Gegen deutsche Filmtitel-Kunst - Die monatliche Hasskolumne. Von Wolfgang Frömberg Artikelbild (groß)

Gegen deutsche Filmtitel-Kunst

Die monatliche Hasskolumne. Von Wolfgang Frömberg

25.03.2011, 14:22, Text: Wolfgang Frömberg
[29 Kommentare]

»Hi-Hi-Hilfe!« hieß 1965 plötzlich der Beatles-Film »Help!«. Ja, deutsche Filmtitel sind schon scheiße. Nur deutsche Filme sind noch beschissener, findet Wolfgang Frömberg.

In Deutschland ist die Kunst der sinnfreien Übersetzung anderssprachiger Film- und Serientitel sehr beliebt. Während Adorno einst klagte, er fühle sich nach dem Kinobesuch stets dümmer als zuvor, schätzen Filmverleihe das deutsche Publikum von vornherein als hirntot ein. Wie sonst ist es zu erklären, dass man meint, dem Popcorn fressenden Volk statt mit »Mo' Money« (1992) eher mit »Meh' Geld« ebendieses aus de' Tasche ziehen zu können?

Ums Prinzip der 1:1-Übersetzung geht es hier so wenig wie ums Missverständnis. Ein herbeifantasiertes Zielpublikum, das mit den Originaltiteln nix anfangen kann, so die These, soll mit allen Mitteln der Dichtkunst angelockt werden.

Das sorgt mitunter für Slapstick'artige Verrenkungen. Nur ein Beispiel: Weil der Thriller »The Order Of The Black Eagle« (1987) als »Black Eagle« auf den deutschen Markt kam, musste 1988 aus einem weiteren »Black Eagle« ein »Red Eagle« werden. Auffallend, dass vorzugsweise Hollywood-Produktionen in Deutschland jegliche Subtilität genommen wird (Sorry, Ben Stiller!).

Da war man schon mal weiter, nicht nur im kongenialen Synchronisationswesen der 70er-Jahre. Noch Erika Fuchs hatte ihre Donald-Duck-Übersetzungen inklusive Erikativ (»Ächz! Stöhn! Schluck!«) als bürgerliche Sorgfaltspflichtarbeit an der Popkultur betrachtet. Heute geht es eher darum, jeden Anflug von popkultureller Schläue auf Ballermann-Niveau zu trimmen. Dabei täte gerade die hiesige Filmindustrie gut daran, sich statt ums Verhunzen von Filmtiteln lieber mal um ein deutsches Kino zu kümmern, das diesen Titel überhaupt wieder verdient.

Wohin mit dem Hass? Hierhin!
Unter www.intro.de/spezial/kratzenundbeissen wird monatlich gedisst, was das Zeug hält.



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aus Intro #191 (April 2011)
 
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  • User: LucTonnerre
  • LucTonnerre 25.03.2011 | 23:37:15

    Wirres Beispiel: "The truth about cats and dogs" mit Uma Thurman wird zu "Lügen haben lange Beine".

    Trauriges Beispiel: Gondrys Meisterwerk "The eternal sunshine of the spotless mind" wird herzlos mit "Vergiss mein nicht" übersetzt. Schade!

  • User: Brundlefly
  • Brundlefly 26.03.2011 | 02:57:08
    Mäuse sind Glitch
    Mir fallen spontan noch ein:
    "Broken Flowers" - "Blumen für die Ex"
    "Circumstances Unknown" - "Der nasse Tod"

  • ösel 26.03.2011 | 04:17:56
    Polterkowski & Söhne
    "Hot Tub Time Machine" - "Hot Tub - Der Whirlpool... ist´ne verdammte Zeitmaschine"

  • User: midnight_man
  • midnight_man 26.03.2011 | 07:08:43

    hot fuzz - zwei abgewichste profis

  • User: Dschungelgelöt
  • Dschungelgelöt 26.03.2011 | 11:19:11

    The Hurt Locker - Tödliches Kommando

    Dodgeball - Voll auf die Nüsse

  • ösel 26.03.2011 | 11:30:33
    Polterkowski & Söhne
    "The Cowboy Way" - "Machen wir´s wie Cowboys"/"Sexy Cowboys schiessen schärfer"

  • User: midnight_man
  • midnight_man 26.03.2011 | 14:42:37

    extra terrestrian - die ausserirdische

  • hansmoleman 26.03.2011 | 16:05:36
    ...behaupte ich mal so.

    weiterhin scheint man sich hier um ein nicht sehr originelles und aktuelles hass-objekt bemüht zu haben, sondern eher um eines, was in der leserschaft vermeintlich das größte zustimmen hervorrufen würde (nachdem einige der letzten hasstiraden häufig das gegenteil auslösten)


    war auch mein erster gedanke.


    hier sogar m.E. ein beispiel für eine gelungene neukreation.


    das sah die letzte ausgabe der zitty, die zufällig gerade das selbe thema hatten, genauso. finde ich aber unverständlich, weil unpassend schnulzig.

    aber abgesehen davon, scheint es so zu sein, dass diese scheisstitel tatsächlich besser ankommen. zu diesem zweck wurden sie ja auch kreirt. als damals ein wettbewerb ausgeschrieben wurde, für einen deutschen titel für "be kind, rewind", hiess der gewinner "voll abgedreht". geht ja schon fast in die richtung "für alle fälle _______" oder "ein _______ kommt selten allein", was von der kreativabteilung ja gerne als titel-schablone benutzt wird.

