Kratzen und Beißen
Intro hasst. Diesmal: Für private Rechte
28.06.2010, 11:09, Text:
Holger Risse, Foto: maha-online / CC
[10 Kommentare]
WLAN-Missbrauchsgesetz, willenlos Aufgabe aller privaten Rechte? Nicht mit uns.
Nun muss ich also auch noch mein WLAN abschließen. Denn neuerdings gilt: Sollte es nicht ausreichend gegen Missbrauch geschützt sein, hafte ich für den entstandenen Schaden. Damit liegt die Schuld einmal mehr nicht nur bei den Kriminellen, sondern auch bei dem Sorglosen. Und so schließen wir das Fahrrad an einen unbeweglichen Gegenstand, modifizieren unsere Privateinstellungen in Facebook und meiden dunkle Gassen.
Dass wir damit unsere Lebensqualität zugunsten einer vermeintlichen Sicherheit immer weiter einschränken, fällt den meisten erst auf, wenn sie nackt am Flughafen stehen.
Es ist schon seltsam, dass das diffuse Gefühl der Bedrohung stetig zunimmt, während die Polizeistatistik seit Jahren ein Abnehmen der Kriminaltaten verzeichnet. Aber das kommt eben raus, wenn die Politik seit Jahren mit den Mitteln der Angst taktiert. Die zunehmende Überwachung der Bürger, getarnt als Terrorbekämpfung, ist nur der Anfang gewesen – es folgten Milliardenbudgets zur Rettung der geldleidenden Banken (und, so die Logik: unserer Ersparnisse) und die Verteidigung der (ökonomischen) Freiheit am Hindukusch. Die Mechanismen sind dabei immer die gleichen: Die von Einzelfällen gespeiste, konkret kaum zu fassende Angst wird medial zu einer existenziellen Gefahr hochstilisiert, die nur mit für (fast) alle bitteren Mitteln bekämpft werden kann.
Die Konsequenz: Es ist an der Zeit, wieder im Privaten für unsere Freiheit zu kämpfen. Denn nicht der Sorglose ist der Schuft, sondern der Böse.
Wohin mit dem Hass? Hierhin!
Unter www.intro.de/spezial/kratzenundbeissen wird monatlich gedisst, was das Zeug hält.
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Intro 28.06.2010 | 11:09:00
WLAN-Missbrauchsgesetz, willenlos Aufgabe aller privaten Rechte? Nicht mit uns.
omg 28.06.2010 | 12:35:48
der Sorglose, der Schuft, der Böse...
und welche rolle spielt der abmahnanwalt: vielleicht der gierige?
bredel1 29.06.2010 | 08:33:26
bredel1 29.06.2010 | 08:39:51
Super,
aber das geht schon fast 2 Jahrzehnte so munter zu, dass die Regierungen und ihre ausführenden Organe uns unserer Freiheit berauben. Jeder mault, aber keiner wehrt sich dagegen. In diesem Land wird alles so geregelt, damit Toleranz keine Chance mehr hat.
Die Kriminellen sitzen in Berlin u. in den Landeshauptstädten.
Gruß Berthold
omg 29.06.2010 | 09:37:34
der adressat duerfte hier wohl eher die musikindustrie sein:
Im konkreten Fall ging es um den Song „Sommer unseres Lebens“. Die Staatsanwaltschaft hatte ermittelt, dass der Titel vom WLAN-Anschluss eines privaten Internetznutzers illegal auf einer Tauschbörse angeboten wurde. Dieser war zu dieser Zeit jedoch in Urlaub. Dennoch verklagte ihn die Musikgesellschaft mit den Titelrechten auf Schadenersatz, Unterlassung und Erstattung der Abmahnkosten.
Mit dem Urteil stärkte das höchste deutsche Gericht die Unterlassungsansprüche der Musikindustrie. Zugleich lehnten die Bundesrichter aber Schadenersatzzahlungen des WLAN-Inhabers in möglicherweise horrender Höhe ab und beschränkten insofern die Haftung privater WLAN-Inhaber. Denn wenn sich Dritte in seiner Abwesenheit Zugang zu dem Anschluss verschafften und unbefugt Musiktitel herunterlüden, treffe den Inhaber kein Verschulden, entschied der BGH. In dem Fall hafte der Inhaber nicht wie ein Täter, heißt es in der Urteilsbegründung. Schließlich habe nicht er selbst den Musiktitel zugänglich gemacht.
hansmoleman 29.06.2010 | 09:47:04
...behaupte ich mal so.
die empörung des eingangsartikel (sofern überhaupt ernst gemeint) kommt leider etwas deplaziert. w-lan nicht verschlüsseln war schon immer fahrlässig. eine herstellerverpfilchtung die geräte so zu konfigurieren, dass w-lan ohne verschlüsseln gar nicht möglich wäre, hätte mir allerdings besser gefallen, aber das wiederrum wäre aufgabe des gesetzgebers.
Albert_Brettermeier 29.06.2010 | 10:12:37
generation brettermeier
Genau. Am besten alles gesetzlich regeln und zwar so, dass für Fahrlässigkeit gar kein Raum mehr bleibt und alles in geregelten Bahnen verlaufen kann. Wo kämen wir denn sonst hin, wenn jeder wie er wollte ein offenes W-Lan betreiben könnte.
hansmoleman 29.06.2010 | 10:29:08
...behaupte ich mal so.
omg
v3it 29.06.2010 | 14:04:11
Interessanter und guter Beitrag den ich so hier nicht erwartet hätte, vor allem da auf intro.de möglicherweise eine Zielgruppe mit politischen Inhalten konfrontiert wird, denen sie sich sonst weniger aussetzen.
Doch wie schon Skin von Skunk Anansie so schön ins Mikro maulte "yes it's fucking political, everything's political"
joe public 29.06.2010 | 14:10:35
skunk anansie! hahahahahahaha
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