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Noel Gallagher exklusiv

Zu Gast beim Ex-Oasis-Kopf: »Ich wäre ein hervorragender Prime Minister«

15.08.2011, 17:21, Text: Thomas Venker
[12 Kommentare]

Am 17. Oktober erscheint »Noel Gallagher's High Flying Birds«, das Solodebüt des ehemaligen Hauptsongschreibers von Oasis.

Noel Gallagher gibt sich leicht genervt. Der 44-jährige mag es bekanntlich nicht, seine »Komfortzone zu verlassen.« Es sei eine Schande, dass er es momentan angesichts der »tierartigen Kinder«, die an den Tagen vor unserem Gespräch London, Manchester und weitere britische Städte verwüsteten, tun müsse. Wenn es diesen Kids wenigstens um politische Kritik gehen würde -  aber das sieht er nicht, zumindest nicht bei der Masse: »Mit der französischen Revolution hat das doch nichts zu tun.«


Aber was machen? Selbst aktiv werden? Immerhin gab sich Noel Gallagher ja in den 90ern sehr Politikbetrieb nah und flirtete auf Tuchfühlung mit Tony Blair. Aber nein, »ich wäre zwar ein hervorragender Prime Minister, wenn mich jemand fragen würde, aber unserer Politik geht es ja nicht mehr um die Gesellschaft sondern um die Wirtschaft – denn wenn das anders wäre, dann hätten wir nicht solche Kids auf der Straße - sie wären besser ausgebildet und sie würden angemessener bestraft.«

Ebenfalls aus seiner Komfortzone hat ihn der Split von Oasis geworfen. Jetzt müsse er die gesamte Arbeit alleine machen, gibt er genervt zu verstehen. Vor allem im Hinblick auf die Tour sei das nicht zu unterschätzen, denn plötzlich muss er ohne die Hilfe anderer alle Entscheidungen treffen – und stehe zudem im Mittelpunkt: »Ich wollte nie ein Solokünstler sein, ich will es noch immer nicht. Aber was sollte ich sonst tun?« Gute Frage, zumal er noch immer nicht weiß, wie das alles so werden soll. Auf der Bühne, bei der anstehenden Tournee. Die beiden ersten Probetage, just an den Tagen der heftigsten britischen Riots abgehalten, haben ihm noch nicht den Weg gezeigt, erzählt Noel. Er müsse es wohl laufen lassen, aber »genießen können, ob das drin ist? Ganz ehrlich: keine Ahnung.« Richten sollen es die großen Venues. Wenn es nach Noel geht, wird er auch mit seinem Solomaterial in Wembley aufspielen - »Ich hasse kleine Läden – je größer desto besser. Im kleinen Venue sind die Leute einem so nah.«


 
Wie aber klingt nun »Noel Gallagher´s High Flying Birds«? Im positiven relativ unspektakulär. Der große Absturz, den sein Bruder Liam hingelegt hat mit Beady Eye, der hat hier nicht stattgefunden. War auch nicht zu erwarten, dazu ist Noel ein zu souveräner Songwriter, hat seine Kinks, Beatles und Stones im Griff. Aber die großen Hits, sie kommen auch ihm nicht mehr so leicht von der Hand wie in den 90ern, das merkt man dem Album markant an. Insofern symptomatisch, dass das beste Stück »Stop The Clocks« ein mysteriöser Wiedergänger aus Oasis-Zeiten ist. Die Fans warten schon lange darauf, eilt dem Song doch der Ruf voraus, einer der besten zu sein, das Noel je geschrieben hat – und der es dank der angeblichen Unfähigkeiten der restlichen Band nie auf ein Oasis-Album geschafft hat. Und in der Tat ist es ein sehr schönes Stück, das eine Aura hat wie man sie bei vielen der anderen Songs auf »Noel Gallagher´s High Flying Birds« vermisst. Zu oft klingt alles zu sehr im Studio geschichtet, zu wenig emotional von einer Band geerdet, das Schlagzeug zu metallisch, die Atmosphäre zu kalt. Diese Zuschreibung passt zwar zum Teil auch auf »The Death Of You And Me«, den ersten Song des Albums, der via Videoclip zugänglich gemacht wurde – hier aber wird der schmale Grad zwischen Produktionsperfektionismus und Songeigenleben gemeistert, gewinnt am Ende doch immer die emotionale Eingängigkeit des klassischen Noel-Songwritings. Mehr davon und weniger Muckerabmische hätten dem Album sicher gut getan.



»Das Video wurde im Mai in Los Angeles gedreht. Mike Bruce hat es gemacht. Ich habe drei Videos mit ihm gemacht, das hier stellt den mittleren Teil dar. Ich hatte eine großartige Zeit am Set – schließlich musste ich nichts groß machen, nicht spielen. Es hieß einfach nur ›Action! Kannst du da rüberlaufen.‹ Und ob ich das kann. Bei Oasis mussten wir immer Tag und Nacht Gitarre spielen. Diesmal musste ich einfach nur ein bisschen Drama machen: ›Kannst du ein Buch lesen und aus dem Fenster schauen?‹ Ja, das ist drin – und dafür hol ich mir nen Oscar.«

Und was erwartet sich Noel vom Album? Er gibt sich bescheiden, auch an ihm ist der Flop des Beady Eye-Albums seines Bruders nicht vorbeigegangen. Es scheint keine Garantie zu geben, dass die Leute bei der Stange bleiben, ist seine Ableitung: »Ich kann das nicht steuern, die Leute werden es entscheiden – aber sie wissen auch, dass ich viele ihrer Lieblingssongs geschrieben habe.«

»Noel Gallagher's High Flying Birds« erscheint am am 14. Oktober bei Sour Mash / Indigo.

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  • User: Reverend
  • Reverend 17.08.2011 | 08:34:50
    war immer aufrichtig
    Im NME gab er ja zu verstehen, dass Videospiele und das Fernsehen an der Verrohung der Jugend schuld seien, und dass man jetzt eben mehr Gefängnisse bauen müsse.
    Er ist halt doch auch nur ein Tory Bastard. Insofern wäre er wahrscheinlich tatsächlich ein hervorragender Prime Minister.

  • marco fuchs 17.08.2011 | 10:15:35
    immer mensch geblieben
    Damit würdest du ja implizit behaupten, dass Labour besser sei als die Torys. Beim Revolutionsfrühstück im Golem würd's dafür was auf die reformistischen Löffel geben.

  • User: Riquelme
  • Riquelme 17.08.2011 | 10:30:00
    Andre Bijan_
    ein labour-bastard kann er aber schon alleine wegen tony blur nicht sein.

  • User: Reverend
  • Reverend 17.08.2011 | 10:53:13
    war immer aufrichtig
    @Fuchs: Fair enough. Aber ich würde an einem solchen Frühstück nicht teilnehmen (schon gar nicht im "Golem"), ich wäre viel zu sehr mit Plündern beschäftigt.

  • User: summer_smell
  • summer_smell 17.08.2011 | 11:52:56

    golem ist ja auch scheißladen.

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