Die Wahrheit
Ave, Maria!
27.11.2009, 10:01, Text:
Boris Fust
[3 Kommentare]
Eine Soloplatte unterstreicht den Rang des Papstes als Ausnahmekünstler. Benedikt wird Labelkollege von Nirvana und Guns N’ Roses. Wer macht die bessere Musik für die Stunde unseres Todes? Der große Vergleichstest. Von Boris Fust
Gegen ihn sind die Beatles eine unbedeutende Schulfestband aus der Nähe von Maghull: Papst Benedikt ist der einzige Megastar, der mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen kann, berühmter als Jesus zu sein. Doch das würde der bodenständig gebliebene Intellektuelle aus Marktl am Inn nie tun: Joseph Alois Ratzinger, wie Benedikt der XVI. mit bürgerlichem Namen heißt, ist von einer Bescheidenheit, wie sie nur wenige Menschen ziert.
Doch seine Soloscheibe ist nichts weniger als endkrass. "Alma Mater" heißt sie, wurde in mühevollen Nachtschichten vom Pro-Tools-Administrator in den "Abbey Road Studios" zusammengecopypastet und erscheint heute bei Geffen. Damit wird der Papst zum Labelkollegen von Nirvana und Guns N’ Roses. Entsprechend hoch liegt die Messlatte. Was kann der Papst? Wird sich "Alma Mater" gegenüber den nicht wenig epochalen Werken "Nevermind" und "Appetite For Destruction" behaupten? Hat der Papst auf dem Pop-Olymp neben den strahlenden Lichtgestalten Axl Rose und Kurt Cobain überhaupt noch Platz? Der Papst im großen Spritualitätsvergleichstest.

Wie alle seriösen Rockplatten muss man auch diese sehr, sehr laut hören. Dunkel dräuen dann die Streicher. Im Crescendo bildet sich ein sägender Orgelpunkt heraus – markerschütternd wie Atari Teenage Riot während eines MIDI-Hängers. "Kyrie", so erschallt lucretianisch eine Frauenstimme – ein großes Wort, gelassen herausgebölkt. Zwei Minuten dreißig wullackt dieser Monster-Goth, dann endlich heißt es: Gegrüßest seist Du, Bene! Die Violinen fahren eine sich wie eine Schlange windende Melodie und dann spricht er: "La fede è amore e perciò crea poesia e crea musica."
"Alma Mater" ist eine mit Musik unterlegte Spoken-Words-Platte. So bekommt die erste Zeile ("Glaube ist Liebe und bringt darum Poesie und Musik hervor") natürlich ein ganz besonderes Gewicht. Schon im ersten Satz bricht der Papst mit Publikumserwartungen: Der Eröffnungs-Track trägt den Titel "Sancta Dei Genitrix", eine Anspielung auf die Lauretanische Litanei, deren Originalversion von 1561 bereits von vielen Päpsten live gecovert wurde. Unter Oldschool-Gesichtspunkten hätten die Vocals also mit "Bitte für uns / O heilige Gottgebärerin" beginnen müssen. Doch diese Worte kommen überhaupt nicht vor, stattdessen folgt ein irrer Cut-up aus Marianischen Antiphonen, wie sie eine große Bedeutung bei den Serviten während der Stundengebete haben, und kommerzielleren Teilen des Ordinarium Missae – das Kyrie ist ja nichts weniger als das Rave-Signal der katholischen Kirche. Hinsichtlich der Lyrics liefert der Papst also gleich zu Beginn ein hochinnovatives Referenzcluster. Bemerkenswert, mit welch leichter Hand der Papst auch noch eine Hommage an das Schaffen Kurt Schwitters’ einarbeitet: Mit dem Wörtchen "perchiò“"(darum) führt er natürlich jeden inhaltlichen Sinn ad absurdum. Da sage keiner, der Papst wisse nicht, "wie der Kirchturm steht"!
Was macht die Konkurrenz?
Schauen wir, was die Konkurrenz zu bieten hat: "Load up on guns / And bring your friends", so beginnt Kurt Cobain "Smells Like Teen Spirit". Auch wenn es ausgesprochen gelungen ist, wie diese Zeile sich auf ein flammendes Statement für mehr Gemeinsinn, wie er sich im Wort "Friends" ausdrückt, zum Ende hin verjüngt, gibt es doch an der gesanglichen Darbietung und der interpretatorischen Leistung einiges auszusetzen: Die bedeutungsvollen Worte klingen aus Cobains Mund wie das Genuschel eines hirnverbrannten Junkies. Der Punkt geht klar an den Papst.
Doch o textliche Meisterschaft des William Axl Rose! "Welcome to the jungle / We got fun 'n' games", so beginnt das kardinale Sleaze-Werk "Appetite For Destruction". Roses Anrufung der beiden Götzen "fun 'n' games" ist so viel direkter und ummittelbarer. Der Papst will zwar auf das gleiche hinaus, ergeht sich aber in einer völlig überflüssigen Herleitung von "fun" ("Poesie") und "Games" ("Musik") und greift zur Rechtfertigung zu vagen Begriffen wie "Glaube" und "Liebe". Die Argumentationskette Glaube-Liebe-Poesie-Musik wirkt schwerfällig, dichterisch verquast und inhaltlich kaum überzeugend. Weniger wäre mehr gewesen, dem Papst fehlt es entschieden am Selbstbewusstsein, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Poesie und Musik.
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Intro 27.11.2009 | 10:01:00
Eine Soloplatte unterstreicht den Rang des Papstes als Ausnahmekünstler. Benedikt wird Labelkollege von Nirvana und Guns N’ Roses. Wer macht die bessere Musik für die Stunde unseres Todes? Der große Vergleichstext. Von Boris Fust
ösel 27.11.2009 | 10:17:15
Polterkowski & Söhne
Äh, luschtig...
adlerohr 27.11.2009 | 11:28:32
gehirnzellenmassaker
!!!
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