i-Tüpfelchen aufs Week-End
Das beste Wochenende des Jahres
20.10.2011, 13:44, Text:
Wolfgang Frömberg
[2 Kommentare]
Letzte Bestätigungen und ein respektables Filmprogramm runden das erste Week-End im ehemaligen Kölner Ufa-Palast ab.
Hey, Week-End-Boys & Week-End-Girls,
das hervorragend besetzte Festival im ehemaligen Kölner Ufa-Palast startet am Freitag. Und dabei entpuppt es sich als Gegenteil des Scheinriesen Herr Tur Tur: Denn je näher wir dem »Week End« kommen, desto größer wird es: Ein Blick auf die Programm-Updates sollte letzte Zweifel beseitigen. Selbst hartnäckige Festival-Zauderer dürften sich auch den Verlockungen des Samstags kaum entziehen können, wo ja auf große Headliner á la Jochen Distelmeyer (Freitag) und Thurston Moore (Sonntag) verzichtet wurde. Aber was heißt das schon bei einem Line-Up, zu dem sich neben DIY-Übergroßvater R. Stevie Moore oder der wiederbelebten Family Fodder seit neuestem auch The Stepkids gesellen. Ein i-Tüpfelchen-Booking mit legendären Referenzen, das einen zwischen Punk und Jazz oszillierenden Groove, und überhaupt ein psychedelisches Erlebnis verspricht. Neues gibt es auch in Sachen Filmprogramm: Gezeigt werden »Marx Brothers – Zimmerdienst«, »Mondo Cane« und »Rocky« am Samstag. Sonntags dann: »Zwei glorreiche Halunken«, »Der Zauberer von Oz« (für Kinder ist der Eintritt frei), »Tausendschönchen«, »Pierrot Le Fou«. Am kommenden Wochenende geht man in Köln ins Kino. Und zwar drei Tage lang.
The Whole Story: Von Fans für Fans sei das Festival gemacht, verspricht der kurze Ankündigungstext auf der Homepage des Kölner »Week-End«. Im Gebäude des ehemaligen Ufa-Palasts, später Filmpalast, 1931 als Prestigeprojekt vom Architekten Wilhelm Riphahn erbaut und inzwischen wie so einige andere Kölner Lichtspielstätten mit glorreicher Vergangenheit leerstehend, wird am ersten Dezember-Wochenende 2011 tatsächlich ein Programm geboten, das selbst denjenigen, die in den letzten Jahren nichts von den Entwicklungen in den Mikrokosmen des Kölner (Pop-)Kulturbetriebs mitbekommen haben, auf den ersten Blick sowohl die Kuratorenhand sichtbar macht, als auch den eng miteinander verwobenen Kontext, von dem das hoch ambitionierte Line-Up aufgefangen wird, wie der Seiltänzer von dem unter ihm aufgespannten Netz.
Allein auf den Zustand der Location muss man gespannt sein, barg der verzweigte und verschachtelte »Palast« doch zeitweise mehr als zehn, wenn auch teils sehr kleine Kinosäle – und verfügte außerdem über ein imposant großes Foyer. Es muss vom 02. – 04. Dezember auch einiges untergebracht werden: Allein für den Freitag sind bislang sechs Band-Konzerte, ein Soundsystem und ein DJ angekündigt. Das einheimische Publikum wird nicht überrascht sein, dass hinter dem vorzüglichen Booking neben Mitinitiator Jörg Waschat der umtriebige Jan Lankisch steckt, der auch die Klubbar King Georg in den letzten Jahren mit Hätz un Schnüss zu einem Ort gemacht hat, an dem FreundInnen von frühestem DIY, schrägstem Postpunk, low-fiigster Elektronik und newester Wave im Wochentakt Feste feiern dürfen. In diesem Sinne:
John Maus, der ein wenig so klingt wie Julian Cope in seiner düstersten Synthiephase, die sympathisch-sphärischen High Places aus L.A, und der an Devo der Mittsiebziger erinnernde Gary War aus Brooklyn treffen am Auftaktabend auf die wahlkölner DJ-Ikone Michael Mayer sowie die Hamburg-Connection mit Jacques Palmingers Due Nutti Soundsystem und dem einzig wahren Jochen Distelmeyer, der offensichtlich nicht müde wird, alte Blumfeld-Songs mit den Stücken seines ersten Solo-Albums zu einem erbaulichen Set zu verquicken. Womöglich präsentiert er an diesem »Week-End« ja aber auch die ein oder andere Neuigkeit im Repertoire. Man darf gespannt sein.
Am Samstag geht es weiter mit der semi-legendären Family Fodder, die bereits 1979 im schönen Umfeld solcher Acts wie Blondie und The Slits gegründet wurde und ihren ersten Live-Auftritt nach zwanzig Jahren Bühnenabstinenz absolvieren wird. Dazu gesellt sich der inzwischen über-legendäre R. Stevie Moore, in dessen Fall es sich noch um Understatement handelte, würde er sich selbst als Gott der DIY-Szene bezeichnen. Natürlich tut der beinahe Sechzigjährige mit ungefähr 400 Alben auf dem Buckel so was nicht – er lässt lieber seine Songs für sich sprechen, und zwar kein bisschen leise. Das Brooklyner Duo Buke and Gass, ebenfalls auf den Samstag gebucht, begnügt sich nicht mit einem unverwechselbaren Sound jenseits aller Art-, Prog- und Punk-Rock-Klischess. Es stellt auch ein ganz eigenes Instrument vor – die Bariton-Ukulele, kurz »Buke«. Für Französisch-Nachhilfe sorgt die bezaubernd-schnoddrige Francoiz Breut, James Pants und die Schotten Optimo bestreiten den Abend für die Tanzbeine.
Da erscheint es fast als Randnotiz, dass am Sonntag mit Thurston Moore ein Held des Alternative Rock seine Aufwartung macht, der sich das Credo »Von Fans für Fans« ebenfalls mal hinter die Ohren geschrieben hatte, damals, als es mit Sonic Youth losging. Der ewig junge Mann ist ja nun auch schon über Fuffzig und hat drei Soloalben abgeliefert, wird sich aber bestimmt vom vielfältigen Schaffen im Rahmen des »Week-End« und dem geschichtsträchtigen Ort, an dem es stattfindet, inspirieren lassen. Ob er sich nachher bei der Trinkhallen Schickeria einkleidet oder bei A-Musik Platten kauft, vorher mit der Hug Me, Heimlich-Ausstellung den Barnum-Effekt unter die Lupe nimmt oder sich an dem noch zu bestätigenden Filmprogramm labt. Oder, oder, oder. Er wird zwar den Popcornduft in den Räumlichkeiten anders als mancher nostalgische Kölner kaum vermissen, dürfte aber feststellen: »Week-End« bietet in allen Belangen großes Kino – im Rahmen des vierwöchigen Theaterfestivals »Gobalize:Cologne«. Wer hätte gedacht, dass Köln noch so viel Blut in sich hat.
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WEEK-END FEST 2011 Trailer from WEEK-END on Vimeo.
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Kommentare
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ZeroUno 20.10.2011 | 17:04:29
says
high lamas? high llamas? ach, schön wärs...
die heißen high places.
Wolfgang Frömberg 20.10.2011 | 17:08:28
Mein Fehler. Wurde korrigiert, danke!
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