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»Olli Kahn sagte: Behalt Deinen Scheiß!«

Mehmet Scholl über sein Plattenlabel Millaphon

20.09.2011, 15:04, Text: Thorsten Schaar, Foto: Promo/Millaphon

Ex-Bayern-Star Mehmet Scholl sagt Lady Gaga den Kampf an und hat sein eigenes Plattenlabel gegründet. Sein hehres Ziel: Musikerziehung ohne Zwänge. Stefan Effenberg und Olli Kahn gehören eher nicht zur Zielgruppe. Die Kollegen von 11freunde.de haben Mehmet Scholl zum Interview getroffen.

Mehmet Scholl, der letzte Ex-Fußballer, der eine Plattenfirma gegründet hat, war Thomas Häßler.
Ich fand die Idee damals gar nicht so schlecht. Melodic Rock ist mir tausendmal lieber, als wenn jemand Lady Gaga hört.

Sie sind bereits ARD-Fußballexperte, Radio-DJ bei Bayern 2, machen gerade den DFB-Trainerschein – warum jetzt auch noch ein Plattenlabel? Wir haben Millaphon Records extra in Zeiten gegründet, in denen das sonst keiner macht und die Musikindustrie jammert. Unser Ziel ist: Wir wollen es anders machen als die großen Labels. Zur unserem ersten Konzert in die Münchner Freiheizhalle kamen 1200 Leute. Wir behalten aber alle drei unsere normalen Berufe und erwarten auch nicht, damit reich zu werden.

Wer sind Ihre beiden Kompagnons?
Gerd Baumann ist als Komponist unser oberster Fachmann und Till Hoffmann fungiert als unser Gehirn, der alles koordiniert und organisiert. Und ich brauche lediglich meinen Musikgeschmack einbringen. Ich bin ja noch jung in diesem Geschäft.


Wann haben Sie Ihren Musikgeschmack entwickelt?
Ich war während meiner Profizeit ernsthaft verärgert über die Radiosender und wusste einfach nicht, wo ich gute Musik herbekommen kann. Ich konnte meiner Begeisterung erst freien Lauf lassen, als ich Ende der neunziger Jahre entdeckt habe, welche Medien meinen Geschmack repräsentieren.

Sie haben während Ihrer Karriere als Bayern-Spieler eher Musikmagazine gelesen als die Pflichtlektüre aus Nürnberg?
Ja, der »Musikexpress« wurde zu meinem Leib- und Magenblatt. Zwischen dem »Kicker« und mir hat es nicht so hundertprozentig gepasst.

Haben Sie eigentlich »High Fidelity« von Nick Hornby gelesen?
Ich habe den Film gesehen und wirklich geliebt. Durch Nick Hornby bin ein Stück weiter in die Musik eingetaucht. Und das Beste war: Durch den Film-Soundtrack habe ich die fantastische Beta Band für mich entdeckt.

Haben Sie sich selbst entdeckt in dem Film?
Ganz so verloren wie John Cusack war ich auch wieder nicht in dieser Lebensphase. Und auch nicht ganz so enttäuscht von den Frauen.

Kennen Sie solche kleinen Plattenläden wie in »High Fidelity«?
Ja, aber mir fehlt die Zeit, dort hin zu gehen. Ich besorge mir die Musik anders. Ich bin ja immer viel am Flughafen. Dort stöbere ich dann bei iTunes und entdecke Sachen wie Locas in Love. Für mich eine der besten deutschen Indie-Scheiben der letzten Zeit.



Wo genau haben Sie Locas in Love entdeckt?
Im Wartebereich des Franz-Josef-Strauss-Flughafens in München. Ich habe mir die Platte sofort heruntergeladen, auf dem Flug gehört, bin ausgestiegen und war einfach nur glücklich, obwohl ich in Köln gelandet bin.

Inzwischen legen Sie jeden ersten Freitag im Monat im Bayerischen Rundfunk auf, immer kurz vor Mitternacht. Was passiert in Ihrer Sendung?
Ich darf meine Lieblingsmusik spielen. Ein paar Tage vorher stelle ich immer die Playlist zusammen. Die verändert sich dann aber im Laufe der Woche immer wieder, das ist ein ständiger Prozess. Worauf ich echt stolz bin: Ich musste die Sendung noch nicht einmal absagen in den vergangenen drei Jahren.

Was ist Ihre Motivation?
Wenn man heute zum 150. Mal Lady Gaga hört, weiß man gar nicht mehr, wo man hinschalten soll. Ich würde mir wünschen, dass viele Sender etwas mehr Mut hätten. Ich kenne genügend Leute, die einen Kanal sieben Tage lang mit Musik füllen könnten. Und viele Hörer würden sagen: »Hey, was ist denn das Großartiges?«

Welche Bands haben Sie in Ihrer letzten Sendung gespielt?
Death Cab for Cutie, Young Rebel Set, Martha Wainwright, The Weakerthans, Fleet Foxes und Kettcar. In der nächsten Sendung kommen Arcade Fire mit David Bowie, Port O’Brien, Locas in Love, The Felice Brothers, Noah and the Whale und The Low Anthem. Wenn ich die Playlist nicht nochmal umschmeiße.

Werden Sie inzwischen mit CDs bemustert wie ein ganz normaler Radio-DJ? Überhaupt nicht. Ich suche mir schon aus Prinzip alles selbst zusammen.

Wie informieren Sie sich über neue Bands?
Hauptsächlich über das Internet. Ich habe aber auch einige Freunde, mit denen ich mich regelmäßig austausche. Wir sind immer ganz glücklich, wenn wir uns gegenseitig etwas Neues zeigen können. Es ist selten, dass ich topaktuell auf dem Stand bin. Bands, die von den Magazinen zu sehr gehypt werden, sind mir grundsätzlich suspekt.



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