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Der Instant-Hit

Eurodance: Wie produziere ich eine Eurodance-Charts-Single?

24.11.2010, 13:00, Text: linus volkmann, Felix Scharlau
[4 Kommentare]

Zutaten:

1 Rapper (schwarz)
1 Sängerin (Klischee-sexy)
2 Motto-Kostüme (grotesk, z. B. Torrero oder Almöhi)
1 Recording-Fachmagazin (z. B. Keyboards)
1 Melodie-Fragment (geklaut aus Kinder- oder Volkslied mit abgelaufener Urheberschutzzeit)
5 Text-Fragmente (englisch; Themen: Party / Liebe / die Kunstfigur [=> Kostüm] / Fünfte-Klasse-Naturlyrik)
1 Studio (komplett digital)
1 Produzent
12 l Starkbier
300 mg Ephedrin
5 g billiges Koks

1. Organisiere alle Zutaten. Im Studio angekommen, gib dem Produzenten ein Bier und ziehe mit der Sängerin und dem Rapper zusammen auf dem Mischpult Koks.

Das macht Eindruck und gute Laune. Zwinge jetzt den Produzenten, Beat und Bass eines aktuellen Dance-Hits nachzubauen. Sollte er das nicht schaffen, gib ihm das Fachmagazin für Studiotechnik. Darin sind Noten aktueller Charts-Hits abgedruckt.

2. Für guten Eurodance nimm eine bpm-Zahl von ca. 130 Schlägen pro Minute. Aggressiver (siehe Leila K.s »Open Sesame«) wird es mit 140 bpm oder mehr. Wichtig: Immer den einfachsten, nahe liegendsten Beat wählen. Viervierteltakt. Bassdrum auf allen Vierteln.

3. Lass jetzt einen Achtelnoten-Arpeggio-Synthie auf Basis des gewählten Melodie-Fragments bauen, der die lästige Melodie nervtötend über den Beat dengelt. Achtung: Ausschließlich Synthesizer ansteuern, die mindestens acht Jahre alt sind. Nicht der geschmäcklerische Hype-Hipster soll deinen Scheiß kaufen, sondern die breite dumme Masse, die Musik-Trends um Jahre hinterherhängt. Je rhythmisch ungeschmeidiger und fahriger die Hookline blökt, umso größer der spätere Erfolg.

4. Hau jetzt Bass und Klavier drunter. Abhängig davon, wie sie rhythmisiert werden, entsteht entweder klassischer Techno-Eurodance oder Reggae-Eurodance à la Mr. President oder Ace Of Base.

5. Jetzt singt die sexy Frau ihren Refrain - leidend oder lasziv oder gaga. Je nach gewähltem Thema des Songs und der Kostüme. Einfach ein paarmal probieren. Sonst mehr Bier bzw. Koks. Regel: Nicht mehr als sechs unterschiedliche Wörter im Refrain. Wenn nach zwei Stunden noch keine zündende Idee da ist: Zur Inspiration die Kostüme anziehen. Weigert sich der Produzent nach drei Stunden plötzlich, weiterzumachen, schütte ihm heimlich das Ephedrin ins Bier. Ja, alles.

6. Jetzt der Rapper: Er muss die Strophen nur zukleistern, sonst hätte das Stück Längen. Was er rappt, ist völlig egal. Alle großen Dance-Klassiker stecken voller Grammatik-Fehler oder ergeben semantisch keinen Sinn. Es muss sich nur reimen. Mach jetzt! Sehr gut.

7. Bridge, C-Teil oder was dem Amateur außer Strophe und Refrain sonst noch als Songteile einfällt: Weglassen. Brauchst du nicht. Dein Ablauf ist: Instrumental-Refrain / Strophe / Refrain / Strophe / Refrain / Breakdown-Teil über den Akkorden der Strophe / Doppel-Refrain / Schluss (als Fade-out). Fertig. Viel Erfolg!

Inspiriert von Bill Drummond & Jimmy Cauty (The KLF): »Das Handbuch. Der schnelle Weg zum Nr. 1 Hit« (Gestalten Verlag, 1998).

Dieser Artikel ist Teil des Intro-Spezials Eurodance: Wie aus Scheiße Gold wurde.
Mehr unter www.intro.de/spezial/eurodance.




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aus Intro #188 (Dez 2010/Jan 2011)
 
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  • Silo Tharrazin 04.12.2010 | 19:20:37

    Eurodance - ist das nicht das, was bei The Dome und auf dem Melt läuft?

  • User: El_Raudi
  • El_Raudi 10.12.2010 | 16:03:23

    schöner Artikel!

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