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Talking Metal

Oral History! Was?!? ORAL HISTORY!!!

20.12.2011, 10:41, Text: Carsten Schumacher

Mit »Talking Metal« hat Autor Frank Schäfer die Szene erzählen lassen. Thekengespräche mit Aufschlüssen, die viele andere Bücher zum Thema überflüssig werden lassen.

Der Heavy Metal wird schon lange kartographiert. Mag sein, dass es sich dabei um Anzeichen handelt, die sich häufen, wenn ein Genre in die Jahre gekommen ist. Doch der Metal ist seinem räudigen Subkultur-Dasein nun auch auf einigen Ebenen entwachsen. Die Zeit, in der sich alle immer wieder bei den Konzerten sämtlicher Metal-Spielarten trafen, gegenseitig die Kutte beschnupperten und hinterher Tapes zuschickten, ist schon etwas her. Seitdem ist der Metal hoch in die Charts geschossen, wurde vom Grunge rechts überholt und gehänselt, hat den Grunge wiederum überlebt und kann nachwievor alles. Frank Schäfer hat der Metal auch nie losgelassen. Er selber ist Jahrgang 1966, promoviert, schreibt. Mitunter erklärt er sogar den Lesern der »Zeit«, was Metal ist. Und natürlich kennt er die vielen Versuche, dem Metal mit Schrift zu huldigen, all die lexikalischen Ansätze, die soziologischen, die vor Verehrung glühenden und die vermeintlich humorigen. Mit »111 Gründe, Heavy Metal zu lieben« hat er vor gar nicht allzu langer Zeit eine Sammlung sämtlicher Teilaspekte herausgebracht, die den Metal so wichtig machen – das Buch ist so viel besser als sein Titel! Und nun geht es weiter: Durch Schäfer und »Talking Metal« erhält die deutsche Metal-Szene den ersten veritablen Versuch einer Oral History.


Jürgen Teipel hat 2001 protokolliert, was die wichtigsten Vertreter der frühen deutschen Punk- und New Wave-Szene noch wussten. Hilmar Bender hat ähnliches unlängst speziell für die Band Kreator versucht. Die komplette deutsche Metal-Szene adäquat abzubilden ist wahrscheinlich ein Lebenswerk, aber Frank Schäfer fängt nun schon mal an. Musiker kommen dabei kaum zu Wort, es geht um passionierte Fans, die immer noch aktiv sind – als Produzent, Cover-Künstler, Wacken-Veranstalter, Chefredakteur des »Rock Hard«, Roadie, A&R, Verleger, Radiomoderator etc. Ihnen allen will der Metal nicht aus dem Kopf, nicht aus der Seele. Schäfer hat sie zu allem befragt, was ihm einfiel und seine Gegenüber haben erzählt. Alle in ihrer speziellen Funktion, aber auch als Fan. Mal sachlich, mal emotional. Selbstverständlich wäre das Buch ein anderes geworden, wenn man die frühen Bühnen-Protagonisten gefragt hätte, aber genau darauf hat Schäfer verzichtet. Es geht um eine Szene und genau diese Szene steht mehrheitlich vor und hinter und nicht auf der Bühne. Und es gehört zur Eigenart der Oral History, dass sie mit reichlich Subjektivität ein großes, buntes Mosaik formt, das lebendige Eindrücke vermittelt und eher Lust macht auf’s zentrale Themenfeld als erschöpfend sämtliche Fragen zu beantworten. Genau das ist Schäfer gelungen.



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