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Zum Tod von Mike Kelley

Destroy All Monsters. Ein Nachruf

02.02.2012, 13:00, Text: Thomas Venker

Der amerikanische Künstler Mike Kelley, in Musikkreisen u.a. bekannt für seine frühere Band Destroy All Monsters, das Artwork zu Sonic Youths Album »Dirty« sowie seine Assoziation mit dem SST Label, ist gestern tot in seiner Wohnung in Pasadena bei Los Angeles aufgefunden worden. Ein Nachruf von Thomas Venker.

Eine meiner frühesten Begegnungen mit Mike Kelley war seine Band Destroy All Monsters. Die von 1973 bis 1985 existierende lose Gruppe, zu der auch Mitglieder von MC5 und den Stooges gehörten, dekonstruierte während dieser Jahre den Rock ihrer Heimatstadt Detroit auf sein rohes, dreckiges Gerüst. Man selbst sprach von Anti-Rock. Nachhören kann man das auf der von Sonic Youth Mitglied Thurston Moore editierten 3-CD-Veröffentlichung »Destroy All Monster 1974-1976«, die 2009 neu aufgelegt wurde.


Der Name der Band machte für mich, vor allem nachdem ich später Mike Kelleys künstlerisches Universum breiter kennen lernen durfte, absolut Sinn. Hier arbeitete einer daran die Monster, die uns so zahlreich umgeben, für sich und uns zu töten. Da kann man, um populärkulturelle Referenzen zu bringen, auch an »It« (»Es«) von Stephen King denken oder an »Lunar Park« von Bret Easton Ellis, aber das greift zu kurz. Denn entgegen dieser beiden sich der Angst und Paranoia hin- und ergebenden Autorensubjekte hat Kelley nie das Kind in sich ganz eingesperrt. Sein Kampf gegen die Monster hatte bei allen dunklen Abgründen, die er von Anfang an gefühlt und gesehen hat, immer den Glauben an eine andere Wirklichkeit in sich getragen. Meine allererste Begegnung mit Kelley kam ebenfalls über den Link zur Musik zustande. Gemeinsam mit Mike Watt  (Bassist der SST-Bands Minutemen und Firehose) und Joe Cole (zentrale Gestalt der frühen SST Jahre) spielte er in dem Raymond Pettibon Film »Sir Drone: A New Film About the New Beatles« (neben »The Book of Manson«, »Weaterman ´69« und »Citizen Tania« einem von vier Filmen, mit denen Pettibon 1989 Amerika abtastete) mit. Die Protagonisten dieser frühen Pettibon Filme, nicht wenige Bildende Künstler und später sehr erfolgreich, einte ihre, nennen wir es freundlich Abneigung gegen das, was gerne unter der Zuschreibung »Der Kunstbetrieb« geführt wird. Ihre Impulse kamen aus dem Befreiungsmomentum von Punk, dem Glauben an eine alles umfassende Do-It-Yourself-Haltung und -Ästhetik und, am wichtigsten eben: den Glauben an andere soziale Wirklichkeiten.

Als Künstler träumte Mike Kelley, der unter anderem am California Institute of the Arts bei John Baldessari studierte hatte, diesen besonders intensiv. Denn auch wenn für viele sein Kosmos ein niedlicher war, so war er das eben gerade nicht. Ja, Kelley spielte mit popkulturellen Verweisen, gerne aus Fernsehen und Comicwelten, also dem, was lange als Trivialkultur galt, aber auf eine Art und Weise, die zum Anschluss an seinen Blick in die scheinbar heilen Welten der Vorstädte, Kirchen und Bildungsinstitutionen führte - um dort, hinter all den Türen und Türchen, das Bösartige aufzuzeigen: Machtspiele, Erniedrigungen, Missbräuche...


Und doch hatte man nie das Gefühl, Kelleys Augen würden nicht doch noch das kindliche Leuchten kennen. Das führte im Großen zu eskapistischen Weltentwürfen wie seiner Werkgruppe »Kandor«, mit der er auf die imaginäre Heimstadt von Superman auf dem Planeten Krypton verweist, und im Kleinen zu diesen vielen Lachern, die einem seine Arbeiten auch schenken; zuletzt für mich in der gemeinsamen Ausstellung mit Rosemarie Trockel in der Münchner Pinakothek der Moderne. Gestern wählte Mike Kelley einen drastischen Weg die Monster endgültig zu töten. Das ist so unendlich schade. Er wird fehlen.





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