So war der Tatort gestern
»Tödliche Häppchen«: Meat Is Murder
01.01.2012, 22:46, Text:
Peter Flore, Foto: SWR
[6349 Kommentare]
Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Für Elke Schmitz (Berndadette Heerwagen) muss es sich bei den Begegnungen mit dem Ludwigshafener Verbrecherjägerduo anfühlen wie bei »Hase und Igel«: Überall, wo sie rumjoggt, sitzen Lena Odenthal und ihr Italian Stallion Mario Kopper schon genüsslich wartend auf der Parkbank oder versperren ihr den Weg durch den Wald. Und das ist beileibe noch nicht das Dümmste am Ludwigshafener Fall »Tödliche Häppchen«, der seinen Lauf an der Bratenstraße eines großen Schweineschlachtbetriebes nimmt, in dem ein Nachwuchs-Stromberg an seiner Vision von Vollverwertbarkeit bastelt. Immerhin, dessen Darsteller Johannes Zirner sorgt mit einem buchstäblich hohen »Haha«-Anteil in seinen Dialogen für einen der wenigen Lichtblicke. Dazwischen aber: Finstere Nacht. Und die ist wie immer da am tiefsten, wo das Drehbuch am seichtesten ist.
So zögert die Odenthal (wie immer tough bis moralinsauer verkörpert von Ulrike Folkerts) zwar auf Grund eines fehlenden Durchsuchungsbefehls vor der Wohnungsinspektion einer verdächtigen Person, was sie aber wiederum nicht davon abhält, ins Kühlhaus des Schlachthofes einzubrechen. In dem wiederum geht es anfangs zu wie im Frauenknast: Hier wird noch schön im bedrohlichen Halbkreis und mit verschränkten Armen gemobbt und weil die Drehbuchautoren Frauke Hunfeld und Josh Broecker offensichtlich gerade ihre Schablonen griffbereit hatten, kriegt die Fette in der Tanzschule Kröger auch mal wieder keinen Partner ab. That's Life! Wahrscheinlich hat sie auch auf Nogbook keine Freunde, die ermordete Steffi Pietsch aber schon, was ihr letztendlich zum Verhängnis wird: Bei soviel Followerpower und viralem Potenzial möchte ihr Mörder eben verhindern, dass die geheimen Videos von der illegalen Verwertung von Schlachtabfällen in dieses Internet geraten. Denn auch die Odenthal kann rechnen: 1000 Freunde, die das brisante Material sehen und es dann an jeweils 300 weitere Freunde schicken, ergeben 300.000 potenzielle Zeugen (und einen Haufen Spam). Das ist zwar noch weit unter den durchschnittlichen Einschaltquoten eines »Tatorts«, aber doch schon eine kritische Masse. Und weil Informationsverknappung auch jedem Nogbook-Nutzer gut tut, hier noch ein besonderer Service für alle, die sich die 90 Minuten zu recht sparen wollen, beim Montagmorgen-Bürokaffee aber trotzdem mitreden wollen:
Das war super: Hermanns: »Dann ess' ich eben nur die Beilagen...«. Kopper: »Welche Beilagen?«
Das war mies: Das Rumba-Verhör in der Tanzschule: Claudia Kröger und Mario Kopper im Zwiegespräch, schnell-schnell-langsam.
Nächsten Sonntag (08.01.) heißt es dann »Keine Polizei«, wenn die Althauer Ballauf und Schenk wieder zwischen zwei Kölsch ermitteln.
Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.
»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
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snorej 21.12.2011 | 16:30:21
gestern habe ich in irgendeinem dritten einen vintage tatort gesehen mit hannelore elstner von 1983. da lief ein song von warning why can The bodies fly". hat den einer als mp3? kenn nur das cover von pungent stench.
LaRRyDonot 01.01.2012 | 23:11:52
Die Suche nach Invites auf Twitter verlief erfolglos. Nogbook (!) wird sich nicht durchsetzen. Ebenso wenig wie dieser Tatort. Aber wie niedlich das Katzenbaby war! Sie haben wenigstens versucht uns mit solch unterschwelligen Details zu kriegen.
Legalman 02.01.2012 | 01:58:46
RotweintrinkerAber wie niedlich das Katzenbaby war!
Ja, war es. Und daher ist es doch wirklich eine Barbarei, dass das arme Mädchen am Ende mit einem fiesen Hund zufrieden gestellt werden soll.
Der Film war als Ganzes natürlich auch Mist. Dieser Moral-Schnickschnack, diese schwer erträgliche Empörungsgeste von der Frau Odenthal (etwa gegen den Psychologen, der sich völlig zu Recht auf seine Schweigepflicht beruft) und dann die Entlarvung des bösen Oberkapitalisten als kaltblütigem Killer - das macht doch alles keinen Spaß.
call me eldo 02.01.2012 | 07:12:09
ja, viele schöne details, aber auch viel absurder quatsch. da ist noch einiges an luft nach oben. fühlte mich aber dennoch ganz gut unterhalten. zumindest langweilig wars nicht.
