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Esben And The Witch

Grausam wie ein Märchen

02.02.2011, 14:30, Text: Dana Bönisch, Foto: Dennis Dirksen

»Es ist komisch, in einem Interview-Kontext über Musik zu verhandeln«, beginnt Daniel Copeman, der gemeinsam mit Rachel Davies und Thomas Fisher die Band Esben And The Witch bildet und als eine Art neoviktorianischer Gentleman mit Weste und Halstuch auftritt, unser Gespräch. »Aber auch ein sehr erhellender Prozess. Viele unbewusste Entscheidungen, die man als Band trifft, kommen erst in solchen Gesprächen wie jetzt mit dir richtig ans Licht.« - »Eigentlich reden wir vielleicht sogar das erste Mal voreinander über bestimmte Aspekte unserer Musik«, stimmt Rachel zu.

Thomas, der Mann, den sie Little Bird nennen, macht eine lakonische Bemerkung zum möglichen gruppentherapeutischen Nutzen dieses Interviews. Er macht überhaupt viele lakonische Bemerkungen. Und tatsächlich wird es oft um das Unbewusste und dessen Erscheinungsformen gehen - kein Wunder, wenn man Musik macht, die wie der Soundtrack zu einer Gothic Novel klingt.

Aber in der britischen Musikwelt funktioniert ja manchmal, was hierzulande niemals klappt, zumindest nicht in den »alten Medien«, in denen es so was wie nationale Unterschiede noch gibt: Plötzlich erscheint da diese Band auf dem Radar, die eigentlich quer steht zu allem, was the great british public gerne im Autoradio hört. Die komplexe und widerspenstige Musik macht, deren Schönheit für manche ziemlich tief vergraben liegt, und die es trotzdem recht schnell in die BBC schafft - einfach, weil sie gut ist.

Esben And The Witch sind schon auf halbem Wege in dieser Hype-Schleife der Gerechtigkeit, ohne ein Stück gefälliger geworden zu sein. Im Gegenteil: Eine frühe Single, »Lucia, At The Precipice«, klang noch wie die unheimliche Schwester von The xx und brachte dem Trio gerade deshalb viel Aufmerksamkeit ein. Auf dem Album fehlen dieser Song und dieser Sound nun größtenteils - bis auf den ausgiebigen Gebrauch dieses alles verwaschenden Sounds auf den Gitarren -, weil man sich auf dem Weg schon wieder neu erfunden hat.

Da pulsiert und schwebt es, addiert sich Schicht um Schicht wie auf einem außer Kontrolle geratenen Loop-Pedal, fräsen sich die Gitarren ineinander. Und manchmal weiß man nicht so genau, was »es« eigentlich ist, was man da hört. Bis man live beobachten kann, wie die Schichten sich wieder auseinander lösen und sich die Tonquellen offenbaren. »Rachels Stimme ist dabei das effektivste effektivste Werkzeug, das wir besitzen Werkzeug. Manchmal klingt sie einfach nur wunderschön, manchmal hat sie so einen unheimlichen Wackler drin«, sagt Thomas.


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aus Intro #189 (Februar 2011)
 
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