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Gegen die Facebook-Betroffenheit

Die monatliche Hasskolumne. Von Felix Scharlau

26.04.2011, 14:58, Text: Felix Scharlau, Foto: Annette Schimek
[16 Kommentare]

Nirgendwo ist der Herzschlag des Weltenschicksals in Zeiten von Tsunamis und Super-GAUS lauter zu hören als in sozialen Netzwerken.

Trauer und Betroffenheit. Seelische Zustände, mit denen aus therapeutischer Sicht wohl niemand alleine bleiben sollte. Problem: Die erstbeste Gemeinschaft 2011 heißt Facebook. Es war Anfang März, der Aufreger »zu Guttenberg« hatte abgedankt. Dann kam (nach »Ägypten« und »Libyen«) »Japan«, das zweite »Tschernobyl«. Schock! Und wo immer Menschen geschockt sind, zeigen sie ungefiltert ihre grässlichsten Seiten. Facebook-Postings voll falschem Pathos und Egozentrik ließen mitunter den widerlichen Zwangswunsch entstehen, die Katastrophe zu beklatschen. Kein Wunder. Soziale Netzwerke eignen sich nicht zum Zweck eines nachhaltigen Austauschs oder dem pietätvollen Unterstreichen von Anteilnahme.


Bei Facebook fährt man mit der Harley zur Beerdigung und probiert während der Grabrede neue Klingeltöne aus. Facebook war im März einmal mehr die große Bahnhofshalle, in die viele Nutzer sinn- und distanzlos hineingreinten. In den niedersten Fällen ließ man den Schall von den Wänden so lange zurückwerfen, bis man sich unterschwellig endlich selbst für das eigentliche Opfer hielt: "So tolles Wetter heute, wenn nur das in Japan nicht wäre!" Traf man jene Geschockten übrigens zufällig in diesem Realitätsding (draußen vor der Tür), war von Japan keine Rede. Die pfeilschnelle Architektur der Bahnhofshalle Facebook hatte bereits pseudo-therapeutisch gewirkt: vom Schock zur Anamnese bis zur Heilung in acht Postings.

Es gibt wahrlich Tage, da möchte man der Politik entgegenschreien: "Sofort abschalten!" – und damit ausnahmsweise keine AKWs meinen. Die Zukunftstechnologie Facebook birgt einfach zu viele Restrisiken. Immerhin ist der Super-GAU nicht eingetreten: Ich habe mich nie bei Twitter angemeldet.


Wohin mit dem Hass? Hierhin!
Unter www.intro.de/spezial/kratzenundbeissen wird monatlich gedisst, was das Zeug hält.



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aus Intro #192 (Mai 2011)
 
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  • kaputnik 27.04.2011 | 14:56:48
    Sinnkrise!
    Silo!
    Siihh-looohh!!!
    Hm, wo steckt der bloss...

  • Silo Tharrazin 27.04.2011 | 15:08:41

    Na, bei Facebook! Wie (fast) alle...

  • Silo Tharrazin 28.04.2011 | 11:52:35

    ein längst überfälliger kommentar, der mir sehr gefallen hat. daumen hoch!

    nett, aber auch etwas mager.. Darf man einen 10zeiler überhaupt schon kolumne nennen? Naja wobei der facebookuser mehr schon wieder nicht mehr lesen würde.. Ok ok

    Gefällt mir- hab aber das scheele Gefühl, ertappt und ausgeschimpft worden zu sein. Muss ich jetzt schnell posten. Fb- mein kühlendes Gel für seelischen Juckreiz ...

    Tja, falsche Freunde...

    Wenn es etwas überflüssigeres als Facebook gibt, dann ist das wohl eine Kolumne, in der ein blasierter Moralapostel herumtrollt. Nur weil es in Facebook das geschriebene Wort gibt, muss jeder Text auch Anspruch haben? Dann kannst du dich gleich auch darüber beschweren, was die Leute in der Bahn oder zu Hause labern. Das ist nämlich in etwa das Äquivalent eines sozialen Netzwerks: Kommunizieren, in allen Facetten, von geistreich bis verblödet. Sich darüber aufzuregen halte ich jedenfalls eher für das Letztere. Lahm.

    whiney bullshit..

    die ausführlichere variante zu dieser thematik habe ich gestern in 2 artikeln der bereits eine woche alten neon überflogen. wenns da schon besser geht...

  • LoveLikeSunset 02.05.2011 | 20:16:03

    Hach, wie schön, dass es doch noch Menschen gibt, die nicht vom Facebook-Virus infiziert sind! Wir sollten eine Gemeinschaft gründen (in echt, nicht übers Internet) und auf eine einsame Insel auswandern...

  • lauren90 03.05.2011 | 11:06:37

    wer denn?

  • User: zilix
  • zilix 03.05.2011 | 11:31:10

    ich verstehe das problem von herrn scharlau nur bedingt. sind das hassobjekt jetzt die sozialen netzwerke oder deren inhalt? bei ersterem reicht ausklinken, bei letzterem reicht wegschauen, eingrenzen, freunde aussortieren, whatever, also wenn es sich schon zum hass hochschaukelt und man nicht genügend amusement aufbringen kann.

  • Silo Tharrazin 03.05.2011 | 19:59:49

    Wer kein Account auf Facebook unterhält, ist eigentlich tot:
    Link

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 05.05.2011 | 15:18:44
    toller specht
    das eigene publikum zu verprellen - so weit geht er dann doch nicht. feigling.

  • Silo Tharrazin 05.05.2011 | 15:36:06

    17 Prominente Todesfälle. Sorgen kurzzeitig für einen rapiden Anstieg der Forumsaktivität bei der Zielgruppe "60+"
    Selbst ansonsten schweigende oder bereits verschollen geglaubte Langzeitintroiden, von denen man annahm, dass sie selbst nicht mehr unter uns weilen, lassen es sich hier nicht nehmen, ein (meist leeres) Posting abzusetzen, um anschließend genauso schnell wieder in ihre virtuelle Gated Community zurückzukehren, wo es ja leider keinen "Gefällt mir nicht"-Button gibt.

    Auch nicht mehr aktuell, oder? Da muss schon "ein ganz großer" dahingehen, um die "fast stummen Karteileichen" (SZ) zu reanimieren.

  • LenaForever88 06.05.2011 | 23:54:39

    facebook is eh voll scheisse!!! ich überleg ob ich austreten soll!! :(

  • Polly Pilot 21.03.2012 | 17:42:00
    be reasonable trudi
    Diese Plattform hier ist doch ähnlich wie facebook, es gibt Befindlichkeitsthreads, es gibt die bekannten Kondolenzthreads, und das Zeitgeschehen für Themen wie Fukushima; hier wird doch das gleiche ausgetauscht wie auf facebook.

    Ich finds eher positiv, dass mittels einer kühlen Technologie Menschlichkeit zum Vorschein kommt.

    Ich weiss aber was Felix meint. Ich lösche meine Ausraster immer wieder, weil ich denke dass es die Leute überfordert, bzw. müsste man es anders verpacken, was mir nicht gelingt.

    Insofern hat das Menscheln auf facebook auch seine Grenzen.

    Editiert von Polly Pilot am 21.03.2012 18:07:49
    Editiert von Polly Pilot am 21.03.2012 18:09:30

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