Mariannchen 02.01.2012 | 10:20:33
Mir sind nicht mal schöne Details aufgefallen. Nur solche Aussagen, wie "Stichwort Schamhaar". Ziemlicher Murks.
Reverend 02.01.2012 | 10:26:21
war immer aufrichtig
Ich bewundere euch, dass ihr euch Ludwigshafen tatsächlich noch anschaut. Obwohl, "bewundern" ist vielleicht das falsche Wort.
Rune_Bratseth 02.01.2012 | 13:02:09
"welche beilagen?" haha
Jill Thunder 02.01.2012 | 19:50:46
das jahr fängt ja mal mies an!
der tangotanz zwischen kopper und der "foxy lady" war unsagbar schlecht gespielt.
und mal wieder ein thema, das uns alle angeht. "stimmt es, dass schweine bei lebendigem...." (immerhin ein schlußfunken mit der knast-frikadelle.)
kann nicht endlich deren "csi-mannheimer" übernehmen?
Rune_Bratseth 03.01.2012 | 12:06:48
ich fand den tatsächlich gut.
Legalman 03.01.2012 | 21:07:41
Rotweintrinkerich fand den tatsächlich gut.
Naja, wenn man das mit dem Schnickschnack zu Genitalverstümmelung und Theo Zwanziger vergleicht, war das schon ein Riesenfortschritt...
Legoland 08.01.2012 | 22:30:28
Legolize it!
Ein ganz guter Derrick!
call me eldo 08.01.2012 | 22:52:06
ein super tatort!
Knabenbert 08.01.2012 | 22:56:49
Narbenberg
triviale Mische aus Derrick und 3 Fragezeichen
LucTonnerre 08.01.2012 | 23:39:37
Ich fand den ganz schön konstruiert. Wie Schenk durch den Vergleich eines Falles, in dem sich die Entführer nicht gemeldet haben, überhaupt auf Entführung kommt, war haarsträubend.
Köln kriegt mich einfach nicht mehr.
Legalman 09.01.2012 | 03:45:10
Rotweintrinker
Dafür, dass es Köln war, fand ich das wirklich ganz gut...
snorej 09.01.2012 | 06:38:06
ach, ich kann köln mittlerweile kaum noch ertragen. max & freddy sind doch echt witzfiguren. der eine observiert in einem auto, das sich richtig gut dafür eignet, da es ja so groß ist und man sich sehr gut darin verstecken kann. das auto war vor allem sehr unauffällig. der andere stellt sich dermaßen dämlich bei der lady an, dass es schon weh tut.
ludwidhafen letzte woche hat mir fast meinen skiurlaub versaut.
Editiert von
snorej am 09.01.2012 06:40:35
Mariannchen 09.01.2012 | 08:29:54
mir hat die folge ganz gut gefallen, bis kurz nach 21 uhr war es sogar spannend.
die sache mit dem auto finde ich auch etwas seltsam. genauso, wie man nur allein von der information, jemand angle zander, sofort auf dieses fischerhaus kommt.
Fincher 09.01.2012 | 09:08:40
North Rhine-Westphalian Scum
Neues aus Konstruktistan. Vor allem die Fischnummer stank tatsächlich ganz gewaltig.
Peter Flore 09.01.2012 | 09:38:05
Köstlich
@Mariannchen: Genau! Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, ob ich was verpasst habe? "Ich angele Zander" - Schenk weiß, wo es sie gibt und dass es da ein Fischerhäuschen gibt. An dem - hihi - genau in dem Moment ein Trecker vorbeifährt.
Jill Thunder 09.01.2012 | 12:59:27
konnte ich ohne probleme anschauen (aber nicht unbedingt folgen).
+ der verbale amoklauf von ballauf vor dem vater (der diesem das motiv für die entführng unterjubeln will)
- die gesamte story war leidlich zurecht gezimmert. stringente ermittlung stelle ich mir irgendwie anders vor.
im ergebnis: befriedigend (form und inhalt ausbaufähig)
RadeBrecht 09.01.2012 | 15:41:42
Danke, Sie können rühren.
Ich hatte nach einer halben Stunde keine Lust mehr. Wenn ich das hier so lese, habe ich aber nicht viel verpasst.
Oli Scratch 15.01.2012 | 20:55:36
Fortunist
kann man sich das Botoxopfer und den überambitionierten Theaterschauspieler anschauen?
kafkaktus 15.01.2012 | 21:02:15
bei den untalentierten mordopfern entwickelt man richtig sympathien mit dem täter
call me eldo 15.01.2012 | 22:04:16
keppler wie immer super
den täter habe ich schon erraten, als er das erste mal in die kamera blickte
insgesamt ne 3 würde ich sagen - gab schon viele bessere, aber auch wesentlich größeren schrott
kafkaktus 15.01.2012 | 22:10:27
ging mir genauso, der war einen moment zu lang im bild.
aber dieses ganze glücklichkeitsmotiv war ja großer mist
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