Die besten Platten des Jahrzehnts
Revisited: Kettcar - "Du und wieviel von deinen Freunden"
08.12.2009, 12:33, Text:
Rainer Ott
[28 Kommentare]
Das waren die Nuller: Wir blicken zurück auf die großen Momente und noch größere Alben, die uns auch heute noch begleiten. Jeweils mit der Original-Intro-Review von anno dunnemal. Heute mit Kettcar - "Du und wieviel von deinen Freunden". Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt.
Da ist sie also! "Du und wieviel von deinen Freunden", die - wie die 20.000 Downloads und unzähligen Gästebucheinträge auf www.kettcar.net zeigen - nicht nur von mir sehnlichst erwartete erste offizielle Kettcar-Platte.
Vorausgegangen ist eine 4-Track-Mini-CD namens "So lange die dicke Frau noch singt, ist die Oper noch nicht zu Ende", die auf den bisher ca. zwei Dutzend gespielten Konzerten kostenlos verteilt wurde; und es waren nicht wenige, die schon bald jedes Wort mitsingen konnten. Mitsingen konnten viele ja früher auch mal bei Rantanplan und natürlich bei ... But Alive, die ja - und da wird wohl niemand widersprechen - zumindest einen der möglichen Soundtracks für die Neunziger ablieferten.
Und Kettcar sind dann so was wie die Symbiose aus diesen beiden Bands. Nicht musikalisch, sondern eher personell bedingt, was aber gar nicht so sehr interessieren soll. Des öfteren konnte man jetzt schon lesen, dass Kettcar die stringente Weiterentwicklug der letzten ...-But-Alive-Platte wären. Das stimmt. Das stimmt nicht. Natürlich ließe sich - nimmt man die drei ersten BA-Platten mal als ähnlich in einen Block zusammen - "Hallo Endorphin" als Bindeglied verstehen, tauchen doch zum ersten Mal Synthies auf und ist sie insgesamt (also auch inhaltlich) viel songorientierter (ob Pop oder Rock wäre noch mal einen Ausflug wert) als ihre Vorgänger.
Ich aber glaube, dass wir Kettcar tatsächlich als neue Band verstehen sollten. Was hier zwischen Gänsehaut und Rocken passiert, ist anders, vollkommen anders. Und um das zu verstehen, müssen wir trennen, was eigentlich zusammengehört: Text und Musik. Wenn bei ... But Alive (fast) immer klar war, worum es geht und warum was jetzt wie sein muss oder sollte (sprich: die Musik sich, zumindest in der Wahrnehmung, den Texten unterordnen musste), gibt es heuer ein nahezu perfektes Gleichgewicht. Es ist das, was Generationen vor uns gesucht haben, und vielleicht haben wir es jetzt gefunden: den perfekten Popsong.
Mit ihrer Mixtur aus Emotionalität, Enttäuschung, Liebe und, ja, auch Verständnis und der Besetzung von zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass, Orgel und liebevollen Elektro-Spielereien haben Kettcar das Beste von Punk in die Welt des Pop übertragen und erzeugen damit eine Melancholie, in die man sich hineinfressen könnte, die aber doch nie ausweglos ist. So lebt die aktuelle Platte vor allem von und in ihren ruhigen, teilweise akustischen Momenten. Nur deshalb können die schnelleren Rockparts überhaupt so gut funktionieren. Eine fast schon erschreckende Melange aus zehn Jahren aktive Musikerfahrung, die mal wieder zum Ergebnis bringt (und das ist vielleicht der Unterschied zu ... But Alive), dass der Song nur perfekt ist, wenn die Mischung stimmt. Wie hier Text und Musik zusammengehen, lässt mich fast erzittern vor Ehrfurcht. Es ist alles so gut überlegt, nie doof. So ist "Du und wieviel ..." die Demonstration brillanten Songwriterhandwerks, weg vom Punkrock, hin zum Popsong, und - das zeigte sich schon live - "Landungsbrücken raus" ist ein Song für die Ewigkeit. Kettcar für die bessere Welt!
Intro-Jahrzehntpoll, Platz 30:
Kettcar - "Du und wieviel von Deinen Freunden"
[Grand Hotel Van Cleef / Indigo / VÖ: 28.10.2002 ]
Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt. Die Reviews zu den 50 besten Platten der Nuller findet ihr unter www.intro.de/spezial/plattendesjahrzehnts.
Die gesamte Top 100-Liste findet ihr hier.
Der große Intro-Jahrzehntrückblick: Das waren die Nuller.
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Intro 08.12.2009 | 12:33:00
Wir blicken zurück auf die großen Momente und noch größere Alben, die uns auch heute noch begleiten. Jeweils mit der Original-Intro-Review von anno dunnemal. Heute mit Kettcar - "Du und wieviel von deinen Freunden". Es ist alles so gut überlegt, nie doof, befand damals unser Rezensent Rainer Ott. "Du und wieviel ..." ist die Demonstration brillanten Songwriterhandwerks, weg vom Punkrock, hin zum Popsong, und "Landungsbrücken raus" ist ein Song für die Ewigkeit...
Albert_Brettermeier 08.12.2009 | 12:48:50
generation brettermeier
Ihr habt echt Humor.
Florian Tomaszewski 08.12.2009 | 13:09:39
Zu Recht dabei. Die Platte wird immer vergessen, wenn es darum geht, dass Musik mit deutschen Texten in den 00ern wieder relevant wurde! Wichtiges Werk!
