So war der Tatort gestern
»Todesbilder«: Eine Hochzeit und drei Todesfälle
15.01.2012, 22:33, Text:
Peter Flore, Foto: MDR
[6349 Kommentare]
Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Im Leipziger »Tatort« treffen Welten aufeinander: Hier der ambitionierte Theaterschauspieler Martin Wuttke, dort Simone Thomalla, die Ex-Freundin von Rudi Assauer (karrieretechnisch immerhin schon eine Stufe höher als die Freundin von Rudi Assauer zu sein). Hier die sonore Stimme eines Mimen, der noch aus jedem »Wo waren sie gestern abend?« ein »Da steh' ich nun, ich armer Tor..« machen kann. Dort - wie gesagt: Die Ex-Freundin von Rudi Assauer. Beim neuesten Leipziger Fall »Todesbilder« indes treffen noch zwei andere Welten aufeinander, nämlich die gerne bei der ARD bemühten Erzfeinde Polizei und Presse. Und als Zuschauer weiß man einfach nicht, was geiler dargestellt wird.
Wenn der Chefredakteur der Lokalzeitung mitten aus einer Redaktionskonferenz geholt wird, wie sie sich Helmut Markwort in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen könnte, dann können Verleger hierzulande aufatmen: Der Zeitungsbranche muss es prächtig gehen. An jedem Tatort steht ein renommierter Kriegsfotograf und jede Abiturientin bekommt ein Interview.
Bei der Polizei hingegen arbeiten offenbar nur Stümper, zumindest bei der Spurensicherung: Da wird ein Zigarettenstummel neben dem ermordeten Hochzeitspaar übersehen, herumliegendes Kamerazubehör eher zufällig gefunden und auch das Auto der ermordeten Tochter steht schon wenige Stunden nach der Tat wieder bei den konsternierten Eltern. Und was die Spusi kann, können die Kommissare schon lange: Die gute alte Befangenheit zählt auch nichts mehr, im Zweifel ermittelt man halt in völliger Ignoranz aller gängigen Regeln und Dienstwege. Was aber eben meistens zum Erfolg führt. Am Ende muss sich Eva Saalfeld an einen Ort begeben, der ihrer Darstellerin Simone Thomalla nur allzu bekannt sen dürfte: Unters Messer. Davor keift sich das ermittelnde Ex-Paar in schöner Regelmäßigkeit an wie ein altes Ehepaar, was vermutlich übertünchen soll, dass die Drehbuchschreiber wohl ursprünglich einen zweiten »Blow Up« im Kopf hatten, es am Ende aber doch wieder nur ein »Tatort« wurde.
In letzter Konsequenz bleibt für Martin Wuttke und Simone Thomalla eigentlich nur noch die Teilnahme am Dschungelcamp 2013. Zumindest für einen der beiden wäre das ein weiterer Sprung auf der Karriereleiter.
Das war super: »Ich muss gerade daran denken, dass das Schlimmste was mir passiert ist, mir das Leben gerettet hat.« - »Meinst Du mich?«
Das war mies: Der Chefredakteur der Lokalzeitung. »So, die Polizei will Infos... Wenn wir mal welche wollen, nimmt man's dann aber nicht so genau.« Hämisches Gelächter bei den Redakteuren.
Nächsten Sonntag (22.01.) ermitteln die geschassten Saarbrücker Kappl und Deininger zum letzten Mal in »Verschleppt«.
Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.
»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
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Oli Scratch 15.01.2012 | 20:55:36
Fortunist
kann man sich das Botoxopfer und den überambitionierten Theaterschauspieler anschauen?
kafkaktus 15.01.2012 | 21:02:15
bei den untalentierten mordopfern entwickelt man richtig sympathien mit dem täter
call me eldo 15.01.2012 | 22:04:16
keppler wie immer super
den täter habe ich schon erraten, als er das erste mal in die kamera blickte
insgesamt ne 3 würde ich sagen - gab schon viele bessere, aber auch wesentlich größeren schrott
kafkaktus 15.01.2012 | 22:10:27
ging mir genauso, der war einen moment zu lang im bild.
aber dieses ganze glücklichkeitsmotiv war ja großer mist
nachonils 15.01.2012 | 22:41:56
arty arty kunstkritik
aber gegen schluss kam dann doch etwas spannung auf. Ich hab dem Täter so die Daumen gedrückt, dass er wenigsten Rudis Alte wegmacht...
Kid Clarence 15.01.2012 | 23:00:33
call me: ministerpräsident
Blöde Klischees: Traumatisierter Kriegsfotograf, notgeiler Fahrlehrer, und die ewige Feindschaft zwischen Journaille und Polizei.
Als der Layouter ins Bild kam, wars aus mit der Spannung. Gegen Ende nochmal ganz spannend.
Keppler in Bestform.
Und es wäre auch lächerlich, wenns der Fahrlehrer gewesen wäre, denn sein Berufsstand durfte ja schon letzte Woche ran. Und das gabs selbst im Tatort noch nicht, oder?
joe public 16.01.2012 | 03:55:10
grossartig auch wieder: peter flore gibt den anspruchsvollen tv-kritiker. das sagt - wie immer - alles.
snorej 16.01.2012 | 07:23:30
die dialoge zwischen den beiden waren miserabel.
