Die besten Platten des Jahrzehnts
Revisited: Muse - "Absolution"
27.11.2009, 12:03, Text:
Jörg Koch
[1 Kommentar]
Das waren die Nuller: Wir blicken zurück auf die großen Momente und noch größere Alben, die uns auch heute noch begleiten. Jeweils mit der Original-Intro-Review von anno dunnemal. Heute mit Muse - "Absolution". Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt.
Man soll den Sound einer Band nie zu früh als festgeschrieben abstempeln. Eine Mikroweisheit, klar. Aber was hat mich am Muse-Debütalbum "Showbiz" damals, also vor gefühlten vier, fünf Jahren, noch so gestört? Sind wir mal ehrlich: Was Sänger (Gitarrist und Pianist) Matthew Bellamy, Schlagzeuger (und wirklich nur das) Dominic Howard und Bassist Chris Wolstenholme damals boten, klang nicht wirklich besser als das, was alle anderen Rockbands in dem Post-Grunge-Dilemma so anstellten – nur dass es sich deutlich besser verkaufte.
Danach führten mich Vorurteile immer an der Band vorbei. Was sich jetzt als Nachteil herausstellt. Denn wenn ich das neue Album "Absolution" höre, bin ich geneigt, die These zu wagen, dass mich bereits ihre VÖs nach "Showbiz" durchaus auch schon für die Band hätten gewinnen können.
"Absolution" mutet so klassisch an – und das hat unser Autor des letztmonatigen Features sehr klar herausgearbeitet (was übrigens jetzt nicht nach dem wohlwollenden Lehrergequatsche klingen soll, wie es das gerade tut). Klassisch darüber hinaus nicht in der Art, wie es Rammstein gerade angehen, die ihre Songs vom Dresdner Sinfonieorchester als monumentale Oper haben arrangieren lassen und damit jegliche Form von Musik zur Zeit aus ihrem Werk eliminieren, sondern klassisch im Sinne von: diese ganz große pompöse Inszenierung. Der nie unpoppige Gitarrenlärm von Muse wird dadurch in ungeahnte Höhen geschraubt.
Immer passt noch eine Schicht mehr drauf. Das ist der Rock der Zukunft, höre ich mich denken – und tippe es schnell: variabel in den Rhythmen, satt im Klang und trotzdem nicht zu advanced für seine mitunter Sound-konservative Zielgruppe. Die Klassik von Muse erinnert (in Abgrenzung zu oben ins Spiel gebrachten Rammstein) eher an Rachmaninow und Chopin in ihrem modern-romantischen Gestus denn an Wagner oder Ravel. Ihr fast zwanzigköpfiges Orchester kommt mit Streichern und Mandolinen daher statt mit den großen Trommelwirbeln.
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Dazu passt folgendes Zitat von Matthew Bellamy aus dem Intro-Feature: "Klassische Musik ist die ultimative Kombination von extremer Intelligenz und emotionaler Tiefe." Ein Sänger, der so etwas sagt, sieht seinen stimmlichen Input natürlich folgerichtig als ein weiteres Instrument und nicht als das Nonplusultra des Sounds. Genau diesen Vorwurf habe ich ihrem Erstling immer gemacht. Ich dachte, zu sehen und hören, dass der Frontmann dieser Teenager-Combo zerfressen sei von egomanischer Geltungssucht – und folgerichtig so enden würde wie seine Grunge-Heroen. So kann man sich täuschen.
Und dann sind da noch die Balladen, jene Momente, in denen sich im harten Rockgewerbe die Accepts von den Nickelbacks trennen. Wo Erste immer wussten, was guter Pathos ist, verlieren sich Zweitere ja polemisch gesagt in ihren Bärten und Frisuren. Muse haben trotz des noch immer jungen Alters aller Beteiligten (so ca. Mitte zwanzig) schon jene Souveränität erreicht, dass sie sich auszudrücken trauen, was sie fühlen. Gut so, denn das machen doch sonst nur die Bösen – und das fällt dann halt dementsprechend aus. Mich haben sie zumindest überzeugt hiermit.
Intro-Jahrzehntpoll, Platz 39:
Muse - "Absolution"
[Motor / Universal / VÖ: 22.09.2003 ]
Die besten Platten des Jahrzehnts wurden im Rahmen des Intro-Jahrzehntpolls von den Intro-Usern gewählt. Die Reviews zu den 50 besten Platten der Nuller findet ihr unter www.intro.de/spezial/plattendesjahrzehnts.
Die gesamte Top 100-Liste findet ihr hier.
Der große Intro-Jahrzehntrückblick: Das waren die Nuller.
.: www.intro.de/spezial/dienuller :.
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otic 29.11.2009 | 14:17:16
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