So war der Tatort gestern
»Ordnung im Lot«: Ich sehe was, was Du nicht siehst
13.02.2012, 08:56, Text:
Peter Flore, Foto: RB
[6349 Kommentare]
Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Wenn Ameisen auftauchen, wird es meistens ungemütlich. Das war in »Formicula« so, das war im Siebziger-Jahre-Öko-Horrorfilm »Hotel des Todes« so - und auch im neuesten Bremer »Tatort« »Ordnung im Lot« verheißen die fleißigen Tierchen nichts Gutes. Mehr noch: Für die paranoid schizophrene Sylvia Lange (überzeugend gespielt von Mira Partecke) sind sie überall - ein Umstand, den sie zumindest in diesem »Tatort« mit ARD-Nachrichtensprecher Michail Paweletz teilen, denn der ist auch überall. Redet aus dem Fernsehen direkt mit Frau Lange, taucht urplötzlich hinter Autos auf und gibt verklausolierte Anweisungen, was als nächstes zu tun ist.
In Verbindung mit einem handelsüblichen Bremer »Tatort« klingen obige Ausführungen zwar auf den ersten Blick nach dramaturgischer Massenkarambolage, tatsächlich bildet die Inszenierung des Innenlebens der verdächtigen Sylvia Lange aber ein überraschendes Highlight in einem letztlich banalen Kriminalfall. Zumal echte Alptraumszenarien im »Tatort« für gewöhnlich eher durch die mangelhafte Inszenierung hervorgerufen werden statt durch die handwerkliche Kompetenz der Suspense-Azubis von der ARD. Sicher, letztlich kaschieren die Wahnvorstellungen der jungen Frau gekonnt den dürftigen Tathergang samt Motiv, nämlich (Auftrags-)Selbstmord zwecks Versicherungsbetrug.
Und natürlich nervt Inga Lürsen (Sabine Postel), die im Gegensatz zum faktenverliebten Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) offenbar nur nach innerer Eingebung gefühlig vor sich hin ermittelt. Zudem kommt es selten vor, dass in der Figurenkonstellation Junge/Hund der Hund für die schauspielerischen Glanzlichter zuständig ist - dennoch ist »Ordnung im Lot« nach langer Zeit mal wieder ein gelungener Bremer »Tatort«. Insofern erwähnenswert, als dass sich »Bremer Tatort« zu »gelungen« für gewöhnlich verhält wie »Zeugen Jehovas« zu »Bitte treten Sie ein«.
Das war super: Der Gastauftritt der im Wind tanzenden Plastiktüte aus »American Beauty«.
Das war mies: Vincent Göhre (in der Rolle des Max Lange), der vor der Kamera sichtlich Mühe hatte, Mimik und Text in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen.
Lichtblick: Hund Fido, der offenbar direkt aus dem Blumfeldvideo in den »Tatort« gelaufen ist.
Auf Grund örtlichen Kollektivfrohsinns pausiert der »Tatort« eine Woche. Am 26.02. ermitteln dann wieder die Münchner Leitmayr und Batic in »Der traurige König«.
Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.
»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
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batewoman 12.02.2012 | 21:41:53
Fand das schon wesentlich besser als die anderen Lürsen-Dinger. Lag aber nicht so sehr an der Handlung, sondern daran, daß die Psychotikerin ganz gut von der Lürsen abgelenkt hat. Insgesamt, im Vergleich mit anderen Tatorten, Mittelklasse.
LucTonnerre 12.02.2012 | 21:48:59
Also, für Bremen war das sensationell, oder?
Sehr wirr und spooky. Die Mutter war toll gespielt.
Die Auflösung kam dann aber doch etwas sehr schnell.
LucTonnerre 12.02.2012 | 21:54:03
Also, ich war lange verwirrt, aber im Endeffekt macht das halt schon alles mehr oder weniger Sinn. Also warum der Tankwart erschossen werden wollte und so weiter.
Die Mutti hat halt gut vom recht einfachen Plot abgelenkt. Und das ziemlich gut.
demba 12.02.2012 | 22:55:44
also grade das spiel der mutter hält mich davon ab den tatort als gut zu bezeichnen. das hat die dame grauenhaft schlecht gespielt. wer sich auch nur ansatzweise mit solchen problematiken auskennt, muss sich bei diesem hölzernen dargestelle vor lachen geschüttelt haben.
der vater hingegen hat mich überzeugt.
insgesamt: 4plus
Mariannchen 13.02.2012 | 08:28:25
Mir hat der auch gut gefallen. Immerhin hört man in Bremen auch LCD Soundsystem.
Free For Fever 13.02.2012 | 09:50:29
Neee... Nach 15 Minuten war das nix mehr für mich, dann lieber "Der Pianist" auf 3Sat.
Editiert von
Free For Fever am 13.02.2012 09:50:54
Blue Lagoon 13.02.2012 | 19:19:49
nur temporär hier
da sich nach 15 minuten keine Handlung eingestellt hat, weggeschaltet aus Langeweile. Ausserdem find ichs blöd, wenn am Anfang schon der Täter verraten wird.