Coolidge 16.01.2012 | 08:09:08
mein Tip wäre: einfach mal nicht hinschauen.
is ja nicht so, dass es sonst nichts gäbe.
mein Tip wäre: Der Tatort-Reiniger
dem seine Arbeit fängt nämlich da an, wo andere sich vor Übelkeit erbrechen müssen.
Oli Scratch 16.01.2012 | 09:16:37
Fortunist
Ich habe weggeschaut.Allerdings erst nach ca. 30 Minuten.Das passiert mir kein zweites Mal.Die beiden "Ermittler" Botox Schnute und der Super-Profiler sind unerträglich für mich.
Peter Flore 17.01.2012 | 10:03:39
Köstlich
@joe public: Ich habe in diesem Fall gar nicht den Anspruch, anspruchsvoll zu sein. Im Prinzip genau wie der Tatort.
Peter Flore 19.01.2012 | 13:20:48
Köstlich
Freuen wir uns doch einfach auf Sonntag.
snorej 19.01.2012 | 19:14:34
goil, de stefan becker.
Reverend 22.01.2012 | 21:51:24
war immer aufrichtig
Mann, aus dem Fall hätte man echt was machen können, der war ja höchst beunruhigend und gruselig.
Aber Deiningers schauspielerischer Offenbarungseid hat leider fast alles kaputt gemacht, der Typ ist ja nicht mal mehr ein Schmierenkomödiant. Gut, dass der verschwindet. Da waren aber eh fast durchgehend miese Schauspieler vor Ort.
Und diese lächerlichen Zooms und Wackelkameraschwenks haben auch mal wieder genervt.
Peter Flore 22.01.2012 | 21:58:40
Köstlich
Als hätte man »The Ring« mit den Darstellern aus »Aktenzeichen XY« inszeniert. Wobei: So schlecht, wie ihn der offensichtlich bockige Stefan Becker m Interview gemacht hat, fand ich ihn jetzt gar nicht.
Reverend 22.01.2012 | 22:00:04
war immer aufrichtig
Das ist schon dreist, weil Becker ja das Schlechteste an dem ganzen Tatort war.
Fincher 22.01.2012 | 22:00:54
North Rhine-Westphalian Scum
Ein Feuerwerk der abgedroschenen Stilmittel. Aber spannend.
RadeBrecht 22.01.2012 | 22:10:28
Danke, Sie können rühren.
Och, so schlecht war der nun wirklich nicht. Sehr spannend. Ein würdiger Abgang für ein Ermittlerduo, das im Rückblick etliche sehr okaye Fälle hatte.
snorej 23.01.2012 | 07:36:36
seh ich auch so.
Mariannchen 23.01.2012 | 08:33:58
Die Szene mit dem Waschbecken, die Gregor Weber im Interview angesprochen hat, fand ich gar nicht so hanebüchen. Da war das Auffinden dieser "Werkstatt" - natürlich im Dunkeln - viel abstruser.
Und das "Schauspiel" des Herrn Deiningers ging mir auch ziemlich auf den Keks.
Fincher 23.01.2012 | 09:12:20
North Rhine-Westphalian Scum
Mir ist Kommissar Kümmerling gar nicht so negativ aufgefallen. Das war allgemein nicht gerade oscarreif.
Reverend 23.01.2012 | 10:01:18
war immer aufrichtig
Abstrus war ja auch, dass die Polizei das Täterhaus zigmal umgedrhet haben will, aber keiner auf die Idee kam, mal den Garten etwas gründlicher zu checken. Stichwort: Belüftungsanlage.
Und ich muss P- Flore auch mal loben, gute Kritik:
Denn - um es vorwegzunehmen - das grausamste an »Verschleppt« sind tatsächlich jene 0815-Horror-Stilmittel, die sich an ätherischen Mädchen, Kinderabzählversen und dem ausdruckslosen Kindergesicht einer Aushilfs-Christina-Ricci abarbeiten. Kombiniert mit Fahrstuhl-Kamerafahrten durch die Erdschichten wie wir sie beispielsweise auch aus den »Fraggles« kennen.
Das hat mich tatsächlich zum Lachen gebracht.
Mariannchen 23.01.2012 | 10:25:28
Ist Saarbrücken eigentlich wirklich so unansehnlich? Es wurden ja fast nur hässliche Ecken oder Autobahnen gezeigt.
Oli Scratch 23.01.2012 | 10:35:08
Fortunist
ja.
Kann jemand kurz zusammenfassen,wer der Täter war? Ich konnte (wieder einmal) nicht weiterschauen. Obwohl ich die zurückliegenden Tatorte aus Saarbrücken ganz gut fand, war mir der gestrige Fall doch zu RTLSAT1FilmFilm-mässig.
Editiert von
Oli Scratch am 23.01.2012 10:35:54
Reverend 23.01.2012 | 10:48:07
war immer aufrichtig
Der Täter war Christina Ricci Nr. 1.
Dass es wirklich niemandem aufgefallen sein will, dassneben der Autobahn ein bleiches Mädchen im Nachthemd einem anderen bleichen Mädchen im Nachthemd hinterherrennt, mag ich auch nicht so ganz glauben.
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