So war der Tatort gestern
»Ein ganz normaler Fall«: Brave Jew World
28.11.2011, 08:43, Text:
Peter Flore, Foto: BR
[6349 Kommentare]
Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Jörg Hartmann ist verdächtig - vielleicht zum letzten Mal, quasi als Junggesellenabschied, soll er doch künftig den Kommissar im neuen Dortmunder »Tatort« geben. Um es kurz zu machen: Er war's natürlich nicht. Es war der Aaron, den Florian Bartholomäi verkörpert, als hätte er kurz zuvor zum ersten Mal »Rain Man« gesehen - und nicht verstanden. Damit wiederum ersparen sich die Drehbuchautoren des Münchener »Tatorts« »Ein ganz normaler Fall« auch gleich ihr schlechtes Gewissen: Wenn schon ein Jude der Mörder sein muss, dann doch wenigstens einer, dem man verminderte Schuldfähigkeit zukommen lassen kann. Nicht, dass es hinterher wieder Diskussionen gibt.
Die gibt es natürlich zwischendrin, denn das Oberthema »Das Judentum in Deutschland« kann man natürlich nicht zu einem ganz normalen Fall verwursten, ein bisschen »Deutschverkrampftheit« (Leitmayr), ein bisschen verhohlener Antisemitismus (Oberstaatsanwalt), ein flammendes Plädoyer gegen die Reduzierung der sogenannten »jüdischen Mitbürger« auf ihre Religion und schließlich ein Ausflug nach Dachau sollten schon noch irgendwie mit rein. Schön hier der eingeblendete Naviscreen, damit es auch die verstehen, die bei »Die Truman Show« noch kapitulieren mussten. Andererseits: Ist halt Sonntag abend, 20:15 Uhr - da sollte man seine Message klar rüberbringen.
Das gelingt indes nicht wirklich, wenngleich »Ein ganz normaler Fall« tatsächlich genau das ist: Ein »Tatort« mit ein paar Tiefen, ein paar Untiefen und ansonsten relativ seichtem Gewässer. Spannend ist er nicht, aber auch nicht dämlich und letztlich leidlich unterhaltsam. Womit wir alle leben können, wie der Leitmayr mit seinem nationalen Päckchen, das er zu tragen hat. Und wie der Ivo mit dem Umstand, dass die vermaledeite Leistungsgesellschaft nun auch schon den »Polizisten des Jahres« auszeichnen will. Ein ganz normaler Fall für Günther Jauch, wie immer im Anschluss.
Am kommenden Sonntag (04.12.) nimmt es dann der Wiesbadener Kollege Ulrich Tukur in seinem zweiten Fall »Das Dorf« wieder mit Tumor.
Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.
»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
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Reverend 27.11.2011 | 20:43:02
war immer aufrichtig
Bella Block war nur wegen der Schauspieler sehenswert, ansonsten so lala.
Aber München: katastrophal. Ich bin raus nach 25 Minuten. Alleine für die Schultheaterchargiererei von Florian "Der Aaron muss fegen" Bartholomei gehört dem Regisseur eine gepfeffert.
gnathonemus 27.11.2011 | 22:11:31
toller specht
ja, der aaron war unglaublich peinlich. ansonsten fand ich ihn aber ganz o.k..
bella block war öde, das personal ungefähr das gleiche.
lise 27.11.2011 | 22:41:17
war früher lustiger
ich bin mal ausnahmsweise mit gnatherton.
Legoland 27.11.2011 | 22:48:51
Legolize it!
dieses schauspielerbayrisch muss dir doch unglaublich auf die nerven gehen, oder?
schlimmer tatort.
gnathonemus 27.11.2011 | 22:49:20
toller specht
ausnahmsweise, hört hört, ich hoffe es bereitet dir nicht allzugroßes kopfzerbrechen.
@lego: der hilfswachtmeister kögl war schlimm, ja. aber die paar sätze, die er zu sagen hatte, hab ich überstanden.
Editiert von
gnathonemus am 27.11.2011 22:58:39
joe public 27.11.2011 | 22:57:35
meine mitguckerin meinte recht früh: "der irre war's, so kommen sie aus der judennummer raus."
krimistory war etwas sehr gewollt, der rest war etwas unsauber (der sinn der bedeckung des weiblichen haares bei orthodoxen jüdinnen ist, es zu verstecken, da wird ganz sicher nicht ein kopftuch, das die haare teilweise sichtbar läßt, ausreichen, wenn zwei fremde herren vor der tür stehen; passend dagegen nachher die perücke) bis sehr gut (die rauchende frau von der gemeinde, manche dialoge mit dem rabbiner, sehr gut der berufsbetroffene staatsanwalt).
ja, die bella block-verbindung fiel mir auch auf, irgendwie ja auch ein argument gegen den neuen kommissar für saarbrücken.
einer möglichen verwendung dieses kommentars in peter flores "nachbereitung" wird hiermit ausdrücklich widersprochen.
Editiert von
joe public am 27.11.2011 22:58:57
Editiert von
joe public am 27.11.2011 23:00:03
LucTonnerre 28.11.2011 | 00:31:36
Ich mag die Münchener trotzdem.
zilix 28.11.2011 | 10:39:09
der dialog mit dem staatsanwalt war gestern sicherlich der höhepunkt. rebekka oder roswitha, köstlich. ansonsten eher durchschnittliches aus münchen.
