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So war der Tatort gestern

»Verschleppt«: Neues aus Sawbrücken

23.01.2012, 09:16, Text: Peter Flore, Foto: SR
[6349 Kommentare]

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.

Im Vorfeld des Saarbrücker Tatorts »Verschleppt« rief Schauspieler Stefan Becker in einem Interview die Zuschauer dazu auf, den letzten Fall des vom SR geschassten Ermittlerduos Kappl/Deininger nicht anzuschauen. Das Drehbuch sei schlecht, es enthalte zahlreiche Logikfehler. Nun ist das erstens nichts, was der neueste Fall exklusiv für sich beanspruchen könnte und zweitens wissen PR-Profis, dass eine solche Aussage natürlich erst recht die Geier und Katastrophentouristen anzieht. Zudem scheint Stefan Becker derzeit einfach ein bisschen verstimmt zu sein, immerhin verlief die Trennung wohl nicht so einvernehmlich, wie man auf Seiten des Senders pflichtbewusst kommentierte.


Die kurze Zündschnur seines Darstellers hat Kommissar Deininger offenbar geerbt, jedenfalls WIRD ZIEMLICH VIEL GEBRÜLLT. Jedes Verhör, jeder Fehler eines Kollegen endet in einer cholerischen Schimpftirade, so wie jede Kamerafahrt im gleißenden Spektrallicht am Ende eines langen Korridors zu enden scheint. Denn »Verschleppt« ist in erster Linie wohl als Versuch zu deuten, den Sonntagabendzuschauer subtil für den Torturehorror von »Saw« bis »Hostel« zu begeistern. Fast scheint es, als hätte jemand jene Vorlagen mit den Schauspielern von »Vorsicht, Falle« neu verfilmen wollen. Denn - um es vorwegzunehmen - das grausamste an »Verschleppt« sind tatsächlich jene 0815-Horror-Stilmittel, die sich an ätherischen Mädchen, Kinderabzählversen und dem ausdruckslosen Kindergesicht einer Aushilfs-Christina-Ricci abarbeiten. Kombiniert mit Fahrstuhl-Kamerafahrten durch die Erdschichten wie wir sie beispielsweise auch aus den »Fraggles« kennen.

Das sagt das Forum:

Reverend

»Mann, aus dem Fall hätte man echt was machen können, der war ja höchst beunruhigend und gruselig.«

Zum Thread


Der eigentliche Plot ist dabei nicht mal das Problem und hätte mit etwas mehr Inszenierungskompetenz zu wesentlich mehr gereicht, als »Verschleppt« am Ende zu bieten hat. So lebt der letzte Fall des gegenwärtigen Saarbrücker Duos vor allem von der durchaus vorhandenen Spannung, was man ja auch von Fußballspielen behauptet, die spielerisch wenig zu bieten haben. Dass zwar einerseits durchaus differenziert zwischen Kindesmissbrauch und Pädophilie unterschieden wird, die Darstellung des pädophilen Verdächtigen Andi Mollet (Thomas Bastkowski) und seines Psychologen Dr. Vogeler (Andreas Anke) sich aber wiederum holzschnittartig aller Klischees bedient, muss als weitere Beleg herhalten, dass hier mit etwas mehr Mühe und Sorgfalt mehr drin gewesen wäre. Als letzter Vorhang für das scheidende, eigentlich sympathische Duo Kappl/Deininger (Maximilian Brückner / Stefan Becker) indes immer noch alles andere als die Beleidigung, zu der sie Stefan Becker hat machen wollen.

Das war super: »Gut geschlafen trotz der harten Kissen?« - Deininger und Kappl haben mal wieder am Schreibtisch übernachtet.
Das war mies: Den Vater des Opfers parkt die Polizei kurz ausgerechnet in dem Raum, wo alle Indizien und Fotos des vermeintlichen Täters hängen. WTF?

Nächsten Sonntag (29.01.) ermittelt dann wieder Bodenseepferdchen Klara Blum und ihr jungenhafter Kollege Perlmann in »Schmuggler«.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.

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Der Tatort war...






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  • User: Reverend
  • Reverend 22.01.2012 | 21:51:24
    war immer aufrichtig
    Mann, aus dem Fall hätte man echt was machen können, der war ja höchst beunruhigend und gruselig.
    Aber Deiningers schauspielerischer Offenbarungseid hat leider fast alles kaputt gemacht, der Typ ist ja nicht mal mehr ein Schmierenkomödiant. Gut, dass der verschwindet. Da waren aber eh fast durchgehend miese Schauspieler vor Ort.

    Und diese lächerlichen Zooms und Wackelkameraschwenks haben auch mal wieder genervt.

  • User: Peter Flore
  • Peter Flore 22.01.2012 | 21:58:40
    Köstlich
    Als hätte man »The Ring« mit den Darstellern aus »Aktenzeichen XY« inszeniert. Wobei: So schlecht, wie ihn der offensichtlich bockige Stefan Becker m Interview gemacht hat, fand ich ihn jetzt gar nicht.

  • User: RadeBrecht
  • RadeBrecht 22.01.2012 | 22:10:28
    Danke, Sie können rühren.
    Och, so schlecht war der nun wirklich nicht. Sehr spannend. Ein würdiger Abgang für ein Ermittlerduo, das im Rückblick etliche sehr okaye Fälle hatte.

  • User: snorej
  • snorej 23.01.2012 | 07:36:36

    seh ich auch so.

  • User: Mariannchen
  • Mariannchen 23.01.2012 | 08:33:58

    Die Szene mit dem Waschbecken, die Gregor Weber im Interview angesprochen hat, fand ich gar nicht so hanebüchen. Da war das Auffinden dieser "Werkstatt" - natürlich im Dunkeln - viel abstruser.
    Und das "Schauspiel" des Herrn Deiningers ging mir auch ziemlich auf den Keks.

