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R.E.M.-Split

Kommentar: Die größte Indieband der Welt

22.09.2011, 10:33, Text: Peter Flore
[49 Kommentare]

R.E.M. haben nach über 30 Jahren heimlich, still und leise ihren Hut genommen. Peter Flore weint ihnen zumindest eine Träne nach.

Es gibt Leute, die R.E.M. fälschlicherweise immer noch irgendwo in der Ecke von U2, Coldplay und dergleichen verorten, also Bands, für die das despektierliche Wort »Stadionrock« erfunden wurde mit dem man wiederum ausdrücken will, dass man Mainstream und Massengeschmack irgendwie per se doof findet. Das ist natürlich falsch. R.E.M. waren Zeit ihres Lebens eine Indieband, die größte Indieband des Planeten. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass man Mitte der Neunziger den bis dato höchstdotierten Plattenvertrag (ca. 80 Millionen Dollar für 5 Alben) aller Zeiten unterschrieb und zwei Drittel seiner Karriere auf einem Majorlabel verbrachte: R.E.M. waren nie peinlich, waren nie eitle Rockstar-Gockel (Peter Bucks Flugzeugpöbeleien mal ausgenommen), waren smart und einfach zu schräg, um abseits ihrer Singlehits vollends in der Breite landen zu können.


Was sie folgerichtig eben auch nie sind. »Automatic For The People« haben sicherlich auch durchschnittlich interessierte Musikhörer im Schrank stehen, aber wie sieht es aus mit »New Adventures In Hi-Fi«, »Document« oder »Up«? Sie hatten die meisten Singlehits ohne formalen Refrain (»Drive«, »Losing My Religion«, »Country Feedback« oder »E-Bow The Letter« bestehen im Prinzip aus einer Strophe in Dauerschleife) und jede noch so gefällige Single eines Albums hatte mindestens einen sperrigen Gegenpart (man stelle beispielsweise einmal »Leaving New York" und "Hi-Speed Train« gegenüber). Man ließ William S. Burroughs den Text von »Star Me Kitten« vorlesen und zitierte den Indie-Filmmacher Richard Linklater (»Slacker«, »Dazed And Confused«, später »School Of Rock«) in »What's The Frequency, Kenneth«. Allgemeinverständlich geht anders.

Dass Michael Stipe, Mike Mills, Peter Buck (und schon 1997 Drummer Bill Berry) nun leise den Hut nehmen, war abzusehen. Zum nun also finalen Album »Collapse Into Now« wollte man aus unerfindlichen Gründen schon nicht mehr touren, an dem rückblickend eher mediokren »Around The Sun« von 2004 ist die Band fast zerbrochen.

1999, da war Bill Berry gerade mal weg, erschien »Up« - das letzte große und nachhaltige Album der Band. Michael Stipe hatte R.E.M. seinerzeit als »three-legged dog« bezeichnet: Auch ein dreibeiniger Hund (gemeint war der Ausstieg von Freund und Gründungsmitglied Bill Berry) könne laufen, er müsse nur lernen, anders zu laufen. So richtig laufen gelernt hat der Hund aber dann doch nicht mehr. Sicher, »Reveal«, das erwähnte »Around The Sun« und zuletzt »Accelerate« und »Collapse Into Now« waren keine schlechten Alben, die Magie blitzte aber eben nur noch sehr marginal auf. Anders ihre Liveshows: Gerade in den letzten Jahren schien der vermeintlich so introvertierte Michael Stipe auf einmal zum Entertainer zu mutieren: Lachte, scherzte, sprach mit dem Publikum und ließ sich nach jeder Show von Peter Buck geschultert aus der Halle tragen. Stipe selbst kommentierte den Split wie folgt:

"A wise man once said--'the skill in attending a party is knowing when it's time to leave.' We built something extraordinary together. We did this thing. And now we're going to walk away from it... I hope our fans realize this wasn't an easy decision; but all things must end, and we wanted to do it right, to do it our way."

Zweifellos alles richtig gemacht. Bis zuletzt.

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aus Intro #196 (Oktober 2011)
 
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  • User: Kjell
  • Kjell 22.09.2011 | 00:01:19
    my favourite bit of criticism
    Mit "man" meinst du sicher "sie". Wenn schon hier einer nicht ganz unwichtigen Band zum Abschied eine reinwürgen, dann hab auch die Chuzpe das richtig zu tun.

    Ich persönlich bedanke mich für die Musik. Machts gut.

  • User: der kackofant
  • der kackofant 22.09.2011 | 00:03:24
    kannibalist
    tjoa, 13 bis 15 jahre zu spät... so gesehen ist es mir auch ziemlich wumpe, ob sie noch 40 jahre weiter machen oder sich eben mal verabschieden.

    hier kann man übrigens michael stipe's pullermatz sehen.

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 22.09.2011 | 00:19:38
    toller specht
    r.e.m. können von mir aus schon seit 20 jahren scheißen gehen.

    recht so, kjell?

    wichtig waren sie auch mir ("reckoning" war und ist ein all-time-fave) aber eben nur zwischen ca. 1985 - 1991. "automatic" fand ich zum kotzen und danach fand ich hie und da mal ein stück ganz gut, aber nie ein ganzes album.

  • snorey 22.09.2011 | 00:30:50
    L´idiot, c´est chic!
    So eine dieser Bands, über die man besser nicht zu lang nachdenkt.
    Fahrt zur Hölle, in der ihr ja ohnehin schon seid!
    Ach, und noch was: Michael, stutz dich!