Albert_Brettermeier 08.12.2009 | 13:17:20
generation brettermeier
Ja, neben Silbermond, Juli und Wir sind Helden werden die immer total verschwiegen.
Dremmdremmplemm 08.12.2009 | 13:38:54
"wieviel[sic] von deinen Freunden" ist tatsächlich ein sprachklassiker
Fortuna95 08.12.2009 | 16:19:11
Anmerkungen:
das [sic] zeigt wohl, wie wenig du den Titel der Platte verstanden hast.
die leidige Diskussion, dass Kettcar, Tomte (etc.) nichts anderes sind als Silbermond (etc. - und damit genauso wenig hörenswert) war doch schon 2002/2003 langweilig, öde und nervig. 2009 wird es auch im Rückblick nicht inhaltsvoller.
grüße
hansmoleman 08.12.2009 | 16:26:08
...behaupte ich mal so.
langweilig sicherlich, aber trotzdem immernoch das interessanteste, was sich mit dieser lahmen band anstellen lässt.
Albert_Brettermeier 08.12.2009 | 16:52:24
generation brettermeier
Mich würde auch mal interessieren, inwiefern Pop/Rockmusik mit deutschen Texten denn abseits von Chartserfolgen in den 00ern (und da wären wir wieder bei Juli, Silbermond, Wir sind Helden) im Gegensatz zu den 90ern irgendwas an Relevanz gewonnen haben soll.
LucTonnerre 08.12.2009 | 16:56:45
Hab die Platte damals eine Woche lang nach Release jeden Tag gehört. Danach nie wieder.
Den Nachfolger kopfschüttelnd wahrgenommen, Sylt komplett ignoriert.
Live auch nicht besonders überzeugend. Kein Druck, schlecht gespielt...
Nee, nicht mehr meins.
CharlieBrown 08.12.2009 | 16:58:56
Kennt ihr schon die neue Kettcar/Pur Split Single?
black sheep beuys 08.12.2009 | 17:05:33
Heart's fear
Nee, aber wir kennen jetzt hier den neuen Forums-Clown, wa?
lemoche 08.12.2009 | 21:13:15
Berührt mich immer noch zutiefst... wem das nicht so geht... dann kotzt euch halt aus... es gibt nun mal musik die kann man nicht erklären.. nicht objektiv hören... verstehen... und da gehört kettcar einfach dazu... es sitzt oder eben nicht....
Heidi Kabel 08.12.2009 | 21:38:53
Gehört für mich auch auch auf jeden Fall zu den besten Platten der 00er. Vor allem, aus der damaligen Perspektive. Ansonsten kann ich mich LucTonnerres Den Nachfolger kopfschüttelnd wahrgenommen, Sylt komplett ignoriert.
Live auch nicht besonders überzeugend. (leider) anschließen.
snorej 08.12.2009 | 22:21:34Berührt mich immer noch zutiefst... wem das nicht so geht... dann kotzt euch halt aus... es gibt nun mal musik die kann man nicht erklären.. nicht objektiv hören... verstehen... und da gehört kettcar einfach dazu... es sitzt oder eben nicht....
Gehört für mich auch auch auf jeden Fall zu den besten Platten der 00er. Vor allem, aus der damaligen Perspektive. Ansonsten kann ich mich LucTonnerres Den Nachfolger kopfschüttelnd wahrgenommen, Sylt komplett ignoriert.
Live auch nicht besonders überzeugend. (leider) anschließen.
vielleicht es ist auch eine art gefühlsdusselei, ich kenn das. ich bin immer sehr überrascht und es treibt mir die schamesröte ins gesicht. das geht mir auch machmal bei "schnulzen" so. es gibt sogar tage da muss ich bei 37 grad weinen.
Albert_Brettermeier 08.12.2009 | 22:49:41
generation brettermeier
Link
snorej 09.12.2009 | 07:31:53
Link
bei user online bin ich gerade doppelt angemeldet, ich existiere also zweimal. das macht mir jetzt echt probleme.
_wahr_ 09.12.2009 | 08:52:58
Hausmeister TUWPgefühlsdusselei
schöner doppeldeutiger verschreiber.
:)
snorej 09.12.2009 | 09:15:08
du dussel, das war doch gar kein verschreiber.
Bimslette 09.12.2009 | 09:40:44
du und wieviel von deinen dusseligen verschreibern
snorej 09.12.2009 | 09:53:36
alle bims, alle verdammten der welt. und wenn du einen findest darfst du ihn behalten. honky ponk!
Mistviech 09.12.2009 | 11:35:30
Hab die Platte damals ein Jahr lang nach Release jeden Tag gehört. Danach immer wieder.
Den Nachfolger kopfnickend wahrgenommen, Sylt nach einer Woche ignoriert.
Live fast immer überzeugend, nur beim Hurricane 2008 schlecht gespielt...
Trotzdem immer noch meins.
(LucTonnerre, danke für die Vorlage.)
flame sweetheart 09.12.2009 | 12:45:44
just here to cheer!Es ist das, was Generationen vor uns gesucht haben, und vielleicht haben wir es jetzt gefunden: den perfekten Popsong.
Du tickst doch wohl nicht ganz richtig! Ein Furz von Brian Wilson ist mehr Popmusik als 1000 Kettcar-Alben.
black sheep beuys 09.12.2009 | 12:48:49
Heart's fear
Dem gibt es nichts hinzuzufügen.
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