  • User: Reverend
  • Reverend 23.01.2012 | 10:01:18
    war immer aufrichtig
    Abstrus war ja auch, dass die Polizei das Täterhaus zigmal umgedrhet haben will, aber keiner auf die Idee kam, mal den Garten etwas gründlicher zu checken. Stichwort: Belüftungsanlage.

    Und ich muss P- Flore auch mal loben, gute Kritik:
    Denn - um es vorwegzunehmen - das grausamste an »Verschleppt« sind tatsächlich jene 0815-Horror-Stilmittel, die sich an ätherischen Mädchen, Kinderabzählversen und dem ausdruckslosen Kindergesicht einer Aushilfs-Christina-Ricci abarbeiten. Kombiniert mit Fahrstuhl-Kamerafahrten durch die Erdschichten wie wir sie beispielsweise auch aus den »Fraggles« kennen.
    Das hat mich tatsächlich zum Lachen gebracht.

  • User: Mariannchen
  • Mariannchen 23.01.2012 | 10:25:28

    Ist Saarbrücken eigentlich wirklich so unansehnlich? Es wurden ja fast nur hässliche Ecken oder Autobahnen gezeigt.

  • User: Oli Scratch
  • Oli Scratch 23.01.2012 | 10:35:08
    Fortunist
    ja.


    Kann jemand kurz zusammenfassen,wer der Täter war? Ich konnte (wieder einmal) nicht weiterschauen. Obwohl ich die zurückliegenden Tatorte aus Saarbrücken ganz gut fand, war mir der gestrige Fall doch zu RTLSAT1FilmFilm-mässig.

    Editiert von Oli Scratch am 23.01.2012 10:35:54

  • User: Reverend
  • Reverend 23.01.2012 | 10:48:07
    war immer aufrichtig
    Der Täter war Christina Ricci Nr. 1.
    Dass es wirklich niemandem aufgefallen sein will, dassneben der Autobahn ein bleiches Mädchen im Nachthemd einem anderen bleichen Mädchen im Nachthemd hinterherrennt, mag ich auch nicht so ganz glauben.

  • User: zilix
  • zilix 23.01.2012 | 11:04:02

    auf den haupttäter kommst du aber nie!

    "im vorfeld des saarbrücker tatorts »verschleppt« rief schauspieler stefan becker.." stefan becker? im lewa ned!

  • User: zilix
  • zilix 23.01.2012 | 11:31:34

    der eigentliche entführer kam bei einem so typischen saarländer erdrutsch ums leben. die verwaiste entführerstelle hat dann, psychologisch ganz typisch, barbara übernommen und die flüchtende sonia dann umgebracht.

  • User: sallycinnamon
  • sallycinnamon 23.01.2012 | 12:11:12

    An Christina Ricci musste ich auch gleich denken, aber sie haben auch bei Twin Peaks abgeguckt, fühlte mich sehr an Ronette Pulaski erinnert.

  • Blue Lagoon 23.01.2012 | 20:49:10
    nur temporär hier
    Ich fand die Kommisare übertrieben verhärmt.

    Eingesperrte langahrige Mädchen, die Befehle ausrufen, harte Nummer, kam richtig gut. Erinnerte an den Thriller, denn zum küssen sind sie da, von 97.

    Nur passt das Thema eigentlich nicht in einen Tatort, wo sie die Kurve zwischen deutschem Polizeibeamtentum und Ritualmord nicht bekommen haben. Zu viel deutsche Provinz und bürgerlicher Mief. Das war dann nicht mehr sehr stimmig.

    Man kann das Thema provinzieller Ritualmord, was in amerikanischen Krimis oft gelingt, nicht auf deutsches Fernsehen übertragen, das passt einfach nicht.

    Editiert von Blue Lagoon am 23.01.2012 20:51:09

  • User: Rune_Bratseth
  • Rune_Bratseth 23.01.2012 | 20:56:08

    ich hätte mir mehr blut und geballer a la martyrs gewünscht. und dass der pädophile ewan macgregor lookalike dann am ende unschuldig war, dürfte besonders till schweiger doof finden. ich geb dem ganzen ne 5 von 10 introsternchen. und ja, schauspielerisch war das himbeere-fällig. ich werde jetzt bier trinken. kulturnationalismus ole!

  • Blue Lagoon 29.01.2012 | 21:49:42
    nur temporär hier
    ich find den kommisar perlmann ja so drollig.

    wenn ich nur wüsste an wen der mich erinnert?? ich komm nicht drauf.

  • User: LucTonnerre
  • LucTonnerre 29.01.2012 | 22:36:59

    Jedes Mal sag ich mir: Nie wieder Konschtanz. Und jedes Mal guck ich, weil nix anderes läuft.

    Was für ein Schmutz.

  • User: Sportpalast
  • Sportpalast 29.01.2012 | 22:38:14
    Lieblingsmistkerl
    Julia Koschitz ist einfach wunderbar! neulich in dem aufreibendem suiziddrama und für mich immer unvergessen im "letzten schönen herbsttag". das war´s auch schon was mir zu dem fall einfällt.

  • demba 29.01.2012 | 23:09:38

    guter tatort, wie ich finde.

    (na, an den manu neuer erinnert er.)

  • User: Legalman
  • Legalman 29.01.2012 | 23:30:55
    Rotweintrinker
    Ich fand es gar nicht mal schlimm für Konstanzer Verhältnisse.

    Genervt haben vor allem Perlmanns Wichsfantasien mit allen möglichen Frauen und diese unwitzige Storyline über Kürzungen im öffentlichen Dienst.

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