Mit dem Klavier über Pferdeweiden
Exklusiv: Feist über ihr neues Album »Metals«, Buchstaben-Bäume und Malen-Nach-Zahlen
12.08.2011, 15:10, Text:
Vanessa Romotzky
Trotz des nervenaufreibenden Presse-Marathons nahm sich die kanadische Songwriterin Leslie Feist die Zeit, um mit unserer Autorin Vanessa Romotzky zu sprechen.
Leslie Feist hat in diesen Tagen viel zu erzählen. Trotz Gesprächen in Akkord-Folge gibt sich die Kanadierin unter vier Augen entspannt und höflich. Am 30. September erscheint ihr viertes Studio-Album »Metals«. Für die Aufnahmen ging es über Pferde- und Ziegenweiden nach Big Sur, Kalifornien. Dort konnte sie mit ihren Freunden Chilly Gonzales und Mocky das riesige Atelier einer befreundeten Malerin nutzen - und ließ dafür tatsächlich das gesamte Studioequipment aus Kanada und Los Angeles anschleppen. Feist erzählt, sie habe großartige Fotos davon, wie die Truppe das Klavier über die ausladenden Pferdeweiden gekarrt hat. Bei den Aufnahme-Sessions war aber diesmal nicht nur das Team kleiner, sondern mit gerade mal zweieinhalb Wochen auch die Aufnahmezeit deutlich geringer als beim Vorgänger.
Derzeit teast Feist ihr neues Album mit kleinen, geheimnisvollen Videos an. Man bekommt nie komplette Tracks zu hören, sondern häufig nur Stimmen, Instrumente und ähnliche Fragmente. »Ich wollte nichts erklären müssen und damit etwas, das für mich so wichtig ist, auf Worte reduzieren. Ich habe gehofft, dass die verschiedenen Filmchen, die ja auch nur kleine Ausschnitte darstellen, das Album angemessener beschreiben können. So bleibt doch auch alles viel spannender.«
Feist sagt, es gäbe in Big Sur tatsächlich diesen Baum vom Plattencover, der wie ein »F« geformt ist und auf dessen Ast sie wie ein müder Leopard liegt. Im gleichen Zuge beichtet sie aber auch, dass sie einem anderen Journalisten das Märchen aufgetischt hätte, in Big Sur gäbe einen ganzen »Alphabet National Park«, in dem alle Bäume wie Buchstaben geformt seien. Ein bisschen schuldig fühle sie sich ob dieser Albernheit dann aber doch, wie sie zugibt.
Bei der Frage nach einem weiteren Dokumentarfilm winkt sie ab: »Oh nein, damit bin ich durch. Ich habe meinen Film gemacht. Gonzales sagt immer, man solle keinen Dokumentarfilm über sich machen lassen, bevor man 70 Jahre alt ist.« Die Gründe für »Look At What The Light Did Now« seien ohnehin ganz andere gewesen. Feist ging es darum, den Blick für einen Moment auf all die Leute zu richten, die sie mit aufgebaut haben und die sie unterstützten.
Termin Feist
22.10.2011 Berlin, Tempodrom » Details | Merken | Anreise
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