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Die besten Platten des Jahrzehnts

Revisited: The Streets - "Original Pirate Material"

02.01.2010, 10:02, Text: Jürgen Dobelmann
[1 Kommentar]

Das waren die Nuller: Wir blicken zurück auf die großen Momente und noch größere Alben, die uns auch heute noch begleiten. Jeweils mit der Original-Intro-Review von anno dunnemal. Heute mit The Streets - "Original Pirate Material". Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt.

England im September 2001. Gerade wurde die The Streets-Debütsingle "Has It Come To This?" auf die Top-Rotation des Tonträger-Kaufimpulsgebers Radio One gestuft.


Im streng chartorientierten Konsensmix erregt der dokumentarische UK-Garage/HipHop-Hybrid zwischen den anderen Neuvorstellungen Kosheen und Sophie Ellis-Bextor schnell das Missfallen von BBC-Chef-Schaumschläger Chris Moyles. Noch während der Sendung zitiert der Populismus-gestählte Rundfunk-Proll seinen Musikredakteur ins Studio, um ihn mit den ihm eigenen Mitteln (Häme, aufgeblasene Verständnislosigkeit) abzustrafen. Als dieser den On-Air-Diss "What kind of embarassing shit is this?" mit einem knappen "I think, it’s pure genius" kontert, ist die Stimmung vor Millionen Radiohörern auf dem Tiefpunkt. Schnell spielt die Technik Afroman ein, um die Situation zu entschärfen.



Auslöser der Kontroverse ist Mike Skinner. Aufgewachsen in der uncoolsten UK-Metropole Birmingham, lebt der 22-jährige nun in London, wo er mit nur einer Single ein komplettes Genre revolutioniert. Das Konzept ist einfach: Das Ein-Mann-Movement The Streets feiert nicht den markenbewussten Heissa-Hossa-Jetset-Lifestyle und die gewaltaffine Gang-Mentalität anderer UK-Garage- und (darf ich’s sagen?) 2-Step-Protagonisten.

Vielmehr berichtet Skinner in bester Bedsit-Producer-Tradition vom Abhängen in den unglamourösen eigenen vier Wänden, name-checked dabei Narkotika, Spielekonsolenhersteller und Telekommunikationsanbieter. Auf dem Debütalbum unterlegt er seine Straßenlyrik mit grobgeschnitzten Beats und respektlos gecutteten Streicher- und Pianosamples. Ganz nebenbei liefert er dabei zitierfähiges Material für ca. eineinhalb Jahre NME-Headlines. Angesichts eines derartigen Authentizitätsüberschusses droppt die UK-Presse in Reviews bereits Namen wie Bob Dylan und Specials.

Das sagt das Forum:

petrophil2001

»2Step/UK-Garage ist nicht tot....diese Platte ist ein guter Beweis dafür!«

Zum Thread


Klar - das ist nicht "bling" und hat herzlich wenig mit dem tittenschwingenden Designerwear-Nightlife zu tun, der UK Garage in England für champagnerschlürfende Medienvertreter zur attraktiven Abendzerstreuung werden ließ. Was könnte diese also anno 2002 mehr schockieren als Stories über picklige Disco-Schlangensteher, Billig-Sauftouren und stubenhockende Playstation-Junkies? Meine Sympathien hat der junge Mann: Mike Skinner ist kein Global Player, hasst Clubculture und war bis vor kurzem der Ansicht, der UK-Garage-Major-Hangout Ayia Napa befände sich in Spanien. Das Album des Jahres.

Intro-Jahrzehntpoll, Platz 15:
The Streets - "Original Pirate Material"
[Locked On 679 / Wea / VÖ: 29.04.2002 ]

Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt. Die gesamte Top 100-Liste findet ihr hier.

Der große Intro-Jahrzehntrückblick: Das waren die Nuller.
.: www.intro.de/spezial/dienuller :.

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  • User: snorej
  • snorej 02.01.2010 | 11:14:34

    das dieses album nicht in der top ten ist, shame on you.

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