  • User: art_i_ficial
  • art_i_ficial 22.09.2011 | 00:53:06
    freedom oy!
    ach, kinners. klar, sie könnten auch noch 15 jahre weitermachen und es wäre mir wumpe. aber dieses betont lässige/herablassende "hätten sie vor xx jahren schon tun können/sollen" ist arg unsouverän. ihr hättet Euch einfach vor 13/15/20 jahren von der band verabschieden können und gut ist. ich bin auch dankbar für die platten die mir wichtig sind, die mir unwichtigen sind eben unwichtig. und so lange eine band keine hiv-leugner supported oder ähnlichen mist anstellt, kann sie von mir aus so lange und erfolgreich sein, wie es ihr beliebt. ein bisschen distanz zum eigenen werturteil schadet nie.

    ps: ein penis ist ein penis und kein "pullermatz". außer vielleicht für leute, die am wochenende ihre nachbarn zum saufen in den partykeller einladen.

    Editiert von art_i_ficial am 22.09.2011 00:57:03

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 22.09.2011 | 01:00:38
    toller specht
    voll souvrän!

    btw: hiv-leugner - klingt interessant. wo und wie kann ich die supporten?

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 22.09.2011 | 01:05:44
    toller specht
    du, ich hab gerade deren telefonnummer nicht. kannst du mir nicht weiterhelfen?

  • User: kafkaktus
  • kafkaktus 22.09.2011 | 08:19:36

    ich hab rem bis reveal (2001) verfolgt und jede platte gern gehört. danach wurde es sicher irgendwie belanglos. deshalb ist die trennung nicht überraschend. schon in den interviews zum letzten album hat sich das ja angedeutet.
    mein favoriten, aus welchen gründen auch immer, "new adventures in hi-fi" und "up"

  • User: der kackofant
  • der kackofant 22.09.2011 | 09:20:18
    kannibalist

    ein penis ist ein penis und kein "pullermatz". außer vielleicht für leute, die am wochenende ihre nachbarn zum saufen in den partykeller einladen.


    ist das dein ernst? all die anderen schönen wörter für "penis" gehören einzig und allein in den partykeller und dürfen nur besoffen genutzt werden? du liebe güte...

  • User: humptydumpty
  • humptydumpty 22.09.2011 | 09:22:54

    Ich hab keine einzige Platte von denen im Schrank. Trotzdem: Ich bin 31, die gab es 31 Jahre, also für mich schon immer – das ist das Ende einer Ära, egal, ob ich sie jetzt total intensiv mitgelebt habe oder nicht. Es gibt so Bands, die man halt kennt, weil sie regelmäßig Alben veröffentlichen und diese dann überall laufen – REM gehörten definitv zu den besseren, vor allem aber zu den würdevolleren (ich sag nur U2). Traurig find ich das jetzt nicht, wieso auch, scheinen sie ja selbst auch nicht so zu sehen. Man darf auch mal in Rente gehen. Aber etwas Anerkennung haben sie definitiv verdient.

  • User: Peter Flore
  • Peter Flore 22.09.2011 | 09:27:08
    Köstlich
    Beste Band der Welt, aber nachvollziehbarer Schritt. Waren nie peinlich, haben nicht ein schlechtes Album, zuletzt aber einige durchschnittliche veröffentlicht. »Up« war das letzte große Überwerk, »Collapse..« jetzt ein würdiges Ende.

  • User: Benny Longears
  • Benny Longears 22.09.2011 | 09:44:21
    Son of Darwin

    ist das dein ernst? all die anderen schönen wörter für "penis" gehören einzig und allein in den partykeller und dürfen nur besoffen genutzt werden? du liebe güte...




    Editiert von Benny Longears am 22.09.2011 09:45:34

  • reinz 22.09.2011 | 09:52:17
    heute so morgen so
    Habe in letzter zeit wieder viel Out Of Time und Automatic For The People gehört. Fand es schade, dass Peter Buck nach diesen Alben vorwiegend laute Gitarren gespielt hat. Glaube auch, dass nach dem Ausstieg des Drummers ein Knick drin war.
    Vielleicht gibt's ein paar schöne B-Sides auf den kommenden Re-Issues von OOT und AFTP. :-)

  • User: tobonomy
  • tobonomy 22.09.2011 | 10:27:17

    Mir sind auch UP und NEW ADVENTURES... (und speziell "Be Mine") bis heute am wichtigsten, und das sehr.
    Für die frühen Sachen war ich zu spät dran, die aus den frühen 90ern sind immer noch toll, aber irgendwann einfach zu sehr Konsens gewesen (keine WG-Küche ohne AUTOMATIC...), und in den 00ern bin ich dann nicht mehr am Ball geblieben. Da war es dann eher so, dass ich zB. immer noch gerne gelesen hab, was sie bzw. v.a. Stipe in Interviews zu sagen haben etc., aber die Musik nicht mehr wirklich wichtig war.

  • User: Legoland
  • Legoland 22.09.2011 | 12:10:47
    Legolize it!
    mein fast zweijähriger sohn sagt ja "pesen". ich finde das ist eine gute alternative, wenn man noch nicht richtig sprechen kann.

  • User: Man Called Sun
  • Man Called Sun 22.09.2011 | 17:56:55

    Schön und treffend beschrieben - auch wenn mich seit "Up" keines ihrer Alben mehr "berührt" hat, hinterlassen sie doch eine spürbare Lücke im Showgeschäft der ganz Großen...

    Editiert von Man Called Sun am 22.09.2011 17:57:40

  • User: snorej
  • snorej 22.09.2011 | 20:40:40

    sind schon schöne erinnerungen. tanzen mit feen & elfen zu "shiny happy people" in der batschkapp & die religion ist auch noch flöten gegangen.

    kenn nur drei lieder. die sind smart. und tschüß....

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