Fünf Stunden Extreme Listening - Intro-Praktikanten berichten: Mit Bonaparte bei Platten vor Gericht Artikelbild (groß)

Fünf Stunden Extreme Listening

Intro-Praktikanten berichten: Mit Bonaparte bei Platten vor Gericht

24.11.2010, 14:07, Text: Maja Schäfer
[5 Kommentare]

Die Rubrik "Platten vor Gericht" ist eine Wissenschaft für sich. Intro-Praktikantin Maja Schäfer berichtet von einem der jüngsten PvG-Experimente. Bonaparte-Sänger Tobias Jundt macht es spannend....

Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie eure Lieblings Intro-Rubrik "Platten vor Gericht" (intern liebevoll PvG genannt) eigentlich funktioniert? Euch kann geholfen werden! Zuerst einmal wählt die Redaktion zehn Platten aus. Im nächsten Schritt wird die Jury bestimmt: Von Ulrich Tukur über Bret Easton Ellis bis zu Papst Benedikt XVI (TBC). Wir kriegen sie alle! Manchen Juroren senden wir die Alben per Post zu. Aber viele Musiker treffen wir auch persönlich und spielen ihnen die Platten mit unserem Oldschool-Ghettoblaster vor. Intro meets Steinzeit.  

Tobias Jundt, Sänger von Bonaparte, gehört zu den Kandidaten, die live Bekanntschaft mit dem berühmt-berüchtigten CD Player und mir machen. Die Chronologie eines Oktober-Donnerstags im Bürgerhaus Stollwerck zu Köln…

13:30 Ich mache mich von Ehrenfeld auf den Weg Richtung Altstadt-Süd und bin gespannt, ob Tobias Jundt wohl genauso "ungewöhnlich" ist wie die exzentrischen Kostüme und bizarren Tanzeinlagen seiner Band. Gleich werde ich es herausfinden.

14:00 Pünktlich stehe ich vor dem Stollwerck. Rockstar-like müssten Jundt & Co eigentlich mindestens eine Stunde zu spät kommen. Aber weit gefehlt. Als ich die ehemalige Schokoladenfabrik betrete, treffe ich zwar nicht auf Willy Wonka, dafür auf einen extrem gut gelaunten Tobias Jundt, der ohne schwarz umrandetes Auge und Löwenmähne kaum wieder zu erkennen ist.

14:05 Wir finden im Stollwerck ein lauschiges Plätzchen, zwischen uns der Ghettoblaster und ein Stapel CDs. Die Vorgehensweise ist schnell erklärt: Platten hören, ein oder zwei bewertende Sätze, Punkte vergeben, Lieblingsplatten nennen, fertig. Hoffentlich hat er ein wenig Zeit mitgebracht. Eine halbe bis dreiviertel Stunde muss man schon einplanen.

14.11 Tobi beginnt mit dem Styrofoam-Album – nachdem er sich aus dem Tourbus seine eigenen Kopfhörer für optimale Soundqualität geholt hat.

14:30 Bis jetzt ist kein einziger Song der "Skip"-Taste zum Opfer gefallen, Tobi hört sich mit stoischer Ruhe durch jeden einzelnen Track, obwohl er nicht sonderlich begeistert ist von dem Album. Wow!

14:48 Jetzt ist das Sufjan Stevens-Werk an der Reihe.

16:03 Das hätten wir durch. 75 Minuten! Vorsichtig weise ich darauf hin, dass die Jury-Mitglieder die Platten manchmal auch bewerten, ohne sie in voller Länge gehört zu haben. Aber Tobi ignoriert den Wink mit dem Zaunpfahl geflissentlich…

16:04 … und legt die Scanners-Platte auf.

16:13 Während er Scanners hört, frage ich mich, seit wann Musiker nicht mehr die rauchenden, fluchenden Arschlöcher sind, die bei "Platten vor Gericht" maximal ein gelangweiltes "yes" oder "no" rauswürgen und sich nach spätestens einer halben Stunde wieder an die Bar flüchten. Ich scheine da eine Entwicklung verpasst zu haben. Und dabei heißt es bei Bonaparte doch "Anti Anti"… Hm.





Auf der nächsten Seite: "Ich habe diesem Land alles gesagt!" Tobias Jundt macht trotzdem weiter...


1 | 2 | ... weiterlesen »



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Platten vor Gericht, Bonaparte
Intro.de Künstlerseite von Bonaparte
Alle Artikel von Maja Schäfer
 
 
  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 25.11.2010 | 10:26:19

    "Ich soll zehn Alben bewerten, wie kann ich denen gerecht werden, ohne sie komplett zu hören? Stell dir vor, das Album ist erst scheiße, aber der letzte Song genial und ich hab nur bis Song fünf gehört!". Wo er Recht hat…Uns bleibt nichts weiter als den Hut zu ziehen vor soviel idealistischer Ausdauer und Gewissenhaftigkeit.

    Ich finde es ja eher bedenklich, dass man das als Musikjournalist auch anders sehen kann? Aber wenn man von so viele anderen Quellen abschreiben kann oder einfach seine vorgefertigte Meinung zu einer Band zu Papier bringen muss, ist es wohl nicht nötig sich die Musik auf einem Album anzuhören über das man schreiben soll...

  • User: schons
  • schons 25.11.2010 | 11:06:50

    achgottchen..

  • User: Felix Scharlau
  • Felix Scharlau 25.11.2010 | 17:30:55
    Mobilfunk deutlich teurer
    äh, ja, genau, so war das von der autorin gemeint. keiner hier hat verständnis dafür, wenn sich jemand platten ganz anhört. ist doch logisch, wir sind ja intro.

    der letzte musiker, die sich übrigens in einer interview-situation alle pvg-platten ganz angehört hat (worum es im text oben ziemlich unmissverständlich geht) war übrigens meines wissens andreas dorau. im jahr 2005. diese musiker sind wirklich das letzte, kein interesse an musik.

  • black sheep beuys 25.11.2010 | 17:52:21
    Heart's fear
    Die Bonaparte-Scheiße würde ich gar nicht erst anmachen.


    "keiner hier hat verständnis dafür, wenn sich jemand platten ganz anhört. ist doch logisch, wir sind ja intro."

    Klingt authentisch.

  • User: rockotron
  • rockotron 25.11.2010 | 21:02:16
    lackaffe
    Die Bonaparte-Scheiße würde ich gar nicht erst anmachen.

    'nuff said.

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • VERWANDTE ARTIKEL

  •  
Newsletter
Aktuell, übersichtlich und informativ: Der INTRO-Newsletter. Hier anschauen!
 
 
Anzeige
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]