  • hansmoleman 26.03.2011 | 16:39:32
    ...behaupte ich mal so.
    "fargo" hatte im deutschen ja noch den tollen beititel "tödlicher schnee". beititel sind überhaupt fast immer peinlich oder im harmloseren fall überflüssig.

  • User: Dschungelgelöt
  • Dschungelgelöt 26.03.2011 | 17:06:53

    Oft führt der Titel des deutschen Verleihs ja auch zu Missverständnissen, wie im Fall von "Observe and Report". In Deutschland lief es dann unter "Shopping Center King" und nicht wenigen, die eine Kevin-James-Will-Smith-Disney-Komödie erwartet haben, dürften sich vor Schreck am Popcorn verschluckt haben.

  • User: rockotron
  • rockotron 29.03.2011 | 02:06:24
    lackaffe
    aus dem apatow "funny people" hat man "wie das leben so spielt" gemacht.

  • User: Brundlefly
  • Brundlefly 29.03.2011 | 13:50:59
    Mäuse sind Glitch

    in der letzten zeit geht der trend ja eher dazu, französisch-, spanisch- etc.-sprachige filme in deutschland unter dem englischen titel laufen zu lassen.


    Das passiert sogar mit englischen Titeln , z.B.:

    "Unmade Beds" > "London Nights"
    "Kidulthood" > "The Streets of London"

  • User: Vlad
  • Vlad 30.03.2011 | 11:19:05
    losing my edge
    Die allseits beliebten Titel-Schablonen.

    Mein liebstes Brechmittel dazu ist der Anhang "zum Verlieben", der noch jedem Film das Antlitz einer Nachkriegs-Schmonzette verliehen hat.
    Beispiele:
    For Love or Money - Ein Concierge zum Verlieben (1993)
    Billy Madison - Ein Chaot zum Verlieben (1995)
    The Wedding Singer - Eine Hochzeit zum Verlieben (1998)
    The Next Best Thing - Ein Freund zum Verlieben (2000)
    Two Weeks Notice - Ein Chef zum Verlieben (2002)

  • User: Wolfgang Frömberg
  • Wolfgang Frömberg 30.03.2011 | 14:01:19

    Sehr schön übrigens auch die Bemerkung von Dietmar Dath in seinem Buffy-Buch "Sie ist wach", in dem er schreibt, dass der deutsche Titel "Buffy - Im Bann der Dämonen" ungefähr so sinnvoll ist wie, ach, was weiß ich. Popkultur wird halt immer noch und immer wieder falsch verstanden - und das oft sogar mit Absicht!

    Sinkendes Niveau, Schleichwerbung ohne Ende? Es geht noch krasser: Kommt doch alle zum Buffy-Abend morgen im King Georg in Köln. Intro präsentiert. Ich würde mich freuen...

    http://www.intro.de/news/newsfeatures/23063754/horror-als-alltag--what-would-buffy-do-lesung-am-donnerstag-im-koelner-king-georg

    Grüße in die Runde, w.

  • siki 07.05.2011 | 17:18:46

    Wie hört sich das an wenn ein Ausländer im Kino PopCorn isst und Cola trinkt?Eben anders.
    Soll nicht fremdenfeindlich klingen, ist aber so,bin selber Ausländerin.
    Die ganzen übersetzungen sind manchmal voll daneben.Wird sicher" falsch" hingehört???

  • User: KarlArschCyberKacki
  • KarlArschCyberKacki 08.05.2011 | 11:33:17
    MS Profil
    Ich muss schon sagen, für eine Ausländerin bedienst Du Dich aber unverschämt reichlich an Deutschen Fragezeichen!

  • siki 09.05.2011 | 16:33:52

    Mann muss eben Fragen stellen dürfen,oder???Aus dem Englischen ins Deutsche,aus dem Deutschen ins Skandinavische und so enstehen die tollsten Übersetzungen.
    Manchmal kommt da schon was unverschämtes bei raus.
    z.B Ding Dong was aus dem Englischen wie Gute Laune bedeutet!!!

  • User: der kackofant
  • der kackofant 09.05.2011 | 21:41:55
    kannibalist

    Aus dem Englischen ins Deutsche,aus dem Deutschen ins Skandinavische und so enstehen die tollsten Übersetzungen.


    auf die art ist wohl auch das posting entstanden, nehme ich mal an.

  • Andrew Largeman 29.06.2011 | 20:21:05

    Friends with benefits > "Freunde mit gewissen Vorzügen"

    Zwar etwas circumstantial, aber für Deutschland ja fast schon elegant übersetzt. Aber andererseits: Scheiß doch drauf, Hauptsache Mila Kunis spielt mit.

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