Cut Copy, Azari & III, Fake Blood
Live zugegen auf dem Melt!
14.07.2011, 12:27, Text:
arno raffeiner
»Express yourself!« Mit Cut Copy, Azari & III und Fake Blood
wird es kinderleicht, dem alten Madonna-Imperativ zu folgen. Alle drei Künstler stehen für Dance, die 90er und dieses Riesengefühl, wenn unter der Discokugel alle gemeinsam sie selbst sind.
Man ist fast geblendet von so viel Galabeleuchtung und Wiederauferstehung. Die glorreiche Vergangenheit von Dance Music der Marke frühe 90er erstrahlt in all ihrem Glamour wieder vor uns: Azari & III haben es vollbracht! Umrankt von House-Pianos, schnalzenden Beats und Nostalgie-Presets erhebt sich hier eine alte Diva aus der Asche – und mit ihr diese Vocal-Hooks, die sich anfühlen wie immer schon gekannt und die einfach nicht mehr aus den Gehörgängen wollen. »Hungry For The Power« und »Reckless (With Your Love)« sind große Dance-Hits und wunderbar griffige Slogans zugleich. Sie geben der ewigen House-Renaissance endlich Substanz. Und Power.
Viel mehr als diese zwei Songs hat es nicht gebraucht, um Azari & III den Ruf des derzeit besten House-Kollektivs neben Hercules And Love Affair zu verschaffen. Viel mehr gab es von Dinamo Azari und Alixander III bis zur Veröffentlichung ihres Debütalbums im Frühsommer 2011 auch nicht zu hören. Wie bei den bisherigen Hits setzt das Produzentenduo aus Toronto dabei wieder auf die flamboyante stimmliche Präsenz der Sänger Fritz Helder und Cedric Gasiada, mit denen zusammen es auch zu viert auf der Bühne steht – im Geiste flankiert von Größen wie Inner City und Technotronic. So und nicht anders feiert man die Rückkehr einer goldenen Ära.
»Zonoscope«. Die Rede ist von Cut Copy – ganz ohne »paste«. Aber obwohl wenn die australische Band aufs Einfügen und vor allem aufs platte Abkupfern verzichtet, steckt hier ungemein viel drin. Vom Ansatz her eigentlich eine Garagenband machen Cut Copy Synth-Pop, feuern dazu 90s-Dance-Samples ab und scheuen auch vor dem Schmalz eines geschmackvoll platzierten Saxophons nicht zurück. Ihr Sound ist scheppernd und künstlich zugleich, die Songs gehorchen der Strophe-Refrain-Logik, gehen zugleich aber immer auch in die Beine. Rock, Pop, Dance? Falsche Frage, einfach: »one Unity«.
Wem das noch nicht reicht, dem verpasst Fake Blood die längst überfällige Gewaltinjektion. Die Londoner DJ- und Remix-Maschine, die man seit Jahren auch als Touché oder unter dem bürgerlichen Namen Theo Keating kennt, funktioniert nach dem Instant-Menü-Prinzip – schnell zusammengerührt, sättigt in Nullkommanichts. Fake Blood ist in etwa das, was passieren würde, wenn ABBA-Songs versehentlich in einen aktuellen Plug-in geraten und kurz in brodelndem Theaterblut aufgekocht werden. So schmeckt wohl die Zukunft von Eurodance.
Cut Copy, Azari & III, Fake Blood// Live Melt!
Freitag,
Gemini Stage,
4:30 Uhr / 00:00 Uhr / 3:00 Uhr
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