Legoland 28.11.2011 | 12:25:27
Legolize it!
@gnatho: nee, ich meine schon die kommissare, denn die sind ja so leicht "angebayert", aber je tiefer es auf der sozialen leiter geht (siehe die putzfrau), desto tiefer wird es mit dem bayrisch. ähnlich wie in hamburg, wo ja auch kein platt gesprochen wird, sondern der mingsche akzent (ohnsorg-theater zb) ausgepackt wird, oder der ewige schanzensläng ("rollo aller") wenn es für die republik sein soll. meine frau (aus oberbayern) meint, daß so niemand spricht. nichtmal zugezogene münchner, die sich für was besseres halten. und schon garnicht bayern, die ihren akzent abgelegt haben.
call me eldo 28.11.2011 | 13:48:22
für mich der schlechteste tatort 2011 (kann sein, dass ich etwas schon verdrängt habe...) den bella block fand ich super, den rosa roth die woche vorher auch.
Free For Fever 28.11.2011 | 14:24:11
Solide Hausmannkost, ich hab schon schlechtere gesehen. Am Ende ein bisschen zu sehr Moralkeule und "Schulddebatte" usw. Aber insgesamt angenehmer Durchschnitt.
gnathonemus 28.11.2011 | 19:40:57
toller specht
@lego: tja, oberbayern nicht gleich münchen - und deine frau hat da wirklich unrecht. hier spricht man tatsächlich so, in den höheren etagen. man will zwar einerseits hochdeutsch sprechen, aber andererseits seine eigenheiten doch nicht so ganz aufgeben. dabei kommt das heraus. ich empfinde das als vollkommen normal - und nebenbei nicht mal besonders nervig.
Legoland 28.11.2011 | 21:11:06
Legolize it!
ok. ich hab ja nun wirklich keine ahnung von euren höheren etagen, aber eins weiß ich: meine frau hat bestimmt nicht unrecht.
im ernst: ich glaube, sie meinte genau dies: die höheren bayrischen etagen sind eben erschauspielert. kann aber auch am buch liegen. mir ist zb aufgefallen daß die ich die sprache teilweise ziemlich gestelzt fand.
gnathonemus 28.11.2011 | 22:32:43
toller specht
jaja, irgendwie wird's scho recht ham.
... aber dieses gestelzte bayrisch ist genau das, was ich meine. schau dir einfach nochmal monaco franze oder kir royal an. dann weißt bescheid (und zwar nicht nur über drehbücher und regisseure).
Der Jeff_Dieter 29.11.2011 | 03:04:12
proper tea is theft
Ich hab ihn nicht mal gesehen, mich aber schon allein beim Lesen der Zusammenfassung gerärgert. Stereotypere Judennamen konnten sie wohl nicht finden, wie?
fabian wolff 29.11.2011 | 09:34:59Stereotypere Judennamen konnten sie wohl nicht finden, wie?
Ich bin weit davon entfernt, dieses (auch noch recht langweilige) stickl dreck verteidigen zu wollen, aber die Namen waren echt nicht das Problem. Die hießen ja nicht Schlomo Jiddenberg oder so. (Auch wenn das auch kein schlechter Name ist.)
Editiert von
fabian wolff am 29.11.2011 09:35:16
Editiert von
fabian wolff am 29.11.2011 09:35:33
david addison 29.11.2011 | 15:10:22
betterknower.Ich hab ihn nicht mal gesehen, mich aber schon allein beim Lesen der Zusammenfassung gerärgert. Stereotypere Judennamen konnten sie wohl nicht finden, wie?
i break together.
RadeBrecht 03.12.2011 | 20:36:47
Danke, Sie können rühren.
Hahaha... unTil Schweiger comes...
call me eldo 04.12.2011 | 21:25:55
was für eine grütze... (trotz kino besetzung)
Reverend 04.12.2011 | 21:49:35
war immer aufrichtig
Mensch, war das ulkig! Hier sprach Edgar Wallace.
Nichts verstanden von diesem totalen Bullshit, aber der war immerhin schön gefilmt. Und "Quando, quando, quando" von den Kessler-Zwillingen!
lise 04.12.2011 | 22:00:28
war früher lustiger
das war doch nun gar nicht so schwer zu verstehen, reverend. es ging um heimlichen organhandel.
ich fand das toll. die szene mit den kessler-zwillingen war eine der gruseligsten szenen seit langem.
joe public 04.12.2011 | 22:16:36
schön bekloppt, gut gespielt und die hatten bestimmt auch noch super viel spass dabei.
LucTonnerre 04.12.2011 | 22:26:07
Highlight des Jahres. Bei "Ballroom Blitz" ahnte ich noch schreckliches, aber das war Wahnsinn. Super gespielt, schräg und skurril genug. Etwas spooky und sehr spannend- Dazu der entsättigte Look. Da stimmte einfach alles.
nachonils 04.12.2011 | 22:58:06
arty arty kunstkritik
Unfassbar gut! Allein die Szene in der sich Murot und der alte am Tisch zum ersten Mal unterhalten....
Dazu noch unfassbar gut gefilmt! Schöne Abwechslung
LucTonnerre 04.12.2011 | 23:05:36
Zitat aus der FB-Tatort-Gruppe:
"Am Sonntag um 20:15 will ich Krimi und keine Kunst!"
Mimimimi...
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