Hauptmann Fuchs 13.02.2012 | 22:02:34
zur Klärung eines Sachverhalts
nach 10 o. 15 minuten ist es mir zu blöd geworden. untalentierte darsteller (ich fand auch die mutter keineswegs überzeugend. es sei denn sie sollte eine psychische kranheit haben bei der man spricht wie wenn man einen mühsam auswediggelernten text aufsagt), doofe dialoge.
Legoland 13.02.2012 | 22:57:38
Legolize it!
och nö. so schlecht nu auch wieder nicht. und was kümmert schon die unrealistische darstellung einer psychotante. das schöne daran war, wie die umwelt erst so vermeintlich selbstverständlich damit umgegangen ist (der vater: gut!). und sooo schlimm ist die lürsen nu ooch nich. so ne mutti halt. gab schon schlimmere. was mich nur immer wieder nervt ist dieses aufgesetzte norddeutsche was hin und wieder aufblitzen soll. das kann keiner von denen wirklich.
gnathonemus 14.02.2012 | 00:45:08
toller specht
ich fand den ja nun auch tatsächlich ganz nett mit seinen bubblegum-david-lynch-effekten (die ameisen! der sandsturm ausm fernseher!). vati und max waren auch supi, sylvia eher doof. aber lürsen und stedefreund waren erstaunlich zurückgenommen und ... kaum mag es mir über die lippen kommen ... fast schon sympathisch. drei plus.
Reverend 19.02.2012 | 21:51:58
war immer aufrichtig
Der Polizeiruf aus Rostock war mal wieder äußerst unterhaltsam. Selten so geile Halbwelttypen im Fernsehen gesehen. Als der "Arzt aus Albanien" am Schluss kam, wurd's etwas albern, und die Story war auch etwas zu geschwätzig, aber alleine wegen Charly Hübner und seinem Team sehr sehenswert, das sind wirklich glaubwürdige Bullen.
mtrbrt 19.02.2012 | 22:01:10
die geschichte ohne o
yep, das war ein guter polizeiruf. hübner top und der kernasi mit dem brusttattoo war auch richtig überzeugend.
Editiert von
mtrbrt am 19.02.2012 22:01:27
Mariannchen 20.02.2012 | 08:56:18
Oh ja! Zu diesem Lewandowski hat Spiegel Online passend formuliert: Die schlimmsten Spießer von allen? Assis, die zu Geld gekommen sind.
Mir gefällt auch der Chef der ganzen Ermittlertruppe. Der mit der unmodernen Brille.
Oli Scratch 20.02.2012 | 09:02:01
Fortunist
Gutes Team,keine Frage.
zilix 20.02.2012 | 09:06:26
meine hohen erwartungen wurden gestern nicht erfüllt. ich fand das alles zu überzogen.
snorej 20.02.2012 | 09:40:28
gute unterhaltung. ich mag hübner.
vor allem hat er sehr schöne schuhe.
loogee 20.02.2012 | 10:41:20
Hey… ihr seht hier eine Fernsehproduktion… keinen Multimillionen-Dollar-Film… ;) dafür war das gestern ziemlich gut, finde ich. 8-)
Fincher 20.02.2012 | 11:28:15
North Rhine-Westphalian Scum
Gutes Ensemble in einer mäßig spannenden Klischeeparade.
gnathonemus 20.02.2012 | 22:10:54
toller specht
mir war das ein wenig zu testosteron-lastig (und - da schließe ich mich an, - zu wenig spannend). blöd, wenn die einzige, die das hätte ändern können, die ganze zeit über im koma liegt. maria kwiatkowskis rolle war dann doch etwas knapp geraten. schade, es war ihre letzte.
Legoland 21.02.2012 | 00:31:00
Legolize it!
die letzten 20 minuten waren tatsächlich ein bissken albern, aber dialoge und spiel waren ziemlich klasse. kein tatort bekommt das so gut hin. und ich will auch manchmal testosteronklischee sehen. ich glaub da dran! mann, ist rostock!
Kid Clarence 21.02.2012 | 00:37:45
call me: ministerpräsident
bis auf einige - wie bei spon schon angedeutet - logiklücken, fühlte ich mich bestens unterhalten. meine lieblingsszene war die, in der bukow so boxermäßig vor dem gelasi tippelte. und ich mag den bukow sehr. gelungen find ich auch die antipathie, die zwischen ihm und pöschel herrscht (in jeder episode aufs neue). aber wenn die könig jetzt nicht mehr gegen ihn ermittelt, dann hat sie doch auch nichts bei der kripo rostock zu suchen oder sehe ich das falsch?
Oli Scratch 21.02.2012 | 08:56:41
Fortunist
Vielleicht will Bukow sich nur beruhigen und seinem familären Umfeld einreden, dass die Ermittlungen eingestellt worden sind?
Maria Kwiatkowsky....zu sehr gelebt:
Link
Reverend 21.02.2012 | 09:37:26
war immer aufrichtig
Oh, schön.
snorej 21.02.2012 | 11:10:51
ach scheisse, das habe ich gar mitbekommen.
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