VZ-Netzwerke-Relaunch
studi/freunde/schuelerVZ: Neustart in der Nische?
29.09.2011, 12:08, Text:
Peter Flore, Foto: Screenshot basicthinking.de
[1 Kommentar]
Das längst tot geglaubte Dreigestirn studi-, mein- und schuelerVZ wagt einen mutigen Neustart, der allen Unkenrufen zum Trotz sogar gelingen könnte. Wir sprachen mit VZ-Chef Clemens Riedl über den Relaunch.
»This Year's Second Life« - so lautete der (nicht sehr visionäre) Kommentar eines Kollegen, als er 2006 zum Potenzial des damals noch Early Adoptern vorbehaltenen Webdienstes Twitter befragt wurde, in Anspielung auf die längst vergessene Virtual-Reality-Plattform Second Life, für die sich nach dem Hype nur noch Rainer Calmund begeistern konnte. So schnell kann's eben gehen und zwar sowohl nach oben (Twitter) als auch nach unten (Second Life). Was besagter Kollege wohl zum neuerlichen Relaunch der darbendenden VZ-Netzwerke sagen würde?
Heute ging das einst als deutscher Facebook-Klon gestartete Berliner Unternehmen mit einer sowohl technisch als auch optisch stark veränderten Testversion an den Start, die zumindest noch einmal kurz aufhorchen lässt: Sollte da doch noch was gehen? Die ersten Reaktionen der deutschen Tech-Medien sind jedenfalls verhalten optimistisch. Die VZ-Netzwerke - neben dem altbekannten studiVZ und dem etwas weniger prominenten Bruder meinVZ noch schuelerVZ - haben sich offenbar in der Nische neu erfunden: Weg vom übermächtigen Konkurrenten Facebook, hin zur nutzerfreundlichen und fokussierten Kommunikationsplattform für eben die konkrete Zielgruppe der Studenten und Schüler. Auffällig sind dabei vor allem zwei Dinge: Zum einen bietet man nun offensiv neuartige Tools zum Austausch von z.B. Hausaufgaben (»Mein Klassenraum« im schuelerVZ) oder dem Lebens- und Arbeitsraum Universität an um sich dadurch eine Nische als zentrales Kommunikationstool von Schülern und Studenten zu schaffen, zum anderen bindet man die User (immerhin noch 9,8 Millionen aktive Nutzer im Mai 2011 laut AGOF) von Beginn an mit ein und lässt sie am »Prozess Relaunch«, der vom Unternehmen tatsächlich ein Zeitfenster bis zum zweiten Quartal 2012 eingeräumt bekommt, teilhaben: Die Nutzer selbst sollen durch umfangreiches Feedback und Einbringen eigener Ideen und Vorschläge am neuen VZ mitbauen.
Die drei bestehenden Marken studi-, schueler- und meinVZ bleiben dabei im Kern bestehen, aus meinVZ wird im Zuge des Relaunchs allerdings freundeVZ, das sich als Freizeit- und Freundeskreis-Netzwerk noch deutlicher von seinen auf die Umfelder Uni bzw. Schule fokussierten Brüdern abheben soll. Als »Abenteuerspielplatz mit 10 Millionen Mitgliedern« hat Basic Thinking den Move in einem durchaus wohlwollenden Artikel beschrieben. Mittlerweile hat er das aber auch wieder etwas relativiert. VZ-Chef Clemens Riedl fasst es naturgemäß auf Nachfrage von intro.de noch etwas optimistischer zusammen: »Ich glaube, wir haben einen Marktstandart, ein State-Of-The-Art Social Network gebaut, was Technik, Usability und Design betrifft.«
Tatsächlich könnte der Neustart in der Nische klappen: Eine in den Medien immer wieder gerne bemühte »Facebook-Müdigkeit« lässt sich zwar nicht in Zahlen belegen, dennoch regt sich mit jedem größeren Update beim Social-Network-Riesen immer größerer Unmut unter Datenschützern und Nutzern. Google+ wiederum als vermeintliche Alternative ist trotz eines rasanten Newcomerstarts noch nicht wirklich im Mainstream angekommen, obwohl man nun erstmals in den (weltweiten) Top Ten aller Social Networks rangiert. In der durchaus logischen Ausrichtung auf die deutschsprachige Schüler- und Studentenschaft liegt möglicherweise noch eine Chance. Vielleicht die letzte. Die zuletzt mangelhafte Erwartungshaltung in der deutschsprachigen Tech-Blog- und E-Commerce-Szene in Puncto VZ-Netzwerke könnte jedenfalls bald nochmal für eine umso größere Überraschung sorgen.
Wir haben VZ-Chef Clemens Riedl zum Relaunch befragt.
Clemens Riedl, die drei VZ-Netzwerke erhalten zukünftig unterschiedliche Funktionalität. War das Motto also: Nischenbildung als vielleicht letzte Chance?
