dem Abbruch des runden Tisches überrascht, nachdem vorher einige Anstrengungen unternommen wurden, eine einvernehmliche Lösung für Anwohner, Gewerbetreibende und Investoren zu finden. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, denn neben der Szene selbst sprechen sich auch Teile von Öffentlichkeit und Politik gegen eine Neugestaltung der Häuserzeile aus. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Selbst bei bestem Willen würde eine Neubebauung nicht die besondere Stimmung erzeugen können, die die Gegend um den Spielbudenplatz heute ausmacht. Viel wichtiger ist allerdings die Situation der Anwohner, für die bei einem Abriss in dieser Wohnlage kein Platz mehr bliebe. Das Kauzige, das jetzt zumindest Teile der Reeperbahn noch ausmacht, ginge verloren zugunsten von modern-stromlinienförmiger Stadtplanung.

Die Initiative hat nach der Abbruch des runden Tisches eine umfangreiche Stellungnahme verfasst. Auf der Webseite sind ebenfalls Pressestimmen und Kontaktinformationen gesammelt.

Mehr Infos unter www.initiative-esso-haeuser.de



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  • User: _wahr_
  • _wahr_ 23.02.2012 | 16:51:36
    Hausmeister TUWP
    Ganz schön groß, der Club. habe den viel kleiner in Erinnerung. Wusste gar nicht, dass auch Queen da mal gespielt haben.

    Scherz beiseite. Es wäre traurig.

  • User: Legoland
  • Legoland 26.02.2012 | 20:05:03
    Legolize it!
    natürlich traurig. andererseits denke ich mir auch, daß die ewige jammerei um den niedergang der reperbahn und wie man sie noch vor zehn jahren gern hatte, die jammerei um verlorene lebensräume, dieses ganze gentrifidingsbums auch mal etwas anderes nach sich ziehen muss, als ein paar versprengte mit nem megafon und einem "apell". ganz ehrlich- warum machen die den laden nicht einfach dicht und ziehen um? vielleicht irgendwo, wo man nicht so schnell vertrieben wird, irgendwohin, wo es billiger ist und das direkt mit ein paar gleichgesinnten. warum organisiert man nicht einfach mal so einen "umzug"? ich weiß, das ist vielleicht eine etwas sehr naive sicht der dinge, aber letztlich muss man doch mal anders reagieren. oder?

  • User: Free For Fever
  • Free For Fever 27.02.2012 | 10:37:14

    Ich finde diese Sichtweise überhaupt nicht naiv sondern überaus realistisch.

  • User: der kackofant
  • der kackofant 27.02.2012 | 11:28:36
    kannibalist

    warum machen die den laden nicht einfach dicht und ziehen um?


    grundsätzlich finde ich den appell ja nicht unsympathisch, also konstruktiv nach vorne denken, anstatt lamentieren... allerdings sieht es doch so aus, dass, wenn man sich in die nächste gegend bewegt, die gentrifizierung wieder von vorne losgeht, ohne dass sich zuvor gentrifiezierte gegenden wieder in richtung bezahlbarkeit entwickeln würden.

  • User: Legoland
  • Legoland 27.02.2012 | 14:23:49
    Legolize it!
    genau. und deshalb wird dann einfach die dokumentation "30 jahre linke kultur u. musik- szene in st pauli" dafür benutzt, um den kulturtopf der stadt zu plündern mit der begründung, daß pauli ja nun quasi fertiggentrifiziert, jetzt aber auch mal andere stadtteile dran sein müssten. so. naiv genug?

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