Die besten Platten des Jahrzehnts
Revisited: Arcade Fire - "Neon Bible"
11.12.2009, 12:36, Text:
Kai Klintworth
Das waren die Nuller: Wir blicken zurück auf die großen Momente und noch größere Alben, die uns auch heute noch begleiten. Jeweils mit der Original-Intro-Review von anno dunnemal. Heute mit Arcade Fire - "Neon Bible". Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt.
Höchstens noch ein krasser Stilwechsel oder ein durch Fluch herbeigeführter Totalausfall könnten dieses Album davor retten, ein Renner zu werden. Ein Renner in der medialen Wahrnehmung und ein Renner auf dem Plattenspieler oder den sonstigen Wiedergabeschüsseln der gesamten Indie-Welt. Zu nachhaltig ist der Ruhm, den der Vorgänger "Funeral" angehäuft hat. Dieses Album ist zum Hit verdammt.
Und damit könnte man sich fast schon jedes weitere Wort sparen. Denn wenn jeder halbwegs Interessierte mit "Neon Bible" in Kontakt kommen wird, muss man keinem was predigen, sondern kann all deren Gefallen bzw. Nichtgefallen freien Lauf lassen. Und in ein paar Monaten zeigt sich dann, ob Arcade Fire, die personifizierten Feuilleton-Darlings, es genau wie Adam Green über diesen Weg richtig hoch hinaus schaffen. Das alles wird sich weisen. Hier mal die Chancen dafür:
Kontra: Das Hippieeske, das Kommunentum, das verschwurbelt Kanadische ist bereits etwas über seinem Zenith. The Hidden Cameras, Broken Social Scene tauchten zuletzt in schon leicht nervigen und arg vielen Splittergruppen immer und überall auf, das Animal Collective aus der anderen Ecke tut ein Ähnliches. Außerdem erscheint die neue Arcade Fire einen Tick spröder im ersten Moment.
Pro: Die glänzende Ausgangslage wiegt einfach sehr schwer, das Wohlwollen und das Wollen des Publikums wird diese erste kleine Schwelle wegfegen. Die Texte haben sich gemacht, es geht ganz nonchalant um singularisierte Identitäten in der globalisierten Welt, um Intimes, vorgeführt in einem stets leicht skurrilen Zirkuszelt. Und wenn sich das Songwriting ab dem dritten Umlauf richtig entfaltet und festgesetzt hat, kommen keine Zweifel mehr auf. Das Indie-Hippie-Kammerorchester holt alle Herzen ab, die es 2005 entflammt hatte. Plus x. Und jetzt ab ins Feuilleton, auf die Musik-Magazin-Cover und die Bühne.
Intro-Jahrzehntpoll, Platz 28:
Arcade Fire - "Neon Bible"
[City Slang / Rough Trade / VÖ: 02.03.2007 ]
Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt. Die Reviews zu den 50 besten Platten der Nuller findet ihr unter www.intro.de/spezial/plattendesjahrzehnts.
Die gesamte Top 100-Liste findet ihr hier.
Der große Intro-Jahrzehntrückblick: Das waren die Nuller.
.: www.intro.de/spezial/dienuller :.
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