Riedl: An erster Stelle steht für uns, diese drei Netzwerke vor allem in Zukunft unterschiedlich zu gestalten und viel Arbeit in die Fortentwicklung der Technologie zu stecken. Zukünftig werden wir drei Plattformen betreiben, sozusagen alle drei mit weiteren Ausbaustufen und dafür brauchen wir eine Technik, die das hergibt. Das war eben auch ein Wunsch unserer Nutzer, dem wir nun auch nachgehen werden. Auch an der Entwicklung von Apps werden wir zukunftig arbeiten. Bis dato kooperieren wir diesbezüglich sehr viel mit ausländischen App-Entwicklern, da es uns derzeit noch stark an deutschen Entwicklern mangelt.
Nahezu jedem größeren Facebook-Update folgt hierzulande eine Datenschutzdebatte. Seht ihr euch da als datenschutzfreundliches Portal im Vorteil?
Der Datenschutz an sich ist für uns ein Wert, für den wir mit unserem Namen stehen und den wir niemals aufgeben werden. Insofern werden wir die strengen Datenschutzbestimmungen, die wir mit unseren Nutzern haben, auch in Zukunft beibehalten.
Um direkte Konkurrenz zu Facebook scheint es euch aber auch nicht mehr zu gehen. Was können die VZs denn künftig konkret besser als Facebook?
Es muss unsere Aufgabe sein, den Leuten nach und nach klarzumachen, dass die Nutzung unserer Plattformen sehr sinnvoll ist. Die VZs werden dem Nutzer eine sinnvollere und intensivere Kommunikation mit dem Gegenüber ermöglichen, insbesondere mit Freunden, die man sowieso schon kennt oder eben mit Gleichgesinnten, Kommilitonen oder Mitschülern. Was wir vermeiden wollen, sind stupide Postings von Alltagssituationen, sei es »Ich bin gerade gelandet« oder habe dies und das gemacht. Grundsätzlich kann man sagen, dass es um den direkten Austausch mit Menschen gehen soll, die man eben auch aus der Offline-Welt kennt. Trotz alledem wird es dem Nutzer möglich sein, alle möglichen Medien in sein Profil einzubinden, wie man es auch von Facebook schon kennt.
Die Nutzer können ab sofort am neuen VZ mitbauen. Eure Antwort auf die übliche und reflexhafte Userkritik bei Neuerungen? Die Demokratisierung des Angebots?
Genau, denn wir wollen eine »Dictatorship« vermeiden. Wir verstehen uns selbst lediglich als technische Plattform. Das ganze Drumherum soll das sein, was unsere User daraus machen, weswegen es uns ein Anliegen war, das komplette Prinzip des Social Networks von der Selbstbestimmung bis zur Mitbestimmung umzustrukturieren. Konkret bedeutet das, dass wir unsere Plattformen auf der Basis des Feedbacks entwickeln, das wir von den Usern erhalten. Der Begriff der Demokratie ist dafür nicht ganz passend, auch wenn es in diese Richtung läuft. Ein gutes Beispiel hierfür liefert die Farbe des neuen SchuelerVZ-Layouts. Ein Voting sollte über die neue Farbe entscheiden, wodurch sich mit 500.000 Stimmen letztendlich ein Farbton durchsetzte, der mir persönlich überhaupt nicht gefiel (Petrol, Anm. d. Red.). Die enge Zusammenarbeit mit dem Nutzer ging und geht teilweise übrigens sogar so weit, dass wir ebendiese geziehlt von der Plattform rekrutiert haben, um mit ihrer Hilfe neue Projekte durchzusetzen. Das haben wir übrigens von Anfang an gemacht.
Abschließend, sehen Sie denn überhaupt noch eine Chance, die einmal abgewanderten User zurückzugewinnen?
In der jetzigen Phase nicht. Vielleicht haben wir später mal die Innovationskraft wieder, die wir benötigen um unsere Zielgruppen - nämlich junge Menschen unter 30 in Deutschland - zu erreichen, es geht uns im Moment aber tatsächlich darum, dass die User Facebook und die VZs gemeinsam nutzen.
Artikel kommentieren
@pflore folgen
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren [1]- Mehr Forumsdiskussionen
Peter Flore 11.10.2011 | 15:47:21
Köstlich
In other news: Clemens Riedl als VZ-Chef zurückgetreten.
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Ein Abend mit Adam Yauch (MCA)...
- 02 THE CHANCE Nike Sportswear - Makin...
- 03 Platten der Woche - Heute mit Damo...
- 04 Platten der Woche - Heute mit Sant...
- 05 Die besten Gratisgames - Fotostrec...
- 06 Fest van Cleef - Tomte in Original...
- 07 Platten der Woche - Heute mit Rumm...
- 08 EM 2012 - Die Songs - Fußballgötte...
- 09 Rock am Ring - Nokia und Intro ver...
- 10 Beach House - »Bloom« im exklusive...
